Leichtathletik-EM in Berlin Die Latte liegt hoch

Die deutschen Leichtathleten haben sich für die EM im eigenen Land ehrgeizige Ziele gesetzt. Zahlreiche Sportler hoffen auf Podestplätze. Eine Medaillenprognose verweigert der Verband bewusst.

Bongarts/Getty Images

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Eine bösartige Hummel vielleicht. Oder eine Libelle mit niederen Motiven. Sonst dürfte nichts und niemand die Vorbereitung der deutschen Leichatathleten auf die Europameisterschaft im eigenen Land stören können. Die Athleten haben die letzte Woche vor der EM im brandenburgischen Kienbaum verbracht, beschaulich wäre eine Untertreibung für das Dorf östlich von Berlin; Watutinki, das Quartier der deutschen Fußballer bei der WM war dagegen geradezu ein Rummelplatz. Die Hauptstadt ist nur 40 Kilometer entfernt und liegt auf einem anderen Planeten. "Unsere Sportler sollen die Abgeschiedenheit von Kienbaum nutzen, um sich noch einmal zu sammeln", sagt der Sportdirektor des Deutschen Leichtathletik-Verbands Idriss Gonschinska.

Ab Montag ist es mit der Ruhe vorbei. Dann ist Europameisterschaft, ein brodelndes Olympiastadion von Berlin. Der Höhepunkt des Jahres für die deutschen Leichtathleten.

Eines ist dem Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) im Vorfeld der Wettkämpfe partout nicht zu entlocken: eine Medaillenprognose. Beim DLV weiß man genau: Wenn man den Mund zu weit aufreißen und gar verkünden würde, man wolle das bisher beste EM-Ergebnis seit 20 Jahren von den europäischen Titelkämpfen in Budapest noch verbessern, dann steigt auch die Fallhöhe. Also sagt man lieber nichts.

Damals holten die DLV-Athleten 23 Mal Edelmetall, davon sieben Mal Gold - und wenn der Verband ehrlich zu sich ist, dann liegt die Messlatte für die EM in Berlin tatsächlich höher. Eine Europameisterschaft vor eigenem Publikum, in einem vermutlich durchgehend ausverkauften Berliner Olympiastadion mit Sportlern, die seit Jahren auf dieses Ereignis hinarbeiten - alle Voraussetzungen sind gegeben, die Bühne ist bereitet.

"Die Vorfreude ist gigantisch"

Tatsächlich hat der DLV mindestens zwei Dutzend Medaillenanwärter in seinem Kader - der mit 127 Athleten so groß ist wie noch nie. Und in manchen Disziplinen sind sich die DLV-Sportler sogar selbst die Konkurrenz:

  • Die Speerwerfer Andreas Hofmann, Thomas Röhler und Johannes Vetter belegen die ersten drei Plätze der Weltjahresbestenliste,
  • im Hürdensprint der Frauen duellieren sich Cindy Roleder und Pamela Dutkiewicz,
  • im Diskuswurf die Harting-Brüder Christoph und Robert mit Teamkollege Daniel Jasinski.
  • Gesa Felicitas Krause ist die Favoritin über 3000 Meter Hindernis,
  • Christina Schwanitz und David Storl hoffen auf Gold im Kugelstoßen,
  • Kai Kazmirek und Carolin Schäfer heißen die Trumpfkarten im Mehrkampf, im Weitsprung liebäugelt Malaika Mihambo mit der besten Aussicht auf dem Podest,
  • und sogar auf der Langstrecke, dort, wo deutsche Läufer jahrelang über Endlaufplatzierungen heilfroh waren, ist mit Richard Ringer ein ernsthafter Anwärter aufs Treppchen am Start.

"Die Vorfreude ist gigantisch", sagt Sprinterin Gina Lückenkemper, auch sie eine Medaillenanwärterin. Und Gonschinska ergänzt: "Motivieren müssen wir niemanden mehr." Der Sportdirektor hat seine eigenen Formulierungen gefunden, die Ziele des Verbands zu benennen, und sie hören sich auch viel besser an als eine schnöde Medaillenzahl. Er wolle am Ende "viele lächelnde Gesichter sehen", denn das bedeute, dass die "selbst gesteckten Ziele der Athleten erreicht und ihre Träume in Erfüllung gegangen sind". Lächelnde Gesichter und erfüllte Träume - manchmal muss man sich trauen, im Spitzensport auch so zu reden. Und so zu denken.



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dickidoro 31.07.2018
1. LL-EM in Berlin
Also mal ehrlich. Unsere Funktionäre, aber auch die Presse liegt m.e. Nicht richtig; ist viel zu optimistisch. Von den 126 Athleten haben zwar alle die Deutschen E-Mail-Normen geschafft, aber das reicht nur in einigen Fällen zu Medaillen. Natürlich die Speerwerferin, aber wer denkt denn an den Superintendent Esten, der die Deutschen gerade dreimal geschlagen hat. Und die Hartings sind unbeständig, wenn einer von ihnen überhaupt eine Medaille holt, dan wäre das schon toll. Und so ist es in viele Disziplinen. Wenn über Haupt Medaillen, dann gehört auch gück dazu, man sollte mal einen Blick in die jahresbestenlisten werfen; das sehen die deutschen Athleten ganz schön blass aus. Mein Tipp für den Medaillenspiegel : 6-7-8. und das wäre dann schon ein gutes Ergebnis. Die Jugendarbeit in GB oder in F ist jedenfalls viel besser und nicht zu vergessen die vielen adoptierten Sportler, die für andere Länder starten. Bei den DM in Nürnberg waren etliche Leistungen schwächer, als bei Olympia 1936. hat das keiner mitbekommen ? Mit freundlichen Grüßen Frank hoffmann, 14195 Berlin
pr8kerl 01.08.2018
2. Sehe ich auch so
Herr Hoffmann hat mit vielen Argumenten Recht. Gerade erst war in der ARD eine Dokumentation über Robert Harting, der nach erfolgreichen Jahren den Anschluss nicht mehr schafft. In den technischen Disziplinen können deutsche Athleten noch einigermaßen mithalten. Deutsche Sieger gibt es in der Leichtathletik kaum noch. Wer will sich die Quälerei schon antun. -- -- Ein bisschen mehr Rechtschreibkenntnisse hätte ich mir von meinem Vor-Foristen schon gewünscht.
dickidoro 01.08.2018
3. LL—EM, Prognose
Kurz zu meinem Kritiker wegen der Rechtschreibung. Mein iPad macht im Urlaub was es will und deshalb will ich mich bessern. Gott sei dank bin ich nicht dank bin ich nicht der einzige, der das realistisch sieht. So werden bei den Herren in den laufdisziplinen zwar einige Sportler das Finale erreichen, aber - vielleicht bis auf Ringer - keine Medaillen holen. In allen sprungdisziplinen wird es keine Medaille geben- vielleicht im Hochsprung - , nur eben mit Speer und Kugel und vielleicht doch mit dem Diskus. Das Hammerwerfern war mal eine deutsche paradedisziplin, jetzt nur noch armselige Leistungen. Im Zehnkampf ist eine Medaille drin. Also insgesamt mit den Staffeln so Bei den Damen sieht es besser aus. Deutsche Athleten müssten sich von Beginn an bei internationalen Meetings mit den besten der Welt messen, doch meist fahren nur eine Handvoll Sportler, meist Techniker hin.. Mit freundlichen Grüßen F. Hoffmann, 14195 berlin
tomkey 01.08.2018
4. Unsere Sprinterinnen
Zitat von dickidoroKurz zu meinem Kritiker wegen der Rechtschreibung. Mein iPad macht im Urlaub was es will und deshalb will ich mich bessern. Gott sei dank bin ich nicht dank bin ich nicht der einzige, der das realistisch sieht. So werden bei den Herren in den laufdisziplinen zwar einige Sportler das Finale erreichen, aber - vielleicht bis auf Ringer - keine Medaillen holen. In allen sprungdisziplinen wird es keine Medaille geben- vielleicht im Hochsprung - , nur eben mit Speer und Kugel und vielleicht doch mit dem Diskus. Das Hammerwerfern war mal eine deutsche paradedisziplin, jetzt nur noch armselige Leistungen. Im Zehnkampf ist eine Medaille drin. Also insgesamt mit den Staffeln so Bei den Damen sieht es besser aus. Deutsche Athleten müssten sich von Beginn an bei internationalen Meetings mit den besten der Welt messen, doch meist fahren nur eine Handvoll Sportler, meist Techniker hin.. Mit freundlichen Grüßen F. Hoffmann, 14195 berlin
Rechtschreibung wird im Forum meist überbewertet - also mir kommts auf den Inhalt an. Und da stimme ich Ihnen weitesgehend zu. Auf alle Fälle bin ich auf die Sprinterinnen und die Staffeln Männer wie Frauen sehr gespannt. Da kommt hoffentlich was positives raus. Und einen Tag - Freitag - werde im Stadion sein. Seit ich im letzten Jahr die dt. Meisterschaften in Erfurt live in einem vollem Stadion sah, bin ich noch mehr von den Wettkämpfen begeistert als vor der Glotze. Das sollten sich Leichtathletikfans nicht entgehen lassen.
cs01 01.08.2018
5.
Ich gehe davon aus, dass deutsche Athleten (m/w) auch in den Laufdiziplinen die eine oder andere Medaillie holen werden. (Ich schätze 3, wenn auch kein Gold). Wenn es gelingt, in der Mannschaft eine positive Grundstimmung aufzubauen, dann wird auch der eine oder andere Athlet (m/w) über sich hinauswachsen. Aber sollen die Pessimisten und Stänkerköppe hier ruhig rumunken.
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