"Passt nicht zu dem, was Sport prägt" DOSB geht auf Distanz zum E-Sport

Der Deutsche Olympische Sportbund will dem E-Sport vorerst keinen Platz in seinem Programm einräumen. Die Gaming-Szene reagierte mit Kritik: "Damit stellt man sich gegen eine junge Bewegung."

Zuschauer beim E-Sport-Event "ESL One Hamburg"
DPA

Zuschauer beim E-Sport-Event "ESL One Hamburg"


Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) sieht derzeit keinen Anlass für die Aufnahme von E-Sport. In einer Mitteilung erklärte der Verband, "dass E-Gaming in seiner Gesamtheit nicht den zentralen Aufnahmekriterien entspricht, die das Sport- und Verbändesystem unter dem Dach des DOSB konstituieren und prägen".

Der Dachverband sieht allerdings in elektronischen Sportartensimulationen, die sich eng am eigentlichen Sport orientieren, "für unsere Vereine und Verbände Potenzial für eine Weiterentwicklung", sagte die DOSB-Vorsitzende Veronika Rücker.

Der DOSB unterscheidet beim E-Sport fortan zwischen diesen Sportartensimulationen und dem E-Gaming, zu dem Spiele wie Counter Strike, League of Legends oder virtuelle Kartenspiele gehören. Rücker dazu: "E-Gaming passt nicht zu dem, was den gemeinwohlorientierten organisierten Sport prägt."

Kritik an der DOSB-Entscheidung

Der E-Sport-Bund Deutschland (ESBD) kritisierte diese Haltung. "Die Positionierung zeigt, dass es weiterhin kaum Verständnis über die E-Sport-Bewegung gibt", sagte Präsident Hans Jagnow. "Damit stellt man sich an der DOSB-Spitze deutlich gegen die junge E-Sport-Bewegung."

Auch der Verband der deutschen Games-Branche (Game) kritisiert den Vorgang. "Der DOSB hat E-Sport leider nicht verstanden, wie nicht zuletzt die konstruierte Unterscheidung zwischen virtuellen Sportsimulationen und E-Gaming zeigt", sagte Geschäftsführer Felix Falk: "Während Sportorganisationen anderer Länder schon viel weiter sind, vergibt der DOSB damit eine große Chance für den klassischen Sport in Deutschland."

Die vom E-Sport-Bund Deutschland vorgeschlagene Definition, nach der E-Sport das sportwettkampfmäßige Spielen von Video- bzw. Computerspielen nach festgelegten Regeln sei, übernimmt der DOSB nicht. Allerdings sieht der DOSB es als seine Aufgabe an, "die Sportvereine mit Qualifizierungen und Konzepten bei dem Umgang mit der modernen Jugend- und Alltagskultur E-Gaming zu unterstützen".

IOC diskutiert E-Sport, für Olympische Spiele 2020 und 2024 aber kein Thema

Forciert wurde die Beschäftigung des lange im DOSB wenig beachteten Themas durch die Bundesregierung, die ohne Rücksprache mit dem Sportbund E-Sport in den Koalitionsvertrag aufgenommen und angekündigt hatte, ihn "vollständig als eigene Sportart mit Vereins- und Verbandsrecht" anerkennen zu wollen. DOSB-Präsident Alfons Hörmann wehrte sich dagegen.

Das Internationale Olympische Komitee beschäftigt sich ebenfalls mit E-Sport. Ein Forum im Juli in Lausanne war für IOC-Präsident Thomas Bach "der erste Schritt einer langen Reise". Eine Aufnahme von E-Sport bei den nächsten Sommerspielen 2020 in Tokio und 2024 in Paris ist allerdings keine Option.

jan/dpa/sid



insgesamt 28 Beiträge
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Onkel Drops 29.10.2018
1. genau!!!
wäre ja auch doof wenn Deutschland als dritte Welt Land startet. etliche top zocker landen dank ping of death( zu deutsch lahme Leitung = Benachteiligung) niemals in Top Teams... und wer will schon mit Sportarten wie Synchronschwimmen, Golf, schießen, laufen und springen konkurrieren. duck jump, rocket jump und ähnliches mit ner knarre is Müll. Hopsen und Stock mit Flatterband dabei schwenken , das ist Sport . Schach ist Sport, Eisstockschießen, Tontaubenschießen und heile den verschneiten Berg runter rutschen auf Brettern auch. wo war noch der unterschied ( OK e Sport is indoor Sache )? den IOC stören die Produkte die man zum spielen braucht, da verdienen sie nichts dran an der indirekten Werbung. da muss EA und co mal fleissig spenden damit das IOC Gehör überhaupt euch anhört. Spiel Verderber
hegoat 29.10.2018
2.
Der DOSB kapiert's mal wieder nicht. Man kann gegen E-Sport sein, keine Frage. Aber die "Argumentation" des DOSB ist so abstrus, dass einem die Haare zu Berge stehen. Anerkannte E-Sport-Spiele, bei denen es um Koordination und Schnelligkeit geht, will er nicht anerkennen, dafür aber Sportsimulationen wie Fifa, die eher bedächtige Wirtschaftssimulationen sind. Aber Hauptsache, irgendwo im Titel steht irgendwas mit "Sport". *kopfschüttel
dynaluther 29.10.2018
3. Geduld
Skateboarding wollten die anfangs auch nicht - nicht mal der Deutsche Rollsport(!) Bund. Jetzt können sie den Hals nicht voll genug bekommen, weil Olympia nur Langeweile im Programm hat. E Sports werden folgen, früher oder später, realistisch gesehen hat Olympia aber nix mit der Jugend zu tun - mit Geld, ja, aber nicht mit Jugend oder Sportkultur. Eff that.
Putenbuch 29.10.2018
4. #Neuland ?!??!?
Ob mal jemand beim DOSB vorbeigeht, und kontrolliert, ob die Herrschaften überhaupt noch einen Puls haben? :p Ich mein ja nur so....
Rebierhcs 29.10.2018
5. Virtueller Sport
...ist einfach kein Sport und hat damit nichts mit IOC oder DOSB oder sonst einem Sportverband zu tun. Bewegung scheint nicht unsere Zukunft zu sein, abgesehen von den Fingern. Hoffentlich ist später noch jemand da der der Gesellschaft zeigen kann was Bewegung ist, wenn die Kinder nicht mehr auf einem Bein stehen können oder rückwärts laufen.
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