Prämien im Sport: Reiche Fußballer, arme Skispringer

Von Florian Oediger

Die Verdienstmöglichkeiten im Profisport sind extrem unterschiedlich. Der Sieg bei einem Grand-Slam-Turnier bringt Tennisspielern fast zwei Millionen Euro. Skispringer erhalten für den Triumph beim Neujahrsspringen hingegen nur ein Bruchteil davon. Das Magazin "SPONSORS" macht den Prämiencheck.

Preisgelder im Sport: Diese Prämien bekommen Profisportler Fotos
REUTERS

Eine Milliarde für einen Olympiasieg. Oder auch 50 Millionen. Oder wenigstens eine Million. So viel Geld lobten 2008 bei den Olympischen Spielen in Peking einige Nationen aus - in ihren jeweiligen Landeswährungen: Indonesien (Rupien/umgerechnet 109.000 Euro), Vietnam (Dong/2400 Euro) und Malaysia (Ringgit/ 326.000 Euro). Deutsche Goldmedaillengewinner konnten zuletzt immerhin 15.000 Euro Prämie einstreichen - egal ob sie in der Leichtathletik, beim Turmspringen oder Bogenschießen aktiv waren.

Auch im Profisport existieren gewaltige Unterschiede. Die "SPONSORS"-Analyse der Preisgelder ausgewählter Sportarten zeigt die extreme Spannbreite. Den Siegern im Golf oder Tennis winken bei einem einzigen Turnier Millionen-Euro-Beträge. Ein erfolgreicher Skispringer oder Leichtathlet kann allein durch seine Prämien noch kein Luxusleben mit Yacht und Privatjet führen (siehe Tabelle unten).

Wer im Golf das US Masters in Augusta gewinnt erhält 1,44 Millionen US-Dollar (rund 1,1 Millionen Euro). Dem Sieger des Tennis-Grand-Slams Australian Open winken 2,30 Millionen Australische Dollar (rund 1,8 Millionen Euro). Zum Vergleich: Der erste Platz bei einem Rennen im Biathlon-Weltcup bringt gerade einmal 11.000 Euro.

Hohe Kampfbörsen im Boxen

Gewinnt ein Skispringer die Gesamtwertung der Vierschanzentournee, bleiben ihm vergleichsweise magere 20.000 Schweizer Franken (rund 16.600 Euro). Für den Sieg bei allen vier Einzelspringen der Tournee wurde inzwischen immerhin eine höhere Prämie ausgelobt: eine Million Schweizer Franken (rund 832.000 Euro). Der sportliche Durchmarsch ist bisher aber einzig dem Deutschen Sven Hannawald 2001/2002 gelungen - da gab es die Prämie aber noch nicht.

Im Boxen ist gar die Ausschüttung eines Preisgeldes von 2,5 Millionen Euro und mehr möglich. Das hängt allerdings entscheidend vom übertragenden Fernsehsender ab. Durch diesen finanziert der jeweilige Boxstall zum Großteil die Prämien. Auch Niederlagen können im Boxen reich machen: So hat der deutsche Boxer Sebastian Zbik jüngst trotz seiner Niederlage im WM-Mittelgewichts-Kampf gegen Felix Sturm eine Kampfbörse von 370.000 Euro erhalten.

Prämien in Einzelsportarten
Sportart Wettbewerb Sieger 2. Platz 3. Platz
Tennis Australian Open 1,8 Mio. 910.608 346.031
Golf US-Masters 1,1 Mio. 660.384 415.797
Springreiten Final ll 25.300 19.250 11.500
Darts German Darts Championship 18.319 9160 6106
Biathlon Weltcup Oberhof 11.000 8000 5500
Skispringen Neujahrsspringen 8314 6651 4988
100-Meter-Lauf Istaf Berlin 4203 3057 1911
*alle Angaben in Euro; exkl. vorherige Spielrunden; exkl. TV-/Werbe-/Zuschauereinnahmen **Nettobeträge
Bei den Mannschaftswettbewerben ragt wie zu erwarten die Champions League heraus: So erhält entweder der FC Bayern oder der FC Chelsea der für einen Triumph in der "Königsklasse" am 19. Mai "(20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) in München neun Millionen Euro. Das ist dreimal so viel Geld, wie die Uefa dem Sieger der Europa League überweist.

Beim Finalturnier des DHB-Pokals gibt es hingegen gar keine Abstufungen beim Preisgeld für die vier Turnierteilnehmer. Egal ob ein Team das Finalturnier gewinnt oder den vierten Platz einnimmt: Jeder Handball-Club erhält eine Prämie von 120.000 Euro. "Ich habe das Gefühl, dass es nicht weniger oder stärker motiviert, das Turnier zu gewinnen, wenn mehr Geld fließt", sagt Mark Schober, Prokurist und Mitglied der Liga-Geschäftsführung.

