Deutsche Tourenwagen-Masters: Flotter Dreier

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Die 500-PS-Boliden gehen wieder auf die Strecke: Die neue Saison der Deutschen Tourenwagen-Masters startet. Im Fokus steht der Wiedereinstieg von BMW, der die Phalanx von Mercedes und Audi brechen soll. Kann das neue Team gleich um den Titel fahren?

Motorsport: Dreikampf in der DTM Fotos
DPA

Der Auftakt ging schon mal daneben. Wenige Tage vor dem ersten Saisonlauf der Deutschen Tourenwagen-Masters (DTM) waren die Teams mit ihren Rennwagen zur großen Schau in Wiesbaden zu Gast. Die neuen 500-PS-Boliden drehten in der Stadt einige Runden - und machten sich damit nicht nur Freunde. Die Veranstaltung fiel ausgerechnet auf den weltweiten Umwelt- und Klimatag Earth Day.

Während Wiesbadens Umweltdezernent deshalb alle Bürger aufforderte, das Fahrrad, Busse und Bahnen zu nutzen, rasten die DTM-Autos für mehrere Stunden über die Wilhelmstraße. Der Termin sorgte in Wiesbaden deshalb für einen Streit zwischen den Grünen und der SPD.

So etwas hört man in der DTM sicher nicht gerne. Besonders jetzt nicht, so kurz vor der neuen Saison, von der sich so viele so viel versprechen. Egal wer und egal wo: Fahrer und Teamchefs sind vor dem ersten Rennen am Sonntag auf dem Hockenheimring schwer damit beschäftigt, in Zeitungen und im Fernsehen auf sich aufmerksam zu machen. Auf nicht weniger als die "neue und wichtigste Ära" der DTM, wie Norbert Haug sagt.

Der Grund für die markigen Worte des Mercedes-Sportchefs lautet: BMW. Mit der Rückkehr der Münchner in die DTM fährt in der insgesamt zehn Rennen umfassenden Saison zum ersten Mal seit sechs Jahren neben Mercedes und Audi wieder ein dritter Hersteller mit. "Ich freue mich sehr, ich hatte die Fragen nach dem dritten Hersteller satt", sagte der Vorsitzende des Veranstalters Internationale Touren-Rennen (ITR), Hans Werner Aufrecht.

BMW sieht sich als "ambitionierter Neuling"

Seit 2006 fuhren Mercedes und Audi die Champions unter sich aus. Man konnte darin einen äußerst exklusiven Rahmen für eine Rennserie sehen. Oder man nannte es einfach langweilig. In den vergangenen zwölf Jahren gewann Audi sechsmal die Fahrerwertung. Genau wie Mercedes, alles hübsch aufgeteilt. Für Rennsportfans war die Konstellation eine Katastrophe.

Das soll nun alles vorbei sein. Mit BMW kommt eine verdiente Marke zurück. Zwischen 1987 und dem Ausstieg 1992 gewann man 40 DTM-Rennen. Doch die vermeintlich goldenen Jahre, in denen Roberto Ravaglia 1989 in der Vorgänger-Serie die Deutsche Tourenwagen-Meisterschaft gewann und später unter anderem Johnny Cecotto und Steve Soper um Punkte für die Gesamtwertung fuhren, liegen 20 Jahre zurück.

Wie schnell BMW die Hoffnungen auf mehr Spannung allerdings erfüllen kann, weiß nicht einmal Motorsport-Direktor Jens Marquardt. "Es ist schwierig zu sagen, wo BMW im Vergleich zu den beiden anderen Marken steht. Audi und Mercedes haben in der DTM sicherlich einen gewissen Erfahrungsvorsprung aus den vergangenen Jahren", sagt er: "Wir sind ein ambitionierter Neuling und wollen für Überraschungen sorgen."

Man ist unter sich

Für den Neuling fährt neben Bruno Spengler auch Titelverteidiger Martin Tomczyk, der von Audi kam. "Ich bin sehr auf das Kräfteverhältnis gespannt und hoffe, dass wir unseren erfahrenen Konkurrenten möglichst nahe kommen können." Dafür hat man sich bei der DTM einiges einfallen lassen.

Die Autos sind zu großen Teilen vereinheitlicht. So sollen es vor allem die Fahrer sein, die über Sieg und Niederlage entscheiden. Im Qualifying gibt es nun vier Runden im K.o.-Modus, ähnlich zum System in der Formel 1. Von dort wurde nun auch das Punktesystem übernommen. Das alles soll reizvoller für den Zuschauer sein, für die Nabelschau der Hersteller sind diese Dinge beinahe egal.

