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Niederlage in Montenegro: Deutschen Handballern droht Desaster in EM-Quali

Bundestrainer Heuberger (Archivbild): Worte haben keine Wirkung gezeigt Zur Großansicht
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Bundestrainer Heuberger (Archivbild): Worte haben keine Wirkung gezeigt

Erstmals könnte eine Handball-EM ohne Deutschland stattfinden. Im vorletzten Qualifikationsspiel in Montenegro kassierte das DHB-Team eine empfindliche Niederlage. Die ersatzgeschwächten Deutschen sind nun auf Schützenhilfe angewiesen.

Hamburg - Bewusst Ruhe und Selbstvertrauen hatten die Verantwortlichen, Bundestrainer Martin Heuberger und Manager Heiner Brand, vor den beiden entscheidenden EM-Qualifikationsspielen der deutschen Handball-Nationalmannschaft in Montenegro und gegen Israel verbreiten wollen. Doch jetzt beginnt beim Deutschen Handballbund (DHB) das große Zittern. In Podgorica unterlag der WM-Fünfte 25:27 (11:13) und ist nun am letzten Spieltag der Qualifikation am Samstag auf Schützenhilfe durch die Montenegriner angewiesen.

Da Tschechien 30:24 (13:11) in Israel gewann, fiel die DHB-Auswahl in der Tabelle der Gruppe 2 auf Rang drei (4:6 Punkte) hinter Montenegro (8:2) und den Tschechen (6:4) zurück. "Ich bin riesig enttäuscht. Wir hatten Schwächen in der Deckung, und auch die Chancenauswertung hat mir gar nicht gefallen", sagte Heuberger: "Aber die Hoffnung stirbt zuletzt. Ich habe mich mit einem EM-Aus nicht befasst."

Am Samstag (14 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) muss Deutschland gegen Israel gewinnen und auf eine gleichzeitige Niederlage von Tschechien gegen Montenegro hoffen. Dank des gewonnenen direkten Vergleichs gegen Tschechien würde sich Heubergers Team doch noch für die EM in Dänemark im kommenden Jahr (12. bis 26. Januar 2014) qualifizieren.

Sollte Deutschland die EM verpassen, wäre das eine historische Blamage. Seit 1994 gibt es das Turnier, der DHB war bislang immer vertreten, gewann 2004 den Titel und wurde 2002 Zweiter. "Eine Teilnahme an der Europameisterschaft ist für eine deutsche Mannschaft Pflicht", hatte Heubergers Vorgänger Brand, unter dem Deutschland 2004 bei der EM in Slowenien triumphierte, noch vor der Partie gegen Montenegro gesagt.

DHB-Team verliert in hektischer Schlussphase den Überblick

Deutschland begann vor 2500 Zuschauern und 300 Sicherheitskräften im Sportcenter Moraca von Podgorica nervös. Gegen die offensive 3:2:1-Deckung der Gastgeber tat sich besonders der deutsche Rückraum schwer. In den ersten neun Minuten leistete sich die DHB-Auswahl schon fünf Fehlwürfe.

Mit Heubergers Ruhe war es daher schnell vorbei. Der Bundestrainer tippelte nervös die Außenlinie auf und ab, ruderte mit den Armen und ging bei jeder Aktion seiner Spieler mit. Montenegro offenbarte im Rückraum aber ebenfalls zahlreiche Schwächen, die deutsche 6:0-Abwehr um Kapitän Oliver Roggisch stand gut und ging vor dem Berliner Torhüter Silvio Heinevetter beherzt zur Sache.

So entwickelte sich ein umkämpftes Spiel. Beim 7:7 nach 20 Minuten hatten schon sieben verschiedene deutsche Spieler getroffen. Doch es fehlte in der ersten Halbzeit die ordnende Hand im Angriff. Trotz einer 11:9-Führung in der 26. Minute ging die ersatzgeschwächte DHB-Auswahl, die auf Tobias Reichmann (Bänderriss im Sprunggelenk), Sven-Sören Christophersen, Steffen Fäth (beide Einriss der Patellasehne), Christoph Theuerkauf (Hüft-Operation), Christian Dissinger (Kreuzbandriss) und Michael Kraus (Abitur-Prüfungen) verzichten musste, daher mit einem 11:13-Rückstand in die Pause.

Auch nach dem Wechsel gelang es zunächst keinem Team, sich entscheidend abzusetzen. Die Deutschen ließen einige Großchancen leichtfertig aus, so führten die Gastgeber, die schon das Hinspiel in Mannheim 31:27 gewonnen hatten, nach 39 Minuten erneut mit zwei Toren (16:14).

Danach agierten die Gäste immer hektischer. Im Angriff gab es in dieser Phase keine gelungene Aktion mehr, und auch in der Abwehr wurden die Probleme immer größer. Die Folge: Ein 16:20-Rückstand eine Viertelstunde vor dem Ende. Danach kämpfte sich das DHB-Team aber noch einmal zurück und verkürzte (19:20/49.). In der hektischen Schlussphase verlor das DHB-Team den Überblick und das richtungweisende Spiel. "Wir müssen uns über diese Leistung Gedanken machen", sagte Kapitän Oliver Roggisch, "dass es ein Wunder gibt, sehe ich eher als unrealistisch an."

