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Holczer im Schumacher-Prozess: "Nie auch nur einen Cent für Doping ausgegeben"

Ehepaar Holczer: Beide bestreiten Kenntnis von Dopingmaßnahmen im Team Zur Großansicht
DPA

Ehepaar Holczer: Beide bestreiten Kenntnis von Dopingmaßnahmen im Team

Beim Gerolsteiner-Rennstall war Hans-Michael Holczer Teamchef, von den dort stattfindenden Dopingpraktiken will der 59-Jährige aber nichts mitbekommen haben. Das hat Holczer als Zeuge im Betrugsprozess gegen den geständigen Doper Stefan Schumacher bekräftigt.

Hamburg - Am 16. Verhandlungstag hat Hans-Michael Holczer den wegen Betrug angeklagten Radprofi Stefan Schumacher aufgefordert, den Namen des Arztes nicht länger zu verschweigen, der ihn beim Dopen unterstützt haben soll.

"Es wäre mal an der Zeit für ihren Mandanten, den Namen des Teamarztes zu nennen, der ihm dabei geholfen hat. Denn Teamarzt impliziert, dass es was mit dem Team zu tun hatte", sagte Holczer am Mittwoch als Zeuge vor dem Landgericht Stuttgart. Bei Gerolsteiner war er Teamchef von Schumacher.

Zuvor hatte sich der 59 Jahre alte Holczer wie erwartet gegen den Vorwurf gewehrt, er habe von Doping in dem Radteam gewusst. "Wir waren ein anderes Team. Das kommt durch viele Dinge zum Ausdruck. Das kommt zum Ausdruck durch einen ganz anderen Umgang mit dem Thema oder auch dadurch, dass sich ihr Mandant Wege außerhalb des Teams suchen musste", sagte Holczer. "Ich habe niemals in meinem Leben auch nur einen Cent oder einen Pfennig für Dopingmittel ausgegeben oder für Dopingmittel zur Verfügung gestellt."

Auch Holczers Ehefrau wies alle Vorwürfe zurück

Erstmals erschien auch Holczers Ehefrau Renate vor der 16. Großen Strafkammer in Stuttgart. Die frühere Geschäftsführerin des ProTour-Teams wies die Spekulationen um den vermeintlichen "Doping-Beweis", jenen ominösen Medikamentenkoffer, den Schumachers Verteidigung am vergangenen Prozesstag ins Rennen geschickt hatte, entschieden zurück. Verbotene Substanzen seien in der 2007 nachträglich zur Tour de France gebrachten Box sicher nicht gewesen, so Frau Holczer: "Ich hatte keine Angst, dass da was drin ist, was da nicht reingehört."

Am 15. Verhandlungstag hatte Markus R., Sohn des früheren Gerolsteiner Logistik-Leiters Peter R., berichtet, einen versiegelten Medizinerkoffer auf Anweisung von Holczers Ehefrau zur laufenden Rundfahrt nach Frankreich gebracht zu haben. Zudem hätten Vorgänge im Mannschaftshotel das Misstrauen des heute 43-Jährigen geweckt.

Laut Schumacher seien an diesem 16. Verhandlungstag "ein Haufen Lügen erzählt" worden. Der 32-Jährige ist angeklagt, Holczer um Gehalt in Höhe von 151.463,50 Euro betrogen zu haben. Er hatte bei der Tour de France 2008 Doping trotz Nachfrage abgestritten, war später aber positiv getestet und gesperrt worden. Schumacher sagt, Holczer habe von Doping im Team gewusst und könne nicht betrogen worden sein.

luk/dpa/sid

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1. Die Unschuldigen vom deutschen Lande
derandersdenkende 11.09.2013
Zitat von sysopDPABeim Gerolsteiner-Rennstall war Hans-Michael Holczer Teamchef, von den dort stattfindenden Dopingpraktiken will der 59-Jährige aber nichts mitbekommen haben. Das hat Holczer als Zeuge im Betrugsprozess gegen den geständigen Doper Stefan Schumacher bekräftigt. http://www.spiegel.de/sport/sonst/doping-holczer-sagt-als-zeuge-im-schumacher-prozess-aus-a-921599.html
Aber warum sollen gerade sie das Schweigen brechen, daß der neu IOC-Chef in Perfektion vorgibt! Nein die Holczers sind mindestens so unschuldig wie Herr Armstrong, Herr Bach oder Herr Schumacher!
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Ehemaliger Radprofi Schumacher: Zeitfahrspezialist im Dopingsumpf

