Sportler gegen Präsident Diesen Gegner hat Trump unterschätzt

Donald Trump legt sich mit US-Spitzensportlern an, bepöbelt Footballer und Basketballer. Die Reaktionen sind heftig - sie zeigen: Diesmal ist der Präsident zu weit gegangen.

Basketball-Superstar LeBron James
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Basketball-Superstar LeBron James

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Der Sonntag gehört in den USA dem American Football. In der NFL, der National Football League, sind 13 Partien für heute terminiert, die New England Patriots treten gegen die Houston Texans an, die Philadelphia Eagles gegen die New York Giants oder die New York Jets gegen die Miami Dolphins. Aber der eigentliche Gegner an diesem Sonntag ist ein anderer und steht nicht auf dem Platz: Es ist der US-Präsident.

Mit seinen wüsten Schimpftiraden vor allem gegen schwarze Sportler, die die Nationalhymne der Vereinigten Staaten boykottieren, hat Donald Trump für den Aufreger des Wochenendes gesorgt. Die amerikanischen Zeitungen sind voll von dem Thema, überall werden Trumps Attacken, der die Hymnen-Boykotteure als "Hurensöhne" diffamierte, und die Reaktionen aus dem Sport breit zitiert. Die verbalen Gegenangriffe durch prominente Sportler sind heftig, und der Spieltag in der NFL kommt genau richtig: Es wird eine Protestwelle gegen Trump erwartet.

Einen Vorgeschmack gab es bereits am Samstag, als Bruce Maxwell von den Oakland Athletics als erster Profi der Baseball-Liga demonstrativ bei der Hymne in die Knie ging - so wie es zahlreiche schwarze Footballer bereits seit Wochen tun - seit den rechtsextremen Übergriffen von Charlottesville. Nach dem Vorbild des früheren Quarterbacks der San Francisco 49ers, Colin Kaepernick, der diese Geste bereits vor einem Jahr kreiert hatte, um gegen den Rassismus in den USA zu protestieren.

Football, Baseball, Basketball - alle gegen Trump:

Die Heftigkeit des Protests unterschätzt

Trump hatte am Wochenende wieder einmal gewütet. Er hatte gefordert, dass die NFL-Klubs diejenigen Profis, die die Nationalhymne nicht würdigen, umgehend entlassen sollten. Und wo er schon einmal dabei war, hatte er Basketballer Stephen Curry die Einladung fürs Weiße Haus entzogen. Curry, Superstar des aktuellen NBA-Champions aus Golden State, ist für seine Abneigung gegen die Politik Trumps bekannt. Die Warriors reagierten sofort und verzichteten in Gänze darauf, den Präsidentensitz zu besuchen.

Trump reagierte umgehend. Schon in aller Sonntagsfrühe twitterte er seine Geringschätzung für die NFL in die Welt: Besucherzahlen und Einschaltquoten seien "STARK GESUNKEN", twitterte er in Großbuchstaben. "Langweilige Spiele, ja. Aber viele bleiben weg, weil sie unser Land lieben. Liga sollte hinter dem Land stehen." Die Fans rief er indirekt zum Boykott auf: "Wenn NFL-Fans sich weigern, zu Spielen zu gehen, bis Spieler aufhören, unsere Flagge und unser Land verächtlich zu behandeln, dann wird man schnell sehen, dass sich etwas ändert. Feuern oder sperren!"

Es scheint, dass der Präsident die Wucht des Widerstands, die Heftigkeit des Protests unterschätzt hat. Eigentlich ein Anfängerfehler - denn Trump müsste wissen, welche Bedeutung der Sport in den USA hat. Baseball, Football, Basketball - das sind die Heiligtümer des Sports in Übersee, unzerstörbarer Teil des Mythos Amerika. Spieler wie der Basketballer LeBron James sind nichts weniger als Helden. James twitterte jetzt über Trump: "Der Besuch im Weißen Haus war eine Ehre, bis du aufgetaucht bist." Für Trump hatte er noch das wenig schmeichelhafte Attribut "Penner" übrig.

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Sport-Stars gegen Trump: "Unser Präsident ist ein Arschloch!"

Unterstützung kommt von allen Seiten: Basketball-Legende Kobe Bryant teilte mit, Trump schüre "Hass und Zwietracht", Basketballer Chris Paul bezweifelte, "ob Trump Manns genug ist, einem dieser Spieler 'Hurensohn' ins Gesicht zu sagen", und für Footballer LeSean McCoy von den Buffalo Bills ist klar: "Unser Präsident ist ein Arschloch."

