Interview mit Dirk Nowitzki: "Es ist ein komisches Gefühl, und es tut weh"

Dirk Nowitzki in den Playoffs - jahrelang war das selbstverständlich. Doch diese Saison ist alles anders: Dallas hat die Meisterrunde verpasst, der Champion von 2011 ist nur noch Mitläufer. Im Interview spricht der Basketball-Superstar über die Gründe und was sich ändern muss.

Basketballstar Nowitzki: Schwache Saison, große Karriere Fotos
AP/dpa

SPIEGEL ONLINE: Herr Nowitzki, Sie haben mit den Dallas Mavericks erstmals seit 2000 die Playoffs verpasst. Wie fühlt es sich an, Mitte April schon in die Sommerpause gehen zu müssen?

Nowitzki: Es ist ein komisches Gefühl, und es tut weh. Ich war ja nur in meinen ersten beiden NBA-Saisons nicht in den Playoffs, danach jedes Mal. In den vergangenen zwölf Jahren wusste ich nie, wann die Saison vorbei sein würde.

SPIEGEL ONLINE: Warum hat es dieses Mal nicht geklappt?

Nowitzki: Dass ich wegen meiner Verletzung zu Saisonbeginn 27 Spiele fehlen würde, konnte niemand wissen. Auch danach war ich zunächst nicht in der Form, die nötig gewesen wäre, und die Mitspieler mussten sich nach zwei Monaten ohne mich erst mal wieder an mich gewöhnen. Ich glaube, wenn ich die gesamte Saison gesund gewesen wäre, hätten wir die Playoffs erreicht.

SPIEGEL ONLINE: Sie können doch nicht der einzige Grund sein.

Nowitzki: Sie dürfen auch nicht vergessen: Wir haben vor der Saison acht oder neun neue Spieler verpflichtet. Und ich denke, den Kampf um die Playoffs haben wir im Dezember, Januar und Februar verloren und nicht jetzt. Zum Ende der Saison haben wir sehr gut gekämpft, auch viele Spiele gewonnen.

SPIEGEL ONLINE: Im Juni 2011 war Dallas noch NBA-Champion. Wer ist schuld daran, dass aus dem Meister innerhalb von 22 Monaten ein Mitläufer geworden ist?

Nowitzki: Einen Schuldigen gibt's hier nicht. Aufgrund des 2011 abgeschlossenen, neuen Tarifvertrags mussten wir mehr als die Hälfte der Meistermannschaft ziehen lassen, das hat uns wehgetan. Das Positive ist: Nachdem wir zwei Sommer lang wenig Geld ausgegeben haben, steht uns jetzt mehr zur Verfügung. Mal sehen, welche Spieler wir dafür bekommen. Es wird ein wichtiger Sommer für uns.

SPIEGEL ONLINE: Was muss in diesem wichtigen Sommer passieren, damit Dallas kommende Saison wieder die Playoffs erreicht?

Nowitzki: Wir brauchen neue Spieler. Acht Verträge laufen aus, wir müssen entscheiden, welche Akteure wir davon halten können oder wollen. Ende Juni kommt die Draft, bei der wir einen jungen Spieler holen müssen, der uns nach vorne bringt. Und Anfang Juli beginnt dann die Free Agent-Phase. Dwight Howard (Los Angeles Lakers - d. Red.) und Chris Paul (Los Angeles Clippers) sind sicherlich die beliebtesten Free Agents, aber ob die wirklich ihre Vereine verlassen wollen, weiß derzeit niemand.

SPIEGEL ONLINE: Wie attraktiv sind die Mavericks Ihrer Meinung nach derzeit für Stars wie Howard oder Paul?

Nowitzki: Wenn man sich alle NBA-Städte anschaut, gehört Dallas zu den spannendsten. Das Klima, die Fans, die gesamte Organisation, Eigentümer Mark Cuban, die Halle, ein eigener Team-Jet - ich bin sicher, dass wir einer der attraktivsten Märkte der NBA sind.

