Von Maximilian Rau und Jan Reschke
Die große Show des Dirk Nowitzki war es nicht. Der deutsche Ausnahmebasketballer hielt sich im Freundschaftsspiel gegen Alba Berlin stark zurück, seine acht Punkte beim 89:84 (45:39)-Sieg der Dallas Mavericks waren letztlich aber nur eine Randnotiz. Das Event stand im Vordergrund, zum ersten Mal nach 1984 traf ein NBA-Team auf eine Bundesliga-Mannschaft, welches Team hätte sich da besser geeignet als das von Nowitzki?
Schon beim Warmmachen hatten die Zuschauer den 34-Jährigen frenetisch gefeiert. "Ich möchte mich für euer Kommen bedanken", sagte Nowitzki via Hallenmikrofon im Mittelkreis unter großem Jubel zum Publikum, "die letzten drei Tage waren unvergesslich."
Vor Spielbeginn hatten die Mavericks-Profis aus der nordamerikanischen Profiliga die Fans mit spektakulären Dunkings in Stimmung gebracht. Auch Nowitzki hatte sichtlich Spaß. Er lachte viel während der Partie - selbst als er zwischenzeitlich einen Korbleger völlig unbedrängt danebensetzte. Ohnehin war es nicht sein Tag, er traf lediglich drei seiner neun Würfe . "Da muss ich noch viel Arbeit reinstecken. Aber ich habe auch nicht gespielt seit April", sagte Nowitzki im Anschluss bei Sport1.
Auch wenn es bei Dallas noch einige Probleme gab, muss man dem Team zugute halten, dass es sich erst seit einer Woche im Training befindet. Was offensichtlich war, weil die Mannschaft wesentlich mehr Mühe mit Alba als erwartet hatte. "Wir haben am Anfang sehr, sehr viele Fehler gemacht. Daran müssen wir noch arbeiten. Ich will aber gar nichts Alba wegnehmen, sie haben gut gespielt und gekämpft", sagte Nowitzki. Dennoch: "Es war doch witzig. Die Atmosphäre war gut."
"Ähnliche Position wie damals, als wir die Meisterschaft gewannen"
So groß die Begeisterung in Berlin für Nowitzki war: Die Fans sahen einen Superstar, der im Alter von 34 Jahren seinen Zenit überschritten hat - wenngleich er immer noch zu den besten NBA-Profis zählt. Nowitzkis Vertrag in Dallas läuft nach dieser Saison noch eine weitere Spielzeit, es drohen zwei zähe Jahre für den Deutschen zu werden.
Vom Meisterteam sind neben Nowitzki nur noch drei weitere Spieler im Kader. Und statt den erhofften Superstars Deron Williams und Dwight Howard wechselten im zurückliegenden Sommer nur Profis der zweiten Kategorie nach Dallas. Mit dem deutschen Nationalspieler Chris Kaman, 30, und Elton Brand, 33, kamen Spieler, deren Leistungen in den vergangenen Jahren auch wegen einiger Verletzungen stetig schlechter geworden sind - und die wie Nowitzki schon im gehobenen Basketball-Alter sind.
Neue Starter gibt es auch auf den Guard-Positionen. Darren Collison und O.J. Mayo sind talentiert und bringen mehr Athletik ins Team, aber ihre Entwicklungen stockten zuletzt. General Manager Donnie Nelson, für Verpflichtungen verantwortlich, ist dennoch überraschend optimistisch. "Ich sehe uns in einer ähnlichen Position wie damals, als wir die Meisterschaft gewannen", sagte Nelson der "Süddeutschen Zeitung".
Dabei sind nur drei Spieler über die kommende Saison hinaus an den Club gebunden. Zum einen, weil Dallas den finanziellen Spielraum benötigt, um im Sommer einen erneuten Versuch zu starten, einen zweiten Superstar neben Nowitzki zu verpflichten. Zum anderen, weil die Zugänge eben keine starken Leistungen garantieren, sie sind Notlösungen mit viel Potential, aber auch hohem Risiko.
Nowitzki selbst zählt die Mavericks nicht zum Favoritenkreis. Er dürfte wissen, dass es sogar mit dem Playoffeinzug in der starken Western Conference schwer werden wird. Warum er denn nicht zu einem Top-Team wechseln würde, um noch einmal um die Meisterschaft zu spielen, wurde Nowitzki auf Twitter gefragt. In Anspielung auf die Clubfarbe der Mavericks antwortete der Deutsche: "Weil mein Blut blau ist."
Alba Berlin - Dallas Mavericks 84:89 (39:45)
Beste Werfer: Deon Thompson (20 Punkte), Nihad Djedovic (15), Vule Avdalovic (13), Yassin Idbihi (12) für Berlin. - Vince Carter (14), Darren Collison (14) Chris Kaman (14), Shawn Marion (12) für Dallas.
Zuschauer: 14.500 (ausverkauft)
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