Stars bis in den hintersten Winkel verehrt

Wenn die Basketballer, Baseballer und Footballer sich nun gegen den Präsidenten stellen, hat das womöglich größere Strahlkraft als ein Sternmarsch von Bürgerrechtlern auf Washington oder die kalte Schulter aus Hollywood. Die Sportstars werden bis in den hintersten Winkel Amerikas verehrt, auch dort, wo die Trump-Fans sitzen. Wenn sich der Protest in den großen Ligen ausweiten sollte, wenn er weit über die schwarzen Profis hinausgeht, dann dürfte es für Trump ungemütlich werden. Die Aktion von Baseballer Maxwell deutet darauf hin, dass dies gerade passiert.

Roger Goodell, der NFL Commissioner, hat Trumps Aussagen als "spaltend" bezeichnet, und genau das ist es, worauf zahlreiche Schwarze und Latinos im Spitzensport besonders allergisch reagieren. LeBron James hat nach seinem wütenden Tweet in Richtung Trump später noch ergänzt: "Dieser Kerl, dem wir die Verantwortung gegeben haben, hat zum wiederholten Male versucht, uns zu spalten. Jetzt nutzt er den Sport dazu, uns zu spalten. Wir als Amerikaner müssen aber noch viel stärker zusammenfinden."

Am Abend in den Football-Stadien des Landes kann dafür schon ein Zeichen gesetzt werden.



insgesamt 55 Beiträge
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fisschfreund 24.09.2017
1.
Durch seine bescheuerten tweets zeigt dieser sogenannte Präsident, wer der eigentliche H*rensohn ist, der sich besser um seinen eigenen Dreck kümmern sollte. Damit ist er ja schon völlig überfordert.
drnailuang 24.09.2017
2. Ständig heißt es er sei zu weit gegangen,
ich glaube aber nicht, dass das ihn in irgendeiner Weise beeindruckt oder beeinflusst. Ebenso wie seine Wähler. Trump ist Trump und er wird weiterhin beratungsresistent tun und lassen was sein narzisstisch gekränktes Ich von ihm verlangt. Und es gibt anscheinend genügend Anhänger die genauso ticken. Das ist eigentlich keine Meldung mehr wert.
licorne 24.09.2017
3.
Wenn ein Sportler auf den Empfang durch den Präsidenten im weißen Haus verzichtet, dann sieht Trump darin eine Respektlosigkeit gegenüber der ganzen Nation. Er selbst allerdings, Präsident der USA, nimmt sich heraus, einige Sportler als 'Hurensöhne' zu beschimpfen. Das ist außerordentlich aggressiv und vulgär, respektlos ist hier als Ausdruck viel zu harmlos. Ich hoffe, das fällt Donnie auf die Füße.
Sissy.Voss 24.09.2017
4. Das ist gut so...
Das ist gut so, nur wird es leider nicht einmal zu Trump durchdringen. Zumindest nicht 'intellektuell'. Das ist bei narzisstischen, autistischen Störungen normal, da müssen wir uns keine Sorgen machen. Für eine langfristige Wirkung ist es auch nicht tauglich, da bis zur nächsten Wahl noch zu lange Zeit ist, da verpufft der Effekt in einem Meer von Trumpismen oder wird weggespült von wichtigeren Dingen, wie dem Konflikt mit Nordkorea. Joan Baez hat einmal gesungen "Heaven help the roses if the bombs begin to fall, Heaven help us all." Warum nur singen sie heute nicht mehr, Baez, Dylan und die anderen?
TheK79 24.09.2017
5.
Genau das, was Trump fordert, ist doch im Falle Colin Kaepernick passiert – in das nicht in irgendeiner fundamentalistischen Trump-Hochburg, sondern in San Fancisco, wo Trump schon bei der Wahl keine 10% hatte (nur in Washington, D.C. war das Ergebnis noch schlechter). Und jetzt will also ein Team des traditionell schwarzen Basketball aus der Nachbarstadt Oakland (da hatte Trump immerhin fast 15%…) nicht zu ihn? Wenn heute Abend die Vertreter der Linken der AfD nicht zum Einzug in den Bundestag gratulieren, wäre das eine größere Nachricht… Wenn wir heute Abend in Loudon, NH protestierende NASCAR-Fahrer sehen würden, DAS wäre eine Nachricht. Werden wir aber nicht, denn da wird man ihn für diese Forderung bejubeln und wahrscheinlich würde man schon für das Retweeten von Anti-Trump-Kommentare gefeuert. Gefordert wurde das da schon von vielen, zum Teil auch mit einer nach Entzug von Wahlrecht oder Staatsbürgerschaft.
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