Deutschlands Top-Golfer Kaymer "Einfach mal die Golfschläger in die Ecke stellen"

2010 ging der Stern von Martin Kaymer auf - doch wie beurteilt der 26-Jährige seine Saison 2011? Im Interview mit "Golf.de" spricht Deutschlands bester Golfer über den Sprung an die Spitze der Weltrangliste, TV-Auftritte und seine Pläne für die wettkampffreie Zeit.

Top-Golfer Kaymer: Derzeit auf Weltranglisten-Platz vier
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Top-Golfer Kaymer: Derzeit auf Weltranglisten-Platz vier


Frage: Herr Kaymer, Sie haben in diesem Jahr zwei Turniersiege eingefahren und wurden die Nummer eins der Welt, derzeit sind Sie Vierter. Andererseits hatten Sie bei den Major-Turniere nicht so viel Erfolg. Wie bewerten Sie ihre Saison 2011?

Kaymer: Es war eine sehr gute Saison. Ich habe viel dazugelernt - auch abseits des Platzes. Gerade dadurch, dass ich die Nummer eins war, kamen viele Verpflichtungen auf mich zu. Golferisch war es trotzdem eine gutes Jahr - ich habe zwei Turnier gewonnen, darunter mit den World Golf Championships in Shanghai ein Riesen-Turnier, wurde mit Alex Cejka im World Cup Zweiter und bin im März die Nummer eins der Welt geworden.

Frage: Mussten Sie sich erst an die neue Aufmerksamkeit gewöhnen?

Kaymer: Ja, durchaus, ich bin schließlich kein alter Haudegen auf der Tour. Wenn man wie ich erst 26 Jahre alt ist muss man sich erst einmal an den Gedanken gewöhnen, die Nummer eins in einer Sportart zu sein. Der Auftritt im "Aktuellen Sportstudio" zum Beispiel und der Zuspruch der Medien waren ganz neue Erfahrungen, an die ich mich erstmal gewöhnen musste. Ich wurde das Golfgesicht Deutschlands und auch in Amerika ein bisschen berühmter. Das sind alles Dinge, mit denen ich so nicht gerechnet hatte.

Frage: Wer ist denn für Sie der Spieler des Jahres?

Kaymer: Auf jeden Fall Luke Donald. Er hat so konstant gespielt, vier Turniere gewonnen und immer wieder gezeigt, dass er dem Druck standhalten kann. Ich habe ihn zumindest bei der European Tour Weekly als Spieler des Jahres nominiert.

Frage: Glauben Sie, dass Tiger Woods zu alter Form zurückfinden kann?

Kaymer: Ich glaube schon. Er ist einfach einer der weltbesten Golfer. Das hat er zwar die vergangenen zwei Jahre nicht wirklich zeigen können, aber wie er in der Vergangenheit Golf gespielt hat, gerade um das Jahr 2000 herum, das war schon sensationell.

Frage: Insgesamt haben Sie zum Saisonende sechs Wochen Pause. Wie sehen Ihre Urlaubspläne aus?

Kaymer: Ich fliege mit meinem Bruder und einem Freund von mir in die Dominikanische Republik. Silvester werde ich wahrscheinlich in Amerika feiern. Vielleicht fliege ich auch für ein paar Tage nach Mexiko. Ein paar Tage mal etwas ganz anderes machen, die Golfschläger in die Ecke stellen. Vielleicht Schnorcheln gehen oder Jet-Ski fahren, solche Sachen eben.

Frage: Wann beginnt die Vorbereitung?

Kaymer: So etwa drei Wochen vor dem Turnier in Abu Dhabi (26. bis 29. Januar, Anm. d. Red.) werde ich wieder trainieren. Ich habe von meinem Ausrüster neue Schläger bekommen, mal sehen, wie die funktionieren. Da muss man sich natürlich auch erst dran gewöhnen. Das dauert bei mir immer etwas länger als bei anderen.

Frage: Wie hat sich Ihr Caddie-Wechsel von Craig Connelly zu Christian Donald ausgewirkt?

Kaymer: Wir haben uns gleich von Beginn an gut verstanden und auch gutes Golf miteinander gespielt. Nur von den Ergebnissen her hat es am Anfang nicht wirklich gepasst. Spielerisch haben wir uns sehr schnell aufeinander einstimmen können. Deswegen war es umso schöner, unseren ersten Sieg feiern zu können. Gerade bei so einem großen Turnier wie einem WGC.

Frage: Lee Westwood und Rory McIlroy spielen ab der kommenden Saison einen Großteil in den USA und haben die US-Mitgliedschaft angenommen. War das keine Option für Sie?

Kaymer: Ich habe darüber nachgedacht und beide Kalender, den der US PGA und der European Tour, verglichen. Ich würde sehr gerne mal eine Saison in Amerika spielen, aber mit den 15 Turnieren ist der Reise-Aufwand sehr hoch. Die Turniere, die ich mir ausgesucht hätte, die haben sich mit der European Tour stark überschnitten. Daher war es schwierig.

Frage: Spielen Sie das Eröffnungsturnier auf Hawaii der US-Tour mit? Dank Ihres WGC-Titels waren Sie für das Sieger-Turnier qualifiziert.

Kaymer: Auch darüber habe ich nachgedacht. Aber es war bis Mitte Dezember eine sehr lange Saison. Ich hätte nur drei Wochen frei gehabt, mein Ziel war es aber, eine komplette Pause von sechs Wochen zu haben.

Lesen Sie die ungekürzte Fassung des Interviews bei Golf.de

Das Interview führte Timo Schlitz

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