Montenegro - Deutschland 27:25 (13:11)
Montenegro:
Mijatovic, Rajkovic - Grbovic 7, Lasica 4, Mrvaljevic 4/1, Sevalkjevic 3, Milasevic 2, Markovic 2, Kapisoda 2, Perisic 2, Vujovic 1, Lasica, Lipovina, Pejovic, Radovic, Rakcevic
Deutschland: Lichtlein, Heinevetter - Kneer 4, Roggisch, Sellin 2/1, Wiencek 4, Glandorf 2, Groetzki 3, Weinhold 2, Kneule, Strobel, Schmidt 3/1, Haaß 3, Häfner, Pevnov, Klein 2
Schiedsrichter: Zotin/Wolodkow (Russland)
Strafminuten: 6:4
Siebenmeter: 2/1:3/2
Zuschauer in Podgorica: 2500

max/sid/dpa

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insgesamt 19 Beiträge
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    Seite 1    
1. Vielleicht noch zu retten
manfredkosta1 12.06.2013
Wenn Montenegro nicht absichtlich verliert, um Deutschland aus der EM 2014 zu bugsieren, ist vielleicht noch was zu retten.
2. Vielleicht noch zu retten.
manfredkosta1 12.06.2013
Wenn Montenegro nicht absichtlich verliert, um mit Deutschland einen wichtigen Favoriten aus der EM 2014 zu bugsieren, ist vielleicht noch etwas zu retten.
3. ..ein blamage sondergleichen..
blue72 12.06.2013
aktiver handballer in deutschland 847.000 Mitglieder Montengros Bevölkerung 630.000 ..weiss garnicht wo die ihre handballer herholen aus ihren karstigen bergen ..wo es weder hallen nochsonst was gibt..der DHB sollte sich mal selbstkritisch hinterfragen und nicht alles aussitzen ..es ist an der zeit für veränderungen!
4. Kein Wunder
vater von w 12.06.2013
Zitat von sysopDPAErstmals könnte eine Handball-EM ohne Deutschland stattfinden. Im vorletzten Qualifikationsspiel in Montenegro kassierte das DHB-Team eine empfindliche Niederlage. Die ersatzgeschwächten Deutschen sind nun auf Schützenhilfe angewiesen. http://www.spiegel.de/sport/sonst/deutschland-droht-handball-em-nach-pleite-in-montenegro-zu-verpassen-a-905416.html
Ersatzgeschwächt? Ausrede! Guckt doch mal wer in "deutschen Spitzenklubs" spielt. Die gleichen Leute verdreschen "uns" bei solchen Veranstaltungen. Fussball U21- genau das gleiche Dillemma. Wenn BayMü und BorDor ähnlich weitermachen, kriegen wir auch da die Quittung.
5. optional
dshamila 13.06.2013
Wie lange soll/darf der Herr Heuberger denn noch unseren Handball in den Ruin treiben? Wir brauchen dringend einen kompetenten Nachfolger für Heiner. Heuberger war es nie!
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Fotostrecke
DHB-Team: Hoffnungsträger und Verletzte

Handball EM-Quali (Gruppe 2)
Platz Nation Punkte (Tordifferenz)
1. Tschechien 8:4 (+12)
2. Montenegro 8:4 (+/-0)
3. Deutschland 6:6 (+19)
4. Israel 2:10 (-31)
Der Erste und Zweite qualifizieren sich für die EM in Dänemark (12. bis 26. Januar 2014)
DHB-Kader EM-Qualifikation
  • DPA

    Tor: Silvio Heinevetter (Füchse Berlin), Carsten Lichtlein (TBV Lemgo), Jens Vortmann (GWD Minden)

    Linksaußen: Dominik Klein (THW Kiel), Kevin Schmidt (HSG Wetzlar)

    Rückraum links: Stefan Kneer (SC Magdeburg)

    Rückraum Mitte: Martin Strobel (TBV Lemgo), Michael Haaß, Tim Kneule (beide Frisch Auf Göppingen)

    Rückraum rechts: Holger Glandorf, Steffen Weinhold (beide SG Flensburg-Handewitt), Kai Häfner (HBW Balingen-Weilstetten)

    Rechtsaußen: Patrick Groetzki (Rhein-Neckar Löwen), Johannes Sellin (Füchse Berlin)

    Kreis: Patrick Wiencek (THW Kiel), Oliver Roggisch (Rhein-Neckar Löwen), Evgeni Pevnov (Füchse Berlin)

Hallenhandball-Europameister der Männer
Jahr Sieger (Endspiel-Ergebnis)
2014 Frankreich (41:32 vs. Dänemark)
2012 Dänemark (21:19 vs. Serbien)
2010 Frankreich (25:21 vs. Kroatien)
2008 Dänemark (24:20 vs. Kroatien)
2006 Frankreich (31:23 vs. Spanien)
2004 Deutschland (30:25 vs. Slowenien)
2002 Schweden (33:31 n.V. vs. Deutschland)
2000 Schweden (32:31 n.2xV. vs. Russland)
1998 Schweden (25:23 vs. Spanien)
1996 Russland (23:22 vs. Spanien)
1994 Schweden (34:21 vs. Russland)

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