Djokovics U.S.-Open-Triumph "Tennis, wie man es noch nicht gesehen hat"

Novak Djokovic hat mit dem Sieg bei den U.S. Open seine Rekord-Saison gekrönt. Der Serbe gewann drei der vier Grand-Slam-Turniere - und durchbrach die Dominanz von Rafael Nadal und Roger Federer. Spätestens seit dem Erfolg in New York steht fest: Djokovic ist die Zukunft des Tennis.

Aus New York berichtet

REUTERS

Auch nach kräftezehrenden vier Stunden und zehn Minuten behielt er ein letztes Mal die Kontrolle. Rückwärts ließ sich Novak Djokovic, soeben zum neuen Tennis-König von New York gekürt, auf den Centre-Court-Boden fallen. Elegant sank er nieder, rollte formvollendet ab und blickte dann für ein paar Sekunden in den Himmel über dem Arthur-Ashe-Stadion.

"Es war ein Moment, den ich am liebsten für alle Ewigkeit festgehalten hätte", sagte der neue U.S.-Open-Champion, der in einem erbitterten Zweikampf den Titelverteidiger Rafael Nadal 6:2, 6:4, 6:7 (3:7) und 6:1 niedergerungen hatte. "Irreal" nannte Djokovic den vielleicht größten Erfolg dieser Saison, in der er Titel und Trophäen sammelt.

Eindrucksvoller als mit dem dritten Sieg beim vierten Major-Turnier 2011 konnte Djokovic seine Dominanz in der Tenniswelt nicht illustrieren. Eine Überlegenheit, die unerwartete Dimensionen angenommen hat. "Was er da hinlegt, ist einfach verrückt", sagte der unterlegene Nadal, der auch schon das Wimbledon-Endspiel gegen den Serben verloren hatte. Gegen den Mann, der vom Späßchen- und Faxenmacher inzwischen zur bestimmenden Figur des aktuellen Tennis aufgestiegen ist.

Das großartige Endspiel brachte Djokovics Klasse wie in einem Gesamtkunstwerk noch einmal durchschlagend auf den Punkt: In beiden Auftaktsätzen lag der 24-Jährige 0:2 zurück, kämpfte sich aber gegen den Spanier entschlossen und unbeeindruckt zurück ins Match.

"Djoker, der Galaktische"

Im ersten Satz gingen nach dem 0:2-Fehlstart sogar alle weiteren sechs Spiele an Djokovic, der wie im Rausch die Bälle traf und selbst schwierigste Herausforderungen leicht aussehen ließ. Nach dem dritten, im Tie-Break verlorenen Satz wurde Djokovic sechs Minuten wegen Rückenproblemen behandelt, konnte aber weiterspielen. Und wie. Beide kämpften weiter um jeden Punkt, meistens hatte Djokovic das bessere Ende für sich.

"Außerirdisches Tennis" nannte es der ehemalige Weltklassespieler und TV-Experte John McEnroe und verpasste dem Sieger gleich einen neuen Spitznamen: "Djoker, der Galaktische".

Grandioser und symbolischer hätte diese Ausnahmesaison ja auch gar nicht enden können für Djokovic, der im Halbfinale den Weltranglisten-Dritten Roger Federer und dann im Duell der Tennis-Giganten die Nummer zwei Nadal besiegte - also jene beiden Spieler, die ihm jahrelang den Sprung an die erste Weltranglisten-Position und den Gewinn der bedeutendsten Titel verwehrt hatten. Doch in dieser Saison schaffte es Djokovic, die Dominanz zu brechen und feierte reihenweise Siege gegen die beiden ehemals Unerreichbaren.

Vor einem Jahr war er noch mit einem einzigen Sieg gegen einen Top-Ten-Spieler zu den U.S. Open gereist. 2011 aber hatte Djokovic schon eine Bilanz von 19:2-Triumphen gegen die Top Ten addiert, ehe er im Halbfinale gegen Federer und dann im Endspiel gegen Nadal antrat und nun bei 21:2 Siegen steht. "Keine Bilanz ist erhellender als diese", sagte Jimmy Connors, der legendäre amerikanische Superstar, "Djokovic spielte unter größtem Druck und bei den größten Turnieren sein bestes Tennis."

Kann ein Spieler sich so grundlegend verändern wie Djokovic, der in der Szene früher als ewig Kranker, als Lamentierer, als Weichei und Nervenbündel galt, als Spaßvogel ohne letzte sportliche Bedeutung? Wenn man ihn heute sieht, mit den schnellsten Beinen aller Spieler auf der Tour, mit einer Ausdauer- und Willenskraft, die sogar Spieler wie Nadal übertrifft, mit einer stabilen Psyche zudem, dann ist die Antwort ein Ja mit drei Ausrufezeichen.