Die HBL will damit auch verhindern, dass die Kluft zwischen "armen und reichen" Handball-Clubs noch größer wird. Im Motorsport müssen siegreiche Profis wie der deutsche MotoGP-Pilot Stefan Bradl vergeblich auf Einnahmen durch Prämien warten. Genau wie bei anderen renommierten Rennsportserien wie der Formel 1 und der DTM handelt es sich um "Hersteller-Meisterschaften", bei denen Team und Fahrer lediglich Punkte für die Weltmeisterschaft gewinnen können. Sorgen muss man sich um die PS-Profis indes nicht: Michael Schumacher und Co. verdienen über ihre Gehälter und Werbeverträge wohl ausreichend.

Prämien in Mannschaftssportarten
Sportart Wettbewerb Sieger 2. Platz 3. Platz
Fußball Champions League 9 Mio. 5,6 Mio. 4,2 Mio.
Fußball Europa League 3 Mio. 2 Mio. 700.000
Fußball DFB-Pokal** 2,5 Mio. 2 Mio. 1.662.500
Handball Champions League 350.000 250.000 200.000
Handball DHB-Pokal** 120.000 120.000 120.000
Frauenfußball Champions League 250.000 200.000 50.000
Frauenfußball DFB-Pokal** 60.000 40.000 15.750
Volleyball Champions League 50.000 30.000 20.000
Tischtennis Deutsche Pokalmeisterschaften** 6000 3750 1500
*alle Angaben in Euro; exkl. vorherige Spielrunden; exkl. TV-/Werbe-/Zuschauereinnahmen **Nettobeträge

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insgesamt 8 Beiträge
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    Seite 1    
1. mageres Preisgeld
reyney 16.05.2012
Das Herr Hannawald bei jedem Sieg noch einen edlen Audi der Oberklasse dazu gewonnen hatte, ist ihnen wohl entfallen. Ist ja nicht so, dass der Wagen keinen Verkaufswert hat....
2. Es geht hier doch um...
sappelkopp 16.05.2012
Zitat von reyneyDas Herr Hannawald bei jedem Sieg noch einen edlen Audi der Oberklasse dazu gewonnen hatte, ist ihnen wohl entfallen. Ist ja nicht so, dass der Wagen keinen Verkaufswert hat....
...Preisgelder der Verbände. Was auch immer Herr Hannawald von seinem Sponsor bekommt, warum müssen Sie das hier anbringen? Neidisch, gell?
3. ...
Moeker 16.05.2012
3. Platz bei der Champios League: 4,2 Mio Seit wann wird in der CL um den 3. Platz gespielt?
4. Augenblick mal....
akrisios 16.05.2012
Zitat von sysopDie Verdienstmöglichkeiten im Profisport sind extrem unterschiedlich. Der Sieg bei einem Grand-Slam-Turnier bringt Tennisspielern fast zwei Millionen Euro. Skispringer erhalten für den Triumph beim Neujahrsspringen hingegen nur ein Bruchteil davon. Das Magazin "SPONSORS" macht den Prämiencheck. Diese Prämien bekommen Profisportler - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,831760,00.html)
Fußball spielen viele und wollen die Leute sehen. Dafür zahlen sie auch. Skispringen, Eisbahnrodeln, Nordische Kombi? Eher Freakshows für eine Handvoll Enthusiasten die nur medial durch Lobbyverbände (Lobby = Korruption) angeschoben ihre Verbreitung findet. Ich frage mich generell warum viele Sportarten übertragen werden bei denen niemand einen kennt der einen kennt der sie überhaupt betreibt bzw. ihn interessiert. Das geht schon in Ordnung mit den Fußballer-Gehältern. Die Auslese istja auch eine ganz andere (vor allem nicht wie z.B. bei Formel 1 wo es sogar "Brüder" schaffen unter die ersten 20 Fahrer zu kommen).
5. Verarmung der Sportlandschaft
c_a_s 16.05.2012
Die Schere der Verdienstmöglichkeiten in den einzelnen Sportarten geht schon seit Jahren auseinander. Spätestens seit der Einführung des Privatfernsehens konzentrierte sich dieses Medium auf die Sportarten, die Eischaltquoten und damit höhere Werbeeinnahmen versprachen. Das fehlende Medieninteresse führt bei den nicht im Vordergrund stehenden Sportarten nicht nur zu einem Geld - sondern auch zu einem zunehmenden Aktiven - Mangel. Die Basis für Spitzenleistungen in olympischen Sportarten wird immer kleiner. Deutschland wird wohl in den Medallien - Spiegeln der zukünftiommenden Jahre nach hinten durchgereicht werden
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