Doping-Urteil in Italien Haftstrafen fürs Wegsehen

Ein italienisches Gericht hat Freiheitsstrafen gegen zwei Ärzte und eine Funktionärin verhängt. Das Besondere: Das Trio wurde nicht verurteilt, weil es aktiv am Dopingmissbrauch mitwirkte - sondern weil es ihn deckte.

Dopingproben
REUTERS

Dopingproben


Der Italiener Alex Schwazer gewann 2008 in Peking olympisches Gold im Gehen (50 Kilometer). Vier Jahre später wurde er unmittelbar vor den Sommerspielen in London positiv auf Epo getestet. Seither reihte sich Verfahren an Verfahren, zuletzt war Schwazer im Jahr 2016 vom Internationalen Sportgerichtshof (Cas) für acht Jahre gesperrt worden. Bereits zwei Jahre zuvor hatte er mit der italienischen Justiz einen Deal ausgehandelt - und war mit einer achtmonatigen Bewährungsstrafe davongekommen. Seither tritt er als Kronzeuge auf.

Andere Beteiligte an diesem Sportbetrug hat es nun härter getroffen: Wegen Beihilfe zum Doping müssen zwei Ärzte des Gehers ins Gefängnis. Ein Gericht im italienischen Bozen verurteilte die früher für den italienischen Leichtathletikverband (Fidal) arbeitenden Mediziner Pierluigi Fiorella und Giuseppe Fischetto aufgrund ihrer Unterstützung bei Schwazers Manipulationen jeweils zu zwei Jahren Haft. Rita Bottiglieri, eine ehemalige Fidal-Funktionärin, wurde mit einer neunmonatigen Gefängnisstrafe belegt. Bei den Urteilen ging das Gericht über die von der Staatsanwaltschaft beantragten Strafen hinaus.

Im Verfahren hatte Schwazer die Verbandsärzte sowie die Funktionärin beschuldigt, sie seien über seine Dopingpraktiken informiert gewesen. Dafür ließen sich im Prozess auf beschlagnahmten Datenträgern Beweise finden.

Der Verteidigung der Angeklagten, dass es Ärzten und Funktionären überhaupt nicht erlaubt sei, sich bei Dopingkontrollen einzumischen, wollte das Gericht nicht folgen. Das Reglement sehe vielmehr sogar ausdrücklich die Pflicht zur Kooperation im Kampf gegen Doping vor. Auch der Gesundheit der Athleten seien die Ärzte und Funktionäre verpflichtet. Das Signal dieses Urteilsspruch ist klar: Wegsehen ist nicht akzeptabel.

chh/sid



insgesamt 3 Beiträge
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Sibylle1969 26.01.2018
1.
Erwähnenswert im Fall Schwazer ist auch, dass seine damalige Freundin, die erfolgreiche Eiskunstläuferin Carolina Kostner, ebenfalls eine Sperre bekam, weil sie ihrem Freund bei der Manipulation geholfen hatte.
archi47 26.01.2018
2. interessante rechtliche Entwicklung
Es gibt ja alle möglichen Lebensbereiche, wo neben der unmittelbaren Tat auch Dritte ihren Obliegenheiten nicht nachgekommen sind. Unmittelbar im Kontakt oder auch abstrakt durch Organisationsverschulden. Die Justiz begibt sich zunehmend auch mit diesem Urteil auf ein weites Feld, wo die primär Betroffenen nicht vor Anfang an absehen könten, wen es am Ende alles trifft ...
Dr.Fuzzi 26.01.2018
3.
Erstaunlich, was sich hier ein Repräsentant einer absoluten Randgruppensportart versprochen hat. Finanzielles kann es jedenfalls eher nicht gewesen sein, selbst Gold-Medaillen sind hier eher kaum vermarktbar.
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