SPIEGEL ONLINE: Welche Rolle können Sie selbst dabei spielen, um einen der umworbenen Stars nach Dallas zu locken?

Nowitzki: Ich bin im Sommer sehr wahrscheinlich viel hier. Und wenn unser Besitzer Mark Cuban mich fragt, ob ich ihn zu Gesprächen mit Spielern begleiten will, dann bin ich dabei. Denn wir müssen einfach besser werden.

SPIEGEL ONLINE: Was machen Sie, wenn hochkarätige Zugänge im Sommer erneut ausbleiben?

Nowitzki: Dann ziehe ich mit denen in den Krieg, die da sind. Ich habe immer mein Bestes gegeben und mit der Mannschaft gespielt, die mir zur Verfügung gestellt wurde. Das werde ich auch in der nächsten Saison so machen. Wer dann da neben mir aufläuft, müssen wir abwarten. Vince Carter und Shawn Marion haben noch Verträge bis 2014. Schauen wir mal, wie wir den Rest der Mannschaft ausfüllen.

SPIEGEL ONLINE: Am Samstag beginnen die Playoffs, Sie haben frei. Was werden Sie in den kommenden Wochen machen?

Nowitzki: Was man so nach einer langen Saison macht - ein bisschen entspannen, Urlaub, ein wenig Playoffs schauen, aber nicht zu viel. Und ein bisschen vorschlafen, bevor dann das erste Baby kommt.

SPIEGEL ONLINE: Wer ist Ihr Top-Favorit auf den NBA-Titel?

Nowitzki: Was Miami gezeigt hat, ist doch sehr meisterverdächtig. Sie sind im Vergleich zum Vorjahr noch besser geworden, haben sich noch mehr Schützen geholt. Ich glaube, Chris Andersen (der Center kam im Januar von den Denver Nuggets - d. Red.) passt da super rein mit seiner Energie und seinen Rebounds. Deshalb ist Miami für mich klar der Top-Favorit.

Das Interview führte Heiko Oldörp in Dallas

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insgesamt 3 Beiträge
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1.
sIggy Pop 19.04.2013
Boston, Waco, Dallas... Ich bin schlicht sprachlos!
2. Dallas Top?
lc2010 19.04.2013
Wünsche Nowitzki, dass es gelingt ein konkurrenzfähiges aufzustellen. Allerdings, ist Dallas wirklich eine Top Adresse? NY, LA, Miami, Chicago, Boston, ... aber Cowboy Dallas in Texas, vlt. ist mein Blick zu europäisch.
3.
Hompster 19.04.2013
Zitat von lc2010Wünsche Nowitzki, dass es gelingt ein konkurrenzfähiges aufzustellen. Allerdings, ist Dallas wirklich eine Top Adresse? NY, LA, Miami, Chicago, Boston, ... aber Cowboy Dallas in Texas, vlt. ist mein Blick zu europäisch.
Jedem das seine. In Dallas kann man als Star sicher ruhiger leben, als im paparazziverseuchten LA und sowohl LA als auch Miami haben ein relativ großes Problem mit Kriminalität. NY, Chicago und Boston scheiden wegen des Klimas aus, das hat er als erstes genannt, scheint ihm also wichtig zu sein.
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Zu einem Basketballteam gehören fünf Akteure. Auf der Eins spielt der Point Guard (Aufbau). Die Zwei hat der Shooting Guard inne, dessen vornehmliche Aufgabe es ist, Punkte zu erzielen. Die Drei ist der Small Forward, eine wendige Flügelkraft mit einem guten Wurf. Spieler, die auf der Zwei oder Drei eingesetzt werden können, heißen "Swingmen". Die Vier ist der Power Forward, ein kräftiger Spieler, der durch seine Größe auch für Rebounds prädestiniert ist. Auf der Fünf spielt der Center, der zumeist in Korbnähe agiert. Die Positionen Eins und Zwei bilden den Backcourt, Drei bis Fünf sind der Frontcourt.