Bei der DTM geht es auch 2012 vor allem darum, Faszination für die Marken herzustellen und Serienmodelle zu verkaufen. Nach dem Ausstieg von Opel im Jahr 2005 ist mit dem Trio Audi, Mercedes und BMW nun zusammen, was augenscheinlich zusammengehört. Oder wie Haug es sagt: "Jetzt treten die drei weltbesten und weltbekanntesten Premium-Automobilhersteller in der DTM gegeneinander an."

Das scheint zu funktionieren. Zur umstrittenen Auftaktveranstaltung in Wiesbaden kamen trotz schlechten Wetters mehr als 70.000 Zuschauer.

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1.
MrSnoot 29.04.2012
Endlich wieder eine gute Alternative zur Formel 1 - und das ganze im ÖR ohne nervende Werbung. Bin gespannt, wie sich BMW schlägt. Aber etwas mehr Abwechslung als nur mit zwei Teams ist schon mal sicher.
2.
brille007 29.04.2012
Wenn 70.000 Zuschauer diese Veranstaltung in Wiesbaden besucht haben, ging die Auftaktveranstaltung ganz sicher nicht "daneben", sondern war ein voller Erfolg. Wenn gleichzeitig andere Leute an diesem Tag den "Earth Day" zelebrieren wollen, ist das deren gutes Recht - aber kein übergeordnetes Ziel, dem sich alles andere unterzuordnen hätte. Zumal diese Veranstaltung ja nicht improvisiert, sondern ganz ordnungsgemäss angemeldet war.
3.
gemüsepeter 29.04.2012
Die DTM ist doch stinklangweilig. Die Autos haben mit Serienfahrzeugen so wenig zu tun, dass selbst Marken wie Tatra problemlos gegen Mercedes oder BMW fahren könnten. Wer die besseren Autos baut ist völlig egal, unter den Aufklebern steckt bei allen die gleiche Technik. Langweilig! Kein Vergleich mit der spannenden DTM Anfang der 90er Jahre als auch noch wesentlich mehr Marken dabei waren und ein grantelnder Röhrl mal eben einspringen musste. Damals fuhren noch Audi V8 gegen den Dreier von BMW. Damals war die DTM noch DTM und kein langweiliger möchtegern Abklatsch der Formel 1.
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DTM-Meister seit 2000
Jahr Fahrer (Marke)
2013 Mike Rockenfeller (Audi)
2012 Bruno Spengler (BMW)
2011 Martin Tomczyk (Audi)
2010 Paul di Resta (Mercedes)
2009 Timo Scheider (Audi)
2008 Timo Scheider (Audi)
2007 Matthias Ekström (Audi)
2006 Bernd Schneider (Mercedes)
2005 Gary Paffett (Mercedes)
2004 Matthias Ekström (Audi)
2003 Bernd Schneider (Mercedes)
2002 Laurent Aïello (Audi)
2001 Bernd Schneider (Mercedes)
2000 Bernd Schneider (Mercedes)

DTM-Regeländerungen 2012
Sportlich:
Nachtanken während der zwei Pflicht-Boxenstopps ist seit Beginn der Saison 2012 nicht mehr erlaubt. Dafür wurden die Tanks von 70 auf 120 Liter vergrößert.
Das Punktesystem wird analog zur Formel 1 gehandhabt: Die Staffelung vom Sieger bis zum Zehnten lautet 25-18-15-12-10-8-6-4-2-1. Keine Streichresultate oder Extrapunkte für die Pole-Position.
Das Qualifying wird in vier Runden im K.o.-Modus gefahren. Nach der 16-minütigen ersten Runde des "Shoot-out" stehen die letzten acht von 22 Starten fest. Runde zwei dauert elf Minuten, die ausgeschiedenen Fahrer starten von den Plätzen neun bis 14. Gleiches gilt für Runde drei. Runde vier ist ein Einzelzeitfahren der schnellsten vier Piloten, die die Pole-Position unter sich ausmachen.

Technisch:
Als Antwort auf die neuen Sicherheitsanforderungen haben die Hersteller für diese Saison völlig neue Autos gebaut. Die sind breiter, flacher, länger und insgesamt bulliger als die alten Modelle.
Viele Teile der Boliden wurden vereinheitlicht, so etwa die Bremsen, das Kohlefaser-Monocoque, der Sicherheitskäfig, die Heckflügel und die Antriebswellen.
Das Mindestgewicht eines Autos inklusive Fahrer, Anzug und Helm ist 1100 Kilogramm.