Turnier in Madrid: Blauer Sand ärgert die Tennisstars

Von Cai-Simon Preuten

Farbige Revolution im Tennis: Die blauen Sandplätze in Madrid stören die Stars der ATP-Tour. Novak Djokovic und Rafael Nadal reagieren beleidigt und suchen Argumente gegen den neuen Untergrund. Die Aufregung scheint konstruiert, geht es den Top-Spielern doch eher um Mitspracherecht.

Tennisspieler Djokovic: Im "Swimmingpool" von Madrid Zur Großansicht
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Tennisspieler Djokovic: Im "Swimmingpool" von Madrid

Hamburg - Zuerst war es ja noch ganz witzig. Tennis auf blauem Sand - was für eine Idee. Novak Djokovic wollte gleich Kultfigur Chuck Norris fragen, wie er auf dem Platz in Madrid am besten zurechtkommen könne. "Ich muss dauernd an die Schlümpfe denken", sagte der Kanadier Milos Raonic. Andere Spieler fühlten sich im Stadion "Caja Mágica" an einen gigantischen Swimmingpool erinnert. Die Kommentare schlugen jedoch schnell in Abneigung und Kritik um. "Ich habe noch niemanden gehört, der den blauen Sand mag", sagte Djokovic, die Nummer eins der Welt.

Der Serbe unterstützt damit den Sandplatzspezialisten und sechsmaligen French-Open-Sieger Rafael Nadal. Der 25-jährige Spanier ist Traditionalist, jede Neuerung im Tennis beäugt er zunächst skeptisch. Bereits vor dem ersten Aufschlag in Madrid hatte Nadal gesagt: "Blauer Sand ist ein Fehler. Es bringt den Spielern nichts und auch nicht dem Tennis. Aber dem Turnierdirektor."

Der böse Bube in Nadals Augen ist Ion Tiriac, Chef des mit mehr als sechs Millionen Euro dotierten Turniers. Der rumänische Manager, einst für Boris Beckers Vermarktung auf der ATP-Tour verantwortlich, hatte 2009 ein Sandplatzturnier nach Madrid geholt und binnen weniger Jahre in ein Event verwandelt. Tiriac hat die Vision, seine Veranstaltung als fünftes Grand-Slam-Turnier der Saison zu etablieren. Und wie jedes Major müssen auch die Madrid Open ihr Alleinstellungsmerkmal haben.

Was man Tiriac dabei nicht vorwerfen kann: Der 71-Jährige versucht erst gar nicht, die positiven Effekte des blauen Sands für die Vermarktung seines Turniers zu verheimlichen. "Die TV-Zuschauer können den Ball besser sehen", sagte Tiriac: "Wir haben 100 Millionen Zuschauer auf der ganzen Welt. Den müssen wir etwas bieten." Allerdings glaubt Tiriac auch, dass der blaue Court den Spielern gefällt und auch sie den Ball besser erkennen können. Die Stars der Tour lassen sich jedoch nicht gerne bevormunden.

"Nächstes Mal bringe ich Schlittschuhe mit"

"Ich finde, die Meinung der Spieler sollte gehört und dann auch berücksichtigt werden", sagte Djokovic: "Dieses Turnier und die Entscheidung, auf den blauen Sand zu wechseln, sind Beispiele dafür, wie die Einschätzungen der Profis ignoriert werden." Anstatt sich auf das kommende Spiel und die Vorbereitung auf die French Open (27. Mai bis 10. Juni) zu konzentrieren, fühlen sich die Top-Spieler in ihrem Stolz gekränkt und lassen sich Argumente gegen den neuen Untergrund einfallen.

"Nächstes Mal bringe ich Schlittschuhe mit", schrieb Djokovic auf seiner Facebook-Seite. Auch Nadal kritisierte den Court: "Die Lichtverhältnisse hinter dem Platz mit den Werbetafeln machen es schwer, den Ball zu sehen. Zudem ist der Court rutschiger als üblich. Vielleicht liegt es am blauen Sand." Unausgesprochen bleibt zumeist der Vorwurf, Tiriac habe den Sand möglicherweise färben lassen, um seinem Hauptsponsor und dessen blauen Logo entgegenzukommen.

