DHB-Pleite gegen Tunesien: Erster Härtetest, erste Pleite

Aus Granollers berichtet Christian Paul

Die deutsche Handball-Nationalmannschaft hat bei der WM von aggressiven Tunesiern eine Lehrstunde erhalten. Die DHB-Auswahl reagiert trotzig, will um den Einzug ins Achtelfinale kämpfen. Doch der Rückschlag belegt, wie schwierig das Turnier für das noch junge Team werden dürfte.

Handball-WM: Pleite gegen den Afrikameister
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Getty Images

Wie sauer Martin Heuberger wirklich war, bekam der bemitleidenswerte Organisator der Pressekonferenz zu spüren. "Zwei Minute warte ich", blaffte ihn der Bundestrainer an. "Nicht länger. Ich habe gestern schon gewartet." Heuberger wollte nach dieser bitteren Pleite am Sonntagabend nur noch weg. Das 23:25 (13:13) gegen Tunesien im zweiten WM-Vorrundenspiel war ein schmerzhafter Dämpfer, erinnerte sie doch Handball-Deutschland nach dem Pflichtsieg gegen Brasilien daran, wie schwierig dieses Turnier für die junge Nationalmannschaft wirklich werden dürfte. Da passte es Heuberger gar nicht, dass sein tunesischer Kollege lange auf sich warten ließ.

"Es ist schade, dass wir uns nicht belohnt haben", sagte der deutsche Coach, nachdem er sich beruhigt hatte. "Wir hätten mindestens einen Punkt verdient gehabt." Der Frust war dem 48-Jährigen deutlich anzusehen. Tunesien war der erwartete Härtetest, Deutschland bestand ihn nicht.

Bei der ersten Niederlage gegen den Afrikameister überhaupt profitierte der Gegner gleich mehrfach von den Schwächen der DHB-Auswahl. Verschwenderisch im Angriff, unkonzentriert in Überzahl und nachlässig in der Abwehr agierte Heubergers Team. "Die Tunesier haben getroffen, wie sie wollten. Teilweise aus zehn Metern", sagte Abwehrchef Oliver Roggisch.

Allen voran Wael Jallouz (acht Treffer), der in der kommenden Saison in der Bundesliga beim THW Kiel spielen wird, und Amine Bannour (sechs) hämmerten Silvio Heinevetter die Bälle ins Netz. "Es ist gerade deprimierend, genauer gesagt scheiße", sagte der Torwart.

"Wenn wir rausgegangen sind, haben sie von noch weiter hinten getroffen", analysierte Sven-Sören Christophersen. Auch der Rückraumspieler, der sein bestes Länderspiel nach einer langen Verletzungspause absolvierte, konnte die Pleite mit seinen sieben Treffern nicht verhindern: "Die Tunesier bringen immer wieder Härte rein, der Rhythmus ist uns abhanden gekommen."

Aggressiver und cleverer als Deutschland

Besonders in der zweiten Halbzeit traten die Tunesier äußerst aggressiv auf und reklamierten bei nahezu jeder strittigen Aktion. "Wer sie kennt, weiß, dass man damit rechnen muss", sagte Steffen Weinhold: "Wir müssen da cleverer sein." Genau das war am Ende der Unterschied.

Als Steffen Fäth in der 54. Minute der umjubelte 21:21-Ausgleich gelang, gab Deutschland das Spiel anschließend leichtfertig aus den Händen. Erst scheiterte Weinhold aus aussichtsreicher Position, dann kassierte das DHB-Team das 21:22. Als Dominik Klein danach nur den Pfosten traf, versenkte Tunesiens Issam Tej den Ball zum 23:21. Es war die Vorentscheidung in der 58. Minute. Den Rückstand konnte Deutschland nicht mehr aufholen. Heuberger, der nach der Schlusssirene wenig Lust auf das obligatorische Händeschütteln mit den tunesischen Trainern hatte, muss sein Team am spielfreien Montag nun wieder aufrichten.

