WM-Spiel gegen Argentinien Stresstest für Heubergers Handballer

Wie viel Druck verträgt die deutsche Handball-Nationalmannschaft? Bundestrainer Martin Heuberger und sein Team brauchen gegen Argentinien unbedingt einen Sieg, andernfalls droht bei der WM ein Desaster. DHB-Vizepräsident Bredemeier spricht dagegen schon vom Viertelfinale.

Handball-Nationaltrainer Heuberger: Gegen Argentinien heftig unter Druck
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Handball-Nationaltrainer Heuberger: Gegen Argentinien heftig unter Druck

Aus Granollers berichtet


Die deutsche Handball-Nationalmannschaft residiert während der Gruppenphase der Weltmeisterschaft in Granollers, einer 60.000-Einwohner-Stadt nördlich von Barcelona. Dort nächtigen Silvio Heinevetter, Oliver Roggisch und Co. in exponierter Lage. Das Mannschaftshotel liegt auf einer Anhöhe, der Besucher hat von dort einen hübschen Blick auf die Stadt. Symbolisch könnte man von einem erfolgreichen Nationalteam zu sprechen, das ganz oben thront. Leider trifft das sportlich aber nicht zu.

Deutschland ist bei dieser WM bisher nicht sonderlich erfolgreich. Bereits nach zwei Gruppenspielen lastet daher enormer Druck auf dem Team von Bundestrainer Martin Heuberger. Dessen Anspannung war schon vor dem Turnier groß, am Sonntag ist sie weiter gewachsen. Die Pleite gegen Tunesien offenbarte Schwächen in allen Mannschaftsteilen. Heubergers Minimalziel, der Achtelfinal-Einzug, ist erntshaft in Gefahr.

Der Trainer, der nach der Niederlage gegen Tunesien mit der Aussage überraschte, halbwegs zufrieden mit seiner Mannschaft gewesen zu sein, hat die Fehler seines Teams erkannt. Die in der Abwehr, im Tempospiel und in der Chancenverwertung. Am Abend gegen Argentinien (18.15 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) hofft Heuberger auf eine deutliche Leistungssteigerung.

Ein überzeugender Sieg wäre für den 48-Jährigen ein Befreiungsschlag. Seit Beginn der WM-Vorbereitung ist seinem Team noch kein restlos überzeugendes Spiel gelungen. Die junge, unerfahrene Mannschaft, mit der Heuberger den Umbruch im deutschen Handball eingeläutet hat, sucht noch nach Stabilität und Konstanz. Auch Heuberger weiß, dass bei einer erneuten Niederlage nicht nur alte Diskussionen, wie jene um fehlende Führungsspieler, wieder hochkommen werden. Auch er selbst steht unter Beobachtung.

Bundestrainer Heuberger wirkt heftig angespannt

Das bleibt nicht ohne Folgen. Heuberger wirkt in Spanien sehr angespannt, sein Lächeln gequält. Am Sonntag, wenige Minuten nach der Niederlage gegen Tunesien, regte er sich lautstark über die Verspätung seines tunesischen Kollegen bei der obligatorischen Pressekonferenz auf.

Heuberger, der als fachlich sehr kompetent gilt, hat seine Mannschaft auch auf Argentinien akribisch vorbereitet. Er erwartet eine offensive Verteidigung des Gegners, "darauf haben wir uns im Training eingestellt". Die Südamerikaner sind Panamerika-Meister, die Aussagekraft dieses Titels ist aber gering. In Spanien überraschte das Team erst mit einem 28:26-Sieg gegen Montenegro und lieferte dann bei der 20:24-Niederlage gegen Brasilien das bisher schlechteste Spiel des Turniers ab. "Wenn wir verlieren, wird es echt schwer", sagt Torwart Heinevetter.

Die Rechnung der Deutschen ist simpel: Vier Punkte müssen aus den Duellen mit Argentinien und Montenegro her, dann würde die einkalkulierte Pleite gegen Weltmeister und Olympiasieger Frankreich am letzten Spieltag zumindest nicht das Weiterkommen verhindern. Dazu reicht Rang vier, mit jeder besseren Platzierung steigt die Wahrscheinlichkeit, einen vermeintlich leichteren Achtelfinal-Gegner aus der Gruppe B zu bekommen.

Realistisch ist für das deutsche Team nach der Tunesien-Pleite Rang drei. Mögliche Gegner in der Runde der besten 16 Mannschaften wären dann Russland, Mazedonien und Island, alles keine leichten Aufgaben. "Noch ist nichts verloren. Wir haben alles selbst in der Hand", sagt Abwehrchef Oliver Roggisch, der am Dienstag trotz leichter Rückenbeschwerden gegen Argentinien spielen soll. Der Kapitän wird dringend gebraucht. "Auf unsere Abwehr kommen individuell starke Spieler zu. Wir brauchen eine stabile Abwehr und einen guten Torwart, um das Spiel zu gewinnen", sagt Heuberger.