Kampf gegen Doping
Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada)
Am 10. November 1999 wurde auf Initiative des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) die unabhängige Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) in Lausanne gegründet. Zusammen mit den nationalen NOKs und staatlichen Organisationen will die Wada die internationale Dopingbekämpfung fördern und einheitliche Standards für Kontrollen in allen Ländern schaffen. Das Anti-Doping-Programm der Wada wurde im März 2003 von allen Delegierten der internationalen Sportverbände, der Regierungen und dem IOC auf der Welt-Anti-Doping-Konferenz in Kopenhagen angenommen. Der Welt-Anti-Doping-Codex löste im darauffolgenden Jahr den Anti-Doping-Code der Olympischen Bewegung ab und gilt seit den Spielen in Athen 2004 auch für die Olympischen Spiele.
Welt-Anti-Doping-Programm
Der Welt-Anti-Doping-Codex löste 2004 den Anti-Doping-Code der Olympischen Bewegung ab und gilt seit den Spielen in Athen im selben Jahr auch für die Olympischen Spiele. Das Programm besteht aus drei Ebenen: 1. Welt-Anti-Doping-Code (WADC), 2. Vier Internationale Standards, 3. Erarbeitungen von Empfehlungen für die bestmögliche praktische Umsetzung durch Anti-Doping-Organisationen und Verbände.
Welt-Anti-Doping-Code (WADC)
Der Welt-Anti-Doping-Code wurde erstmalig im Jahre 2003 verabschiedet und ist das Basisdokument des Welt-Anti-Doping-Programms. 2004 traten das Programm und der Codex in Kraft. Der überarbeitete Welt-Anti-Doping-Code ist seit dem 1. Januar 2009 gültig. Er vereinheitlicht Regeln und Verfahren, die bisher von Land zu Land und von Sportart zu Sportart verschieden waren und regelt die Verantwortlichkeiten der einzelnen Interessengruppen. Der Code stellt keine Definition des Dopings mehr auf, sondern bezeichnet Doping als einen Verstoß gegen nachfolgende Bestimmungen: Nachweis oder Gebrauch einer verbotenen Substanz oder Methode, Verweigerung einer Dopingkontrolle und Verletzung der Informationspflicht über den Aufenthaltsort sowie Verfälschung einer Dopingkontrolle und Besitz oder Handel von Substanzen durch einen Athleten oder sein Umfeld.
Internationale Standards
Sie ergänzen die Anforderungen des Codes durch nähere Beschreibungen und sollen dazu beitragen, national übergreifend einheitliche Formen für die Anti-Doping-Arbeit zu schaffen. Dies betrifft insbesondere die Dopingliste, die Dopingkontrolle Dopinglabors und Ausnahmebewilligungen für Medikamente.
Verbotene Substanzen
Die Dopingliste gilt weltweit und wird durch eine spezielle Kommission der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) erstellt. Sie wird jedes Jahr erneuert und tritt jeweils am 1. Januar in Kraft. Auf der Liste werden nur Wirkstoffe und Methoden veröffentlicht, die mindestens zwei von drei Kriterien entsprechen: Gemäß medizinischen oder anderen wissenschaftlichen Erkenntnissen hat der Wirkstoff oder die Methode das Potential zur Leistungssteigerung im Sport. Gemäß medizinischen oder anderen wissenschaftlichen Erkenntnissen besitzt der Wirkstoff oder die Methode ein aktuelles oder potentielles Gesundheitsrisiko. Gemäß Wada verstößt die Anwendung des Wirkstoffs oder der Methode gegen die Ethik im Sport. Zu den verbotenen Substanzklassen, die teilweise ganz oder nur im Wettkampf verboten sind, gehören: 1. Alkohol, 2. Anabolika , 3. Antiöstrogene , 4. Beta-2-Agonisten , 5. Betablocker , 6. Cannabinoide (Cannabis, Haschisch, Marihuana) , 7. Glucocorticoide , 8. Hormone , 9. Maskierende Substanzen und Diuretika , 10. Narkotika , 11. Stimulanzien . Für Alkohol und Betablocker gibt es in einigen Sportarten Ausnahmen, sie werden nicht von allen internationalen Sportverbänden verboten.
Verbotene Methoden
Seit dem 1. Januar 2003 werden die verbotenen Dopingmethoden genauer beschrieben und in drei Kategorien unterteilt: 1. Erhöhung der Transportkapazität für Sauerstoff ( Blutdoping ), 2. chemische und physikalische Manipulation, 3. Gendoping . Die Anwendung verbotener Methoden ist innnerhalb als auch außerhalb des Wettkampfs verboten.
Kontrollregularien

Für Athletinnen und Athleten bestehen je nach Leistungsniveau unterschiedliche Bestimmungen zu der obligatorischen Meldepflicht. Die Ein-Stunden-Regelung verpflichtet bestimmte Athleten für jeden Tag eine Stunde zu benennen, in der sie für eine mögliche Dopingkontrolle zur Verfügung stehen. Die genaue Stunde muss jeweils am Ende eines Quartals für die nächsten drei Monate im Voraus benannt werden, darf aber innerhalb von 24 Stunden verändert und aktualisiert werden. Wird der Athlet in dieser Stunde vom Kontrolleur nicht am benannten Ort angetroffen, wird ein sogenannter Strike für das Kontrollversäumnis ausgesprochen. Wenn ein Sportler innerhalb von 18 Monaten drei Verwarnungen kassiert hat, muss er mit einer Sperre von bis zu zwei Jahren rechnen. Strikes von verschiedenen Organisationen ( Wada , Nada sowie zuständigem internationalem Verband) werden addiert.

Die Ein-Stunden-Regelung wird durch die Angabe von Aufenthaltsdaten zum Ende eines Quartals für jeden Tag der darauffolgenden drei Monate ergänzt. Wird ein Athlet bei einer Stichprobe nicht am angegebenen Ort angetroffen, kann ebenfalls ein Strike erteilt werden. Mannschaftssportler aus gering gefährdeten Sportarten werden in Mannschafts-Whereabouts getestet. Dafür melden die Vereine der Nada die Trainingspläne der Mannschaft.

Aufgrund des seit Beginn 2009 gültigen neuen Nada-Codes werden Athleten je nach Risikobewertung der Agentur für Doping in drei unterschiedliche Testpools eingeordnet und unterliegen verschiedenen Meldepflichten: Im International Registered Testing Pool (RTP) sind rund 1400 Athleten zusammengefasst, zu denen A-Kader und A-Nationalteams der Sportarten der Gefährdungsstufe I gehören. Sie müssen nicht nur bis zum 25. des Vormonats Angaben über Aufenthaltsort und Erreichbarkeit für ein Quartal machen, sondern auch die Ein-Stunden-Regelung beachten. Im Nationalen Testpool (NTP) für Kader-Athleten der Gefährdungsstufe II und III gilt diese Regel nicht. Alle anderen Athleten werden im Allgemeinen Testpool (ATP) zusammengefasst.

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Doping bