Handball-WM-Viertelfinale Deutschland verpasst Sensation gegen Spanien

Schluss! Aus! Vorbei! Die deutsche Handball-Nationalmannschaft ist bei der WM ausgeschieden. Sie unterlag im Viertelfinale Spanien. Dabei war das DHB-Team lange Zeit besser, lag zur Halbzeit sogar in Führung - doch am Ende waren die Gastgeber cleverer.

Bundestrainer Heuberger: Niederlage im WM-Viertelfinale gegen Spanien
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Bundestrainer Heuberger: Niederlage im WM-Viertelfinale gegen Spanien


Hamburg - Es hätte das Halbfinale werden können, eine Medaille wäre möglich gewesen - doch die deutsche Nationalmannschaft muss sich vorzeitig von der Handball-WM verabschieden. Im Viertelfinale unterlag das Team von Bundestrainer Martin Heuberger Spanien 24:28 (14:12). Der Gastgeber trifft im Halbfinale nun auf Slowenien, das sich 28:27 (14:13) gegen Russland durchsetzte.

"Jetzt sind wir ausgeschieden. Aber wir haben eine grandiose Weltmeisterschaft hingelegt", sagte Deutschlands Linksaußen Dominik Klein unmittelbar nach der Partie - und er hatte Recht. Das Team des Deutschen Handball-Bundes (DHB) galt vor dem Turnier als Kandidat für ein Ausscheiden in der Vorrunde, erreichte dann sogar als Gruppensieger die K.o.-Runde und schaltete im Achtelfinale Mazedonien aus - deutlich mehr als erwartet.

Und gegen Spanien war sogar der Einzug ins Halbfinale drin. In einer Partie, die vor 10.801 Zuschauern im ausverkauften Pabelón Prìncipe Felipe in Saragossa furios begann: Mit einer Parade von Deutschlands Torhüter Silvio Heinevetter gegen Victor Tomás, einem Treffer von Steffen Weinhold auf der anderen Seite und dem Ausgleich von Tomás. Und so ging es weiter: Tor auf der einen Seite, Tor auf der anderen, und zwischendurch immer mal wieder eine Torwartparade - die Partie war ausgeglichen und hochspannend. Daran änderte auch die erstmalige Zwei-Tore-Führung der DHB-Auswahl (7:5/13. Minute) nichts, denn die Gastgeber glichen mit zwei Angriffen binnen einer Minute wieder aus und gingen anschließend 8:7 (18.) in Führung - Auszeit Heuberger.

Deutschland mit Zwei-Tore-Führung zur Halbzeit

Top-Favorit Spanien, Außenseiter Deutschland? Von wegen, das DHB-Team hielt nicht nur gut mit, es stellte den Gegner in Angriff und Abwehr mehrfach vor große Probleme. Vor allem in der Defensive wussten sich die Spanier häufig nicht anders zu helfen als mit unerlaubter Härte. Beleg dafür waren drei Zwei-Minuten-Strafen nach nur 20 Minuten.

Mal legte Deutschland in Halbzeit eins vor, mal Spanien, und prompt gab es den Ausgleich. Dazu der Spielfilm: 8:8 (19.), 9:9 (20.), 10:10 (25.), 11:11 (28.). Weil das Heuberger-Team aber im Angriff konsequenter agierte, ging es verdient mit zwei Toren Vorsprung in die Pause (14:12).

DHB-Team zu Beginn der zweiten Halbzeit nervös

"Wir machen genau so weiter", kündigte Abwehrchef und Kapitän Oliver Roggisch nach den ersten 30 Minuten an - aber er irrte leider zunächst. Spanien kam wie aufgedreht aus der Kabine, glich erst durch Tomás zum 14:14 (32.) aus und ging durch Kreisläufer Julen Aguinagalde 17:15 (35.) in Führung.

Das deutsche Team wirkte in dieser Phase der Partie nervös und hektisch. Fast so, als wenn es realisiert hätte, welche Sensation sich da abzeichnet. Zudem lief Torhüter José Manuel Sierra zur Hochform auf, entschärfte mehrfach Würfe der deutschen Mannschaft. Bezeichnend für die Nachlässigkeiten des DHB-Teams die Szene in der 39. Minute, als Patrick Groetzki einen Tempogegenstoß leichtfertig vergab und einen Dreher neben das Tor setzte.

Deutschland am Boden? Nein, das Team kämpfte sich wieder ran. Sven-Sören Christophersen glich per Siebenmeter zum 18:18 (40.) aus, Christoph Theuerkauf brachte die Mannschaft sogar wieder in Führung (19:18/42.). Aber die Spaniern, deren anfänglicher Schwung sich wieder gelegt hatte, ließen sich nicht abschütteln. 19:19 (43.), 20:20 (44.), 21:21 (47.) - dieses Spiel kostete Nerven.

Als Spanien während einer Zeitstrafe gegen Roggisch auf zwei Tore davonzog (23:21/51.), nahm Heuberger eine Auszeit, um sein Team auf die verbleibenden neun Minuten einzuschwören - ohne Erfolg. Sierra parierte gegen Weinhold, auf der anderen Seite traf Aguinagalde zweimal (25:21/54.). Spanien war in dieser Phase des Spiels einfach cleverer als das junge deutsche Team. Am Ende waren es vier Tore, die Spanien besser war - zumindest statistisch. "Die Mannschaft hat toll gekämpft. Wir können stolz auf die Leistung bei der WM sein", sagte Heuberger.

Deutschland - Spanien 24:28 (14:12)
Deutschland:
Heinevetter - Kneer, Wiencek (1), Schmidt (1/1), Weinhold (2), Pfahl (1), Haaß (3), Klein (4), Strobel, Roggisch, Reichmann, Groetzki (2), Theuerkauf (4), Christophersen (6/1), Fäth
Spanien: Aguinagalde (7), Tomas (7/1), Entrerrios (6), Rivera (3), Maqueda (3), Rocas (1), Sarmiento (1)
Schiedsrichter: Gubica/Milosevic (Kroatien)
Zeitstrafen: 6:5
Siebenmeter: 3/2:1/1
Zuschauer in Saragossa: 10.801 (ausverkauft)

ham

insgesamt 9 Beiträge
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Seite 1
HPS60 23.01.2013
1.
Zitat von sysopGetty ImagesSchluss! Aus! Vorbei! Die deutsche Handball-Nationalmannschaft ist bei der WM in Spanien ausgeschieden. Sie unterlag im Viertelfinale dem Gastgeber. Dabei war das DHB-Team lange Zeit besser, lag zur Halbzeit sogar in Führung - doch am Ende waren die Spanier cleverer. http://www.spiegel.de/sport/sonst/deutschland-scheitert-bei-der-handball-wm-im-viertelfinale-an-spanien-a-879327.html
Tja, leider haben sie es nicht realisiert, sondern nur bemerkt. Hätten sie es realisiert, wären sie jetzt im Halbfinale. Deutsch ist noch schwerer als gut Handball zu spielen. So, und jetzt den Klugscheißmodus wieder aus.
msondern 23.01.2013
2.
Schade. Die erste Halbzeit war richtig gut, jederzeit mitgehalten bzw. dann eben auch mit plus 2 in die Pause gegangen. Sehr gute Abwehr, im Angriff sicherlich ein paar mal Glück gegen Sterbik. In der zweiten HZ lag es dann hauptsächlich an einigen zu überhastet genommenen Rückraumwürfen oder an vergebenenen 100%igen (Fäth, Weinhold, Groeztki). Naja, ich habe vorher geschrieben das ich mir ein ausgeglichenes Spiel bis zum Schluss wünsche und das war es dann auch wenn man die letzten 3 Minuten mal vergisst. Was man auch anerkennen muss sind die Wurfquoten von Aguinagalde und Tomás, das ist schon stark. Die Gesamtleistung der deutschen Mannschaft im Turnier macht auf jeden Fall durchaus Hoffnung für die Zukunft finde ich!
logo63 23.01.2013
3. Es war eine hervorragende Leistung
wer haette vor einer Woche geglaubt, dass wir so weit kommen in diesem Wettbeweb. Glueckwunsch an die Spieler, die uns so spannende und angagierte Spiele geboten haben. Einfach KLASSE!!!!!!!!!
neejah 23.01.2013
4. optional
Auch wenn wir zu 80% selbst schuld sind durch die weggeworfenen Tempogegenstöße, was heute an Schiedsrichterleistung geboten wurde war bestenfalls zweitklassig. Leider oft zu beobachten, wenn es vor heimischen Publikum gegen einen Gastgeber geht. Trotzdem, ein richtig gutes Turnier mit tollem Mannschaftsgeist, darauf kann man aufbauen! :)
TS_Alien 23.01.2013
5. .
Beim Handball wird nur noch gefoult. Wenn man selten ein Handballspiel sieht und dann so etwas wie heute, dann weiß man wieder, warum man selten ein Handballspiel sehen möchte.
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