Der Bundestrainer hatte vor dem Turnier ganz bewusst die Erwartungen gedrückt. Weltklasselinksaußen Uwe Gensheimer ist verletzt, der wohl stärkste im rechten Rückraum, Holger Glandorf, sagte ab. Die Aussichten waren schlecht, die Leistungen der mit sechs WM-Neulingen nach Spanien gereisten Mannschaft wechselhaft. Wo genau man wirklich stehe, das räumten alle Beteiligten ein, wusste auch nach der WM-Vorbereitung niemand so genau. Nun wissen sie es.

"Wir schauen jetzt nach vorne und wollen es am Dienstag besser machen", sagte Roggisch. Mit zwei Punkten aus zwei Spielen hat Deutschland nach wie vor gute Chancen auf das Achtelfinale, die kommenden beiden Gegner Argentinien (Dienstag, 18.15 Uhr) und Montenegro (Mittwoch, 18.30 Uhr, jeweils Liveticker SPIEGEL ONLINE) sind schlagbar. Der neue WM-Modus erlaubt es, dass in der Gruppenphase selbst ein vierter Platz zum Einzug in die Runde der besten 16 Mannschaften reicht.

Kurz bevor auch Christophersen in den Katakomben der Sporthalle von Granollers verschwand, sagte er noch: "Es geht darum, sich fürs Achtelfinale zu qualifizieren. Und dort wird immer ein Gegner sein, der schwer zu spielen ist." Steigert sich Deutschland bis dahin nicht, dürfte das Turnier für die DHB-Auswahl Anfang der kommenden Woche beendet sein.

Tunesien - Deutschland 25:23 (13:13)
Tunesien:
Magaiez - Jallouz (8), Bannour (6), Ben Salah (3), Boughanmi (3/2), Touati (2), Gharbi (1), Hedoui (1), Tej (1)
Deutschland: Heinevetter, Lichtlein - Christophersen (7/3), Weinhold (4), Klein (3), Fäth (3), Pfahl (2), Groetzki (1), Wiencek (Kiel/1), Kneer (1), Theuerkauf (1), Reichmann, Haaß, Strobel, Schmidt, Roggisch
Schiedsrichter: Leifsson/Palsson (Island)
Zeitstrafen: 5:4
Siebenmeter: 2/2:3/5
Zuschauer: 4200