Als einziger der besten drei Spieler der Welt hält sich Roger Federer mit seiner Kritik zurück: "Es ist ein bisschen anders als normaler Sand, vielleicht wegen des Visuellen oder wegen des Gefühls." Bislang war es allerdings auch kühl und regnerisch. Federer interessiert, wie sich die Plätze bei heißem und schönen Wetter verhalten.

Ein Mann, der sich mit den Eigenschaften der Sandplätze besser auskennt als alle Tennisspieler der Welt, gibt Entwarnung. Gaston Cloup war 20 Jahre lang für die Plätze der French Open in Paris verantwortlich und pflegt nun die Courts in Madrid. Der Platzwart verteidigt seine Felder: "Alle Materialien sind identisch. Bei der blauen wie bei der roten Farbe handelt es sich um natürliche Farben. Dem blauen Sand fehlt lediglich das Eisenoxid, und der Kies wurde gefärbt und gekocht, ganz so wie der Rote Sand." Cloup widersprach der Kritik der ATP-Stars: "Für die Spieler ändert sich von den Eigenschaften des Belags her nichts."

Erstaunlich ist, dass die Damen, die auf den gleichen Plätzen spielen müssen, die Gegebenheiten hinnehmen, ohne zu motzen. Die modebewussten Williams-Schwestern loben die "Farb-Revolution" sogar. "Ich wünschte, die Idee für den blauen Sand stammte von mir", sagte Venus Williams, und ihre jüngere Schwester Serena schrieb bei Twitter: "Blaue Asche ist doch fein. Ich könnte auch auf Eis spielen, falls es nötig ist." Übrigens: Die US Open in New York wurden drei Jahre lang auf grünem Sand ausgetragen. Der ist in den USA üblich und hat noch nie für Aufsehen gesorgt.

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insgesamt 9 Beiträge
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1.
themistokles 09.05.2012
Zitat von sysopFarbige Revolution im Tennis: Die blauen Sandplätze in Madrid stören die Stars der ATP-Tour. Novak Djokovic und Rafael Nadal reagieren beleidigt und suchen Argumente gegen den neuen Untergrund. Die Aufregung scheint konstruiert, geht es den Top-Spielern doch eher um Mitspracherecht. Djokovic und Nadal kritisieren blaue Sandplätze in Madrid - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,832206,00.html)
Für das persönliche Empfinden, dass sich der Platz anders als ein normaler Sandplatz spielt, gibt es vermutlich eine ganz einfache, psychologische Erklärung: Blauer Untergrund bedeutet im Tennis eigentlich Hartplatz (siehe US oder Australian Open). Der Tennisprofi, der jahrelang blau mit Hartplatz und dessen Spieleigenschaft assoziiert hat, muss jetzt "umdenken". Schließlich ist er jahrelang auf blau-Hartplatz konditioniert worden.
2. Blauer Sand auf dem Tennisplatz,
Niamey 09.05.2012
Zitat von sysopFarbige Revolution im Tennis: Die blauen Sandplätze in Madrid stören die Stars der ATP-Tour. Novak Djokovic und Rafael Nadal reagieren beleidigt und suchen Argumente gegen den neuen Untergrund. Die Aufregung scheint konstruiert, geht es den Top-Spielern doch eher um Mitspracherecht. Djokovic und Nadal kritisieren blaue Sandplätze in Madrid - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,832206,00.html)
ist wie grüner Schnee auf Skipisten! Gehts noch? Ich liebe Tennis, aber wenn ich die Schlümpfe sehen will, gehe ich ins Kino!
3. Blauer/Roter/Gelber Rasen
Emmi 09.05.2012
Was würden wohl die Fußballprofis/der DFB/die DFL sagen, wenn in der nächsten Saison der FC Bayern roten, der BVB gelben und Schalke blauen Rasen ansäen würde...?
4.
Ion 09.05.2012
Schade , das die Deutschen ÖR TV Sender Tennis nach wie vor ignorieren..........
5.
HaioForler 09.05.2012
Zitat von EmmiWas würden wohl die Fußballprofis/der DFB/die DFL sagen, wenn in der nächsten Saison der FC Bayern roten, der BVB gelben und Schalke blauen Rasen ansäen würde...?
Wenn in Dortmund ploetzlich blauer Rasen steht, dann ist aber die Hoelle los :)
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Die Sieger der French Open seit 2000
Jahr Männer Frauen
2013 Rafael Nadal Serena Williams
2012 Rafael Nadal Maria Scharapowa
2011 Rafael Nadal Li Na
2010 Rafael Nadal Francesca Schiavone
2009 Roger Federer Swetlana Kusnezowa
2008 Rafael Nadal Ana Ivanovic
2007 Rafael Nadal Justine Henin
2006 Rafael Nadal Justine Henin
2005 Rafael Nadal Justine Henin
2004 Gastón Gaudio Anastassija Myskina
2003 Juan Carlos Ferrero Justine Henin
2002 Alberto Costa Serena Williams
2001 Gustavo Kuerten Jennifer Capriati
2000 Gustavo Kuerten Mary Pierce
Fotostrecke
Legendäre Tennisspieler: Spiel, Satz und Schlägerbruch

Tennis: Die wichtigsten Schläge
Beginnt der Aufschläger nicht mit einem Ass und der Rückschläger spielt den Ball zurück übers Netz, läuft der Ballwechsel. Dann kann es zu folgenden Schlägen kommen:

  • VOLLEY: Der Ball wird noch vor dem Aufkommen auf dem Boden geschlagen. Dieser Schlag wird vorwiegend am Netz gespielt und soll den Ballwechsel beenden.

    PASSIERSCHLAG: Ist der andere Spieler ans Netz vorgerückt, kann er nicht die gesamte Breite des Feldes abdecken - und mit einem Schlag seitlich an ihm vorbei passiert werden.

    STOPP: Ein zumeist mit Rückwärtsdrall gespielter Ball, der kurz hinter dem Netz aufkommt und für den Gegner schwer zu erreichen ist. Wird vorwiegend auf dem langsamen Belag Sand gespielt.

    LOB: Nach einem gespielten Stopp rückt der Spieler zumeist ans Netz vor. Dann ist es möglich ihn mit einem hoch geschlagenen Lob-Ball zu überspielen.

    SCHMETTERBALL: Wird der Lob zu flach gespielt, bietet sich für den Gegner die Möglichkeit, den Ballwechsel mit einem Schmetterball zu beenden. Der Schlag ähnelt sehr dem Aufschlag und ist ein mit hohem Tempo gespielter Überkopfschlag.

  • Zudem lassen sich die Schläge von der Grundlinie unterteilen, egal ob Vor- und Rückhand:

  • TOPSPIN: Durch eine von unten nach oben durchgeführte Schlagbewegung wird dem Ball Vorwärtsdrall verliehen. Der Ball steigt dadurch zunächst relativ hoch an, fällt dann aber steil nach unten. So können auch sehr diagonal oder schnell gespielte Bälle noch im Feld landen.

    SLICE: Ist das Gegenteil vom Topspin. Die Schlagbewegung ist von oben nach unten, der Ball erhält damit Rückwärtsdrall. Der Ball wird möglichst am höchsten Punkt getroffen, die Flugkurve ist dann sehr flach und stetig sinkend. Der Ball ist dadurch relativ lange in der Luft, so dass der Schlag entweder als Verteidigungsschlag oder als Vorbereitung zum Aufrücken ans Netz verwendet wird.

    DRIVE: Der Ball wird sehr direkt getroffen und damit nur mit sehr wenig oder gar keiner Rotation versehen.

Jeder dieser drei Schläge kann entweder cross, also quer, oder longline, der Linie entlang, gespielt werden. Ein Longline-Schlag erfordert eine hohe Präzision, da der Ball leicht im Aus landen kann - und das Netz zudem außen höher ist als in der Mitte. Cross gespielte Schläge hingegen fordern weniger Genauigkeit, können dafür aber mit mehr Tempo gespielt werden.