Weiter voraus mochte auch Steffen Weinhold nicht blicken: "Wer in einem möglichen Achtelfinale auf uns zukommt, kann man jetzt ja ohnehin noch nicht absehen". Einer hatte dann aber doch noch das große Ganze im Blick: Horst Bredemeier. Der DHB-Vizepräsident wurde am Montag überraschend deutlich: "Wir haben noch immer ein klares Ziel vor Augen, und das heißt Viertelfinale."

insgesamt 202 Beiträge
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Seite 1
Hawkeye 1 03.01.2013
1.
Dem wird man leider zustimmen müssen; wenn sie mal nicht in der Vorrunde ausscheiden. Handball kommt als Nati nicht in die Gänge....
uli_san 03.01.2013
2. Das wird nichts
International stehen wir in etwa zwischen Platz 8 und 12, was aber nicht nur an den Spielern liegt. In den Vereinen treten unsere deutschen Spitzenspieler teilweise deutlich stärker auf als in der Nationalmannschaft. Was fehlt, ist ein Trainerteam mit modernen Ideen und Motivationsmitteln. Das ist alles zu hausbacken und konservativ. Heiner Brand in den letzten Jahren und auch sein Nachfolger kommen mir völlig einfallslos vor. Selbst eingefleischte Spezialisten schütteln immer häufiger den Kopf ob der Spiel- und Wechseltaktik. Freude haben wir Handballfans nur noch bei Spielen um die europäischen Vereins-Pokale.
ObackoBarama 03.01.2013
3.
ja ist es schon wieder Weihnachten...wie der Kaiser sagte, oder in dem Falle; ja, ist es schon wieder ein Handball-Turnier? Alle Jahre wieder, im Januar, gibt es ein großes Turnier im Handball, in einem Olympia-Jahr sogar zwei (EM + Olympiaturnier). 5 Wettbewerbe in 4 Jahren, braucht kein Mensch. In keiner anderen Sportart gibt es solche Inflation an großen Wettbwerben. Man blickt gar nicht durch...Wer war letztes Mal der Weltmeister, wer Europameister, wer Olympiasieger.. Bzw. man blickt es normalerweise nicht durch..Aber seit 4 Jahren weiß man es: Frankreich, hat alle Titel gewonnen je 2 x. Deutschland hat jedenfalls kein Chance auf eine Medaille und dieser Thread wird vielleicht im besten Falle, etwa 5 Seiten der Disskussionen erreichen können. Soviel Interesse gibt es.
doc 123 03.01.2013
4. Handball nervt!
Aus welchen Gründen auch immer, Handball nervt heutzutage nur noch, trotz WM-Titel 2007, wer erinnert sich da noch an einen einzigen Namen? Dagegen 1978... Deckarm, Freisler, Klühspies, Spengler, Wunderlich... ich erinnere mich an alle diese Namen, genau wie an die WM-Spieler im Fußball 1974 oder an nahezu alle deutschen Olympiasieger von München 1972. Schon irgendwie merkwürdig, dass man sich lieber an Namen von vor 30 bis 40 Jahren erinnert als an die Sportler der heutigen Zeiten.
ray4912 03.01.2013
5. schlechtere Aussichten
Zitat von ObackoBaramaja ist es schon wieder Weihnachten...wie der Kaiser sagte, oder in dem Falle; ja, ist es schon wieder ein Handball-Turnier? Alle Jahre wieder, im Januar, gibt es ein großes Turnier im Handball, in einem Olympia-Jahr sogar zwei (EM + Olympiaturnier). 5 Wettbewerbe in 4 Jahren, braucht kein Mensch. In keiner anderen Sportart gibt es solche Inflation an großen Wettbwerben. Man blickt gar nicht durch...Wer war letztes Mal der Weltmeister, wer Europameister, wer Olympiasieger.. Bzw. man blickt es normalerweise nicht durch..Aber seit 4 Jahren weiß man es: Frankreich, hat alle Titel gewonnen je 2 x. Deutschland hat jedenfalls kein Chance auf eine Medaille und dieser Thread wird vielleicht im besten Falle, etwa 5 Seiten der Disskussionen erreichen können. Soviel Interesse gibt es.
richtig, Obacko, die Franzosen sind die Spanier des Handballs;-) Und wir sind echt nicht nahe dran.
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