Doping-Affäre in Österreich Skandal-Trainer muss vor Gericht

Dem früheren österreichischen Skitrainer Walter Mayer droht eine Gefängnisstrafe. Ihm wird der Handel mit Dopingmitteln zur Last gelegt und jetzt der Prozess gemacht. Mayer selbst bestreitet die Vorwürfe. Auf die Anklagebank müssen auch frühere Top-Athleten. 

Ehemaliger ÖSV-Coach Mayer: Es kommt zum Prozess wegen des Dopingverdachts
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Ehemaliger ÖSV-Coach Mayer: Es kommt zum Prozess wegen des Dopingverdachts


Hamburg - Der ehemalige Cheftrainer der österreichischen Skilangläufer, Walter Mayer, wird in Wien wegen Straftaten im Zusammenhang mit Doping vor Gericht gestellt. Die Staatsanwaltschaft Wien habe gegen Mayer, von 1999 bis 2006 Trainer im österreichischen Skiverband (ÖSV), und sechs weitere Personen Anklage erhoben, sagte ein Sprecher des Wiener Straflandesgerichts. Wann der Prozess stattfindet, ist noch unklar.

Mayer wird vorgeworfen, mit einem Apotheker und drei weiteren Personen ein regelrechtes Doping-Netzwerk aufgebaut zu haben. Darüber soll er Sportler von 2005 bis 2008 mit verbotenen Anabolika, Hormonen und Stimulanzmitteln versorgt und sich so ein regelmäßiges Einkommen gesichert haben, berichtet die österreichische Nachrichtenagentur APA. Bei einer Verurteilung drohen ihm nach Angaben des Gerichtssprechers bis zu drei Jahre Haft.

Mayer selbst bezeichnete seine Anklage als lachhaft und lästerte über die Staatsanwaltschaft: "Die Hund' sind so deppert, das gibt's nicht." Man wolle ihn als Sündenbock hinstellen, er sehe dem Ganzen gelassen entgegen. Mayer bestreitet die Vorwürfe. Er habe niemals mit Dopingmitteln gehandelt oder diese verabreicht, sagte er.

Auch Radstar Totschnig wird angeklagt

Neben dem früheren Trainer und seinen vier Helfern sind auch noch zwei Sportler wegen möglicher Falschaussage angeklagt: Ex-Radprofi Georg Totschnig und der frühere Langläufer Michail Botwinow. Sie sollen bei einer Vernehmung bestritten haben, etwas mit Blutdoping zu tun gehabt zu haben - was die Staatsanwaltschaft für die Unwahrheit hält. Ihnen drohen bei einer Verurteilung nach Angaben des Sprechers ebenfalls bis zu drei Jahre Haft.

Mayer ist offiziell wegen des Verstoßes gegen das Arzneimittelgesetz und das Anti-Doping-Gesetz angeklagt. Die beiden Punkte beziehen sich aber auf dieselbe Straftat und ergeben sich daraus, dass das österreichische Anti-Doping-Gesetz erst im August 2008 in Kraft trat. Davor war die Weitergabe von verbotenen Substanzen lediglich ein Verstoß gegen das Arzneimittelgesetz.

Das neue Anti-Doping-Gesetz war eine Reaktion auf den österreichischen Dopingskandal bei den Olympischen Winterspielen 2006 in Turin. Damals hatte die Anwesenheit des bereits vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) gesperrten Mayer die Ermittler auf die Spur der dopenden Langläufer und Biathleten geführt. Der Trainer selbst geriet anschließend in eine Verkehrskontrolle, der er sich durch Flucht entziehen wollte und dabei in eine Straßensperre raste.

Drei Jahre später sorgte Mayer erneut für Schlagzeilen, als er bei einer Dopingrazzia festgenommen wurde und einen Monat in Untersuchungshaft verbringen musste.

aha/dpa



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