Football, Baseball, Basketball Alle gegen Trump

Immer mehr US-Sportler protestieren gegen Donald Trump und knien bei der Hymne - zum ersten Mal auch ein Baseballspieler. Football-Manager zeigen sich entsetzt über den "Hurensohn"-Kommentar des Präsidenten.


Der Streit in den US-Sportligen über den Umgang mit der Nationalhymne droht zu eskalieren. Nun hat auch Catcher Bruce Maxwell vor dem Spiel seiner Oakland Athletics gegen die Texas Rangers während der Nationalhymne gekniet. Damit ist er der erste Spieler aus der Major League Baseball (MLB), der auf diese Weise gegen Rassismus und die Politik Donald Trumps protestiert.

"Ich habe mir diese Entscheidung nicht leicht gemacht und lange darüber nachgedacht", sagte Maxwell. "Mein Knien bedeutet nicht, dass ich unser Militär, unsere Verfassung oder unser Land nicht respektiere. Ich habe die Hand aufs Herz genommen, um zu zeigen, dass ich ein Amerikaner bin und für immer sein werde. Ich knie für die Menschen, die keine Stimme haben."

Maxwell stellte klar, dass sich sein Protest nicht gegen die konkrete Diskriminierung einer bestimmten Gruppe richte, sondern gegen Ungleichbehandlung und Ungerechtigkeit im Allgemeinen, die von der Regierung ausgehe.

NFL-Star Colin Kaepernick hatte das Knien im August 2016 als Zeichen gegen Rassismus in den USA eingeführt und damit eine breite öffentliche Debatte angestoßen, die unter anderem dazu führte, dass Trump sagte, Kaepernick solle sich "ein neues Land suchen". Kaepernick war zu diesem Zeitpunkt Quarterback der San Francisco 49ers, aktuell ist er vereinslos. Viele Spieler folgten seinem Beispiel.

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Colin Kaepernick: Vom Star zum Ausgestoßenen

Der US-Präsident hatte den Boykott der Hymne am Freitag im Rahmen einer politischen Kundgebung als "totale Respektlosigkeit vor unserem Erbe" kritisiert und Klubbesitzer aufgefordert, in Richtung der betreffenden Spieler zu sagen: "Nehmt den Hurensohn vom Feld. Er ist gefeuert!"

NFL-Verantwortliche kritisierten Trump öffentlich für seine Äußerungen. "Kontroverse Kommentare wie diese zeigen mangelnden Respekt gegenüber der NFL, unserem großartigen Sport und all unseren Spielern", schrieb Commissioner Roger Goodell in einem offiziellen Statement. Trump reagierte darauf mit einem Tweet, in dem er Goodell aufforderte: "Sag ihnen, sie sollen stehen!"

Jed York, Vorstandsvorsitzender der 49ers, sprach von "anstößigen Äußerungen des Präsidenten", die "dem widersprechen, wofür dieses großartige Land steht". Auch Vertreter der Green Bay Packers, Miami Dolphins, New York Giants und Buffalo Bills bezeichneten Trumps Aussagen als unangebracht, beleidigend und respektlos.

Neben Footballern und Baseballern hat sich Trump zuletzt auch mit den besten Basketballspielern aus der NBA angelegt. Nachdem Stephen Curry von den Golden State Warriors angekündigt hatte, der traditionellen Einladung für die Meistermannschaft ins Weiße Haus nicht zu folgen, lud Trump ihn via Twitter aus.

Daraufhin stellten sich andere NBA-Profis demonstrativ hinter Curry. LeBron James beleidigte den US-Präsidenten in einem Tweet und schrieb: "Ins Weiße Haus zu kommen, war eine große Ehre, bis du aufgetaucht bist."

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Textes hieß es, Colin Kaepernick habe das Knien als Protest gegen Trump eingeführt. Tatsächlich ging es ihm nicht konkret um Trump, sondern um Rassismus in den USA im Allgemeinen. Die Geste entwickelte sich erst später zum Zeichen des Protests gegen Trump.

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Atheist_Crusader 24.09.2017
1.
Oh, Donald. They're not disrespecting the country - they're disrespecting you.
mazzeltov 24.09.2017
2. Da sind wohl...
.. in der Eile ein paar Dinge durcheinander geraten. Kaepaernich hat letztes Jahr im August nicht aus Protest gegen D. Trump angefangen, während der Nationalhymne zu knien. Sondern um ein Zeichen gegen Rassismus und Polizeigewalt gegen Schwarze in den USA zu setzen. Das stand (zunächst) im Kontext der Black-Lives-Matter-Bewegung - dass Trump sich deutlich später mit seinen Äußerungen zu Charlottesville selbst so unmissverständlich als Rassist outen würde, war zu diesem Zeitpunkt noch nicht in dieser Form abzusehen. Beleidigt hat D. Trump nicht nur einen, sondern gleich mehrere Spieler, und zwar der NFL (Football). Jedenfalls würde ich Hurensohn schon ziemlich eindeutig als Beleidigung gewertet wissen wollen. Schade, dass er diese Bemerkung nicht direkt auf dem Platz geäußert hat, ich hätte die unmittelbare Antwort gerne gesehen... An der Replik des [Basektball[/i]-Profis LeBron auf Trumps beleidigte Ausladung ("fein - wenn du zu meinem Kindergeburtstag nicht kommen willst, brauchst du überhaupt nie wieder zu kommen") von Stephen Curry (vom Konkurrenz-Team Golden State Warriors) hingegen kann ich nichts direkt Beleidigendes erkennen; stellt er doch einfach nur lapidar richtig, dass es den NBA-Profis mitnichten generell an Respekt vor dem amerikanischen Volk oder dem amerikanischen Präsidenten mangelt, sondern lediglich, dass dieser Präsident den Respekt, den sie dem White House gerne entgegenbringen möchten, leider permanent mit allen Füßen (und Twitter-Fingern) tritt. Im Prinzip hätte dieser Tweet von so gut wie jedem anderen, auch ausländischen Politiker oder Staatsmann stammen können, der sich derzeit einer Einladung ins Weiße Haus ausgesetzt fühlt. Man würde ja gerne jeden erdenklich Respekt zeigen - aber das geht mit dieser Person, die das Ansehen dieses Amtes permanent besudelt, leider eben nicht.
miguelito1979 24.09.2017
3. @mazzeltov
Lebron hat halt ein "u bum" vorangestellt. Darauf bezieht sich der Autor. Nicht, dass lebron damit unrecht hätte...
slim_chance 24.09.2017
4.
Dieser Präsident hat deutsche Wurzel! Es ist eine Zumutung.
habssosatt 24.09.2017
5. zu 1. und 2.
Dem gibt es nichts mehr hinzuzufügen, außer: Make America great again and remove Trump.
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