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insgesamt 16 Beiträge
silenced 14.01.2013
Ich finde 'Pleite' ist hier der falsche Begriff, einfach 'Niederlage' ist angebrachter. Immerhin wurde D nicht vom Platz gefegt sondern es sind nur 2 Tore Untschied.
Ich finde 'Pleite' ist hier der falsche Begriff, einfach 'Niederlage' ist angebrachter. Immerhin wurde D nicht vom Platz gefegt sondern es sind nur 2 Tore Untschied.
bapon1 14.01.2013
Heuberger hatte keine Lust den tunesischen Trainern die Hände zu schütteln?? Was ist er eigentlich für ein Sportsmann? Und dazu: Der Fernsehreporter nennt die Tunesier "schlitzohrig" und "ausgebufft". [...]
Heuberger hatte keine Lust den tunesischen Trainern die Hände zu schütteln?? Was ist er eigentlich für ein Sportsmann? Und dazu: Der Fernsehreporter nennt die Tunesier "schlitzohrig" und "ausgebufft". Solcherlei subtil abwertende Sprüche gegenüber anderen Ländern gab es früher auch im Fußball, man erinnere sich an Heribert Faßbinder.
hansi195 14.01.2013
@bapon1 "schlitzohrig" und "ausgebufft" - darin kann ich keine subtil abwertenden Sprüche erkennen.
@bapon1 "schlitzohrig" und "ausgebufft" - darin kann ich keine subtil abwertenden Sprüche erkennen.
sancho72 14.01.2013
Die Tunesier haben sehr unsportlich agiert. Ständig wurde gemeckert , lamentiert und Schwalbe auf Schwalbe gezeigt im Gegenzug hat man gekloppt und gekratzt was das Zeug hält. geschlagen hat sich die DHB-Mannschaft allerdings [...]
Die Tunesier haben sehr unsportlich agiert. Ständig wurde gemeckert , lamentiert und Schwalbe auf Schwalbe gezeigt im Gegenzug hat man gekloppt und gekratzt was das Zeug hält. geschlagen hat sich die DHB-Mannschaft allerdings schon selbst. Sehr schlechte Chancenverwertung und heinvetter wäre wohl auch besser im Bett geblieben mitsamt der Hintermannschaft. Da hat nicht viel gepasst. Heuberger sehe ich auch kritisch , ich habe nicht das Gefühl , dass er taktisch und rethorisch der Typ ist der eine Mannschaft wirklich motiviert wenn es mal ganz eng wird.Hinter seiner Spielerauswahl hingegen kann ich stehen , es wurde längst Zeit einmal neuen Spielern die Chance zu geben. Die Alten waren satt.
bapon1 14.01.2013
Möglicherweise bin ich zu empfindlich, aber ich habe mir vorgestellt, wie es sich anhören würde, hätte der Reporter bei anderer Gelegenheit von den "schlitzohrigen Deutschen" gesprochen.
Zitat von hansi195@bapon1 "schlitzohrig" und "ausgebufft" - darin kann ich keine subtil abwertenden Sprüche erkennen.
Möglicherweise bin ich zu empfindlich, aber ich habe mir vorgestellt, wie es sich anhören würde, hätte der Reporter bei anderer Gelegenheit von den "schlitzohrigen Deutschen" gesprochen.
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  • Montag, 14.01.2013 – 09:20 Uhr
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Handball-WM

Was schafft die deutsche Nationalmannschaft bei der Endrunde in Spanien?

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DHB-Kader
Tor Silvio Heinevetter (Füchse Berlin), Carsten Lichtlein (TBV Lemgo)

Rückraum Mitte Michael Haaß (Frisch Auf Göppingen), Martin Strobel (TBV Lemgo)

Rückraum links Sven-Sören Christophersen (Füchse Berlin), Stefan Kneer (SC Magdeburg), Steffen Fäth (HSG Wetzlar)

Rückraum rechts Steffen Weinhold (SG Flensburg-Handewitt), Adrian Pfahl (VfL Gummersbach)

Linksaußen Dominik Klein (THW Kiel), Kevin Schmidt (HSG Wetzlar)

Rechtsaußen Patrick Groetzki (Rhein-Neckar Löwen), Tobias Reichmann (HSG Wetzlar)

Kreis Oliver Roggisch (Rhein-Neckar Löwen), Patrick Wiencek (THW Kiel), Christoph Theuerkauf (HBW Balingen-Weilstetten)

Die deutschen Gruppengegner
Die Handball-WM in Spanien ist für die junge brasilianische Mannschaft nur eine Durchgangsstation, das Ziel heißt Rio de Janeiro. Bei den Olympischen Spielen 2016 im eigenen Land wollen die Spieler mit ihrem spanischen Trainer Jordi Ribera für Furore sorgen. "Wir müssen den jungen Spielern die Chance auf internationale Erfahrungen einräumen - auch auf Kosten nicht so guter Ergebnisse", sagte Ribera vor dem Auftaktspiel gegen Deutschland. Bei den Panamerikanischen Spielen verlor die Mannschaft, die in Linksaußen Felipe Borges (Leon) und Rückraumspieler Thiagus Santos (Ciudad de Logrono) lediglich über zwei Legionäre verfügt, erst im Finale gegen Argentinien (21:22). - Bilanz gegen Deutschland: 7 Spiele, 7 Niederlagen. sid




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