Djokovic hat das Spiel auf einen neuen Level gehoben

"In den vergangenen Monaten habe ich eigentlich alles verändert in meinem Leben, nur meine Freundin, die ist zum Glück noch da", scherzte Djokovic nach dem Finale, "meine Schläge, meine Strategie auf dem Platz, meine Ernährung, mein Fitnesstraining - alles neu. Und besser".

Erst mit seinem neuen Körpergefühl baute sich bei Djokovic langsam, aber anscheinend unaufhaltsam jenes Selbstbewusstsein auf, das nötig war, um Federer und Nadal regelmäßig besiegen zu können - und sie schließlich auch von ihren angestammten Positionen eins und zwei zu verdrängen.

Djokovic ist in diesem Jahr nicht mehr nur auf Augenhöhe mit dem Schweizer und dem Spanier, sondern ein gutes Stück voraus. "Er hat das Spiel auf ein neuen, unglaublichen Level gehoben", sagt der australische Coach und Analytiker Darren Cahill, "das ist ein Tennis, wie man es vorher noch nicht gesehen hat."

Und zwar vor allem wegen einer atemberaubenden Konstanz über Wochen und Monate. "Du siehst seine Bilanz und denkst: Ist der Kerl verrückt? Ist das wahr?", sagt Altmeister Boris Becker, der sich wie die meisten Betrachter wundert, "was aus dem mageren Bürschchen geworden ist, das dauernd verletzt war".

Nicht weniger als die beste Saison eines Profispielers in der modernen Ära des Tennis legte der einst auch in der Münchner Akademie von Niki Pilic ausgebildete Djokovic in diesem Jahr hin. "Es ist eigentlich unnormal, was ich da spiele", sagt Djokovic, "aber es ist wunderschön." Diese Tennis-Saison lässt sich, zugespitzt, in zwei Worte fassen: Novak Djokovic.



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Hardliner 1, 13.09.2011
1. Verdiente Nummer 1
Zitat von sysopNovak Djokovic hat mit dem Sieg der US Open seine Rekord-Saison gekrönt. Der Serbe gewann drei der*vier Grand-Slam-Turniere - und durchbrach*die Dominanz von Rafael Nadal und Roger Federer.*Spätestens seit dem Erfolg in*New York steht fest: Djokovic ist die Zukunft des Tennis. http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,785913,00.html
Djokovic ist variabler als Nadal. Und er hatte gegen Nadal weniger Mühe als gegen Roger Federer. Djokovic ist die verdiente Nummer 1 im Tennis. Interessant, dass im Halbfinale just die vier Spieler waren, die auf der Setzliste die Plätze 1 bis 4 einnahmen, Djokovic, Nadal, Federer, Murray.
djoko1954 13.09.2011
2. Nadal und Federer auf Augenhöhe
Man sollte bei allem Lob für Djokovic nicht vergessen, das Federer im Halbfinale insbesondere in den Sätzen 4 und 5 nicht nur auf Augenhöhe, sondern sogar besser als Djokovic war. Dass er die 2 Matchbälle vergeben hat, ist sicherlich auch Djokovic zuzuschreiben. Aber auch Nadal hat im 3. Satz des Finales ein Tennis gezeigt, wie man es nicht besser spielen kann. Meiner Meinung nach haben alle drei Spieler, Federer, Nadal und Djokovic in diesen beiden Matches Tennis gespielt, welches taktisch, technisch und von der Geschwindigkeit her nicht besser zu spielen ist. Deswegen gebührt Nadal und Federer verdienen genau so viel Respekt und Annerkennung, denn Sie haben nicht nur Tennis auf höchsten Niveau gespielt, sondern dafür gesorgt, dass das Semifinal und Final der US-Open 2011 wohl zu den spannensten und besten Tennisspielen aller Zeiten gehören wird. Leider wird in diesem Artikel das mit keinem Wort erwähnt. Schade Respekt an alle 3.
breisig 13.09.2011
3. grüne männchen
djokovic muss ein alien sein, kein mensch kann derartiges tennis spielen.
picard95, 13.09.2011
4. Titel
Zitat von Hardliner 1Djokovic ist variabler als Nadal. Und er hatte gegen Nadal weniger Mühe als gegen Roger Federer. Djokovic ist die verdiente Nummer 1 im Tennis. Interessant, dass im Halbfinale just die vier Spieler waren, die auf der Setzliste die Plätze 1 bis 4 einnahmen, Djokovic, Nadal, Federer, Murray.
Das macht Herrentennis vor dem Halbfinale leider auch weniger interessant. Im Damentennis gibt es weitaus oefter Überraschungen (nun geht die "oe" Taste wieder nicht).
fat_abbot@web.de 13.09.2011
5. jaja
wie entscheidend doch so ein moment sein kann... knallt der djoker seinen fifty fifty return gegen roger ins aus, dann fährt er nach hause und das finale hiesse federer-nadal...und alle würden davon sprechen,das djokovic immer wieder am altmeister scheitert...so wie schon in paris! mal sehen wie die nächste saison läuft,bin auf jeden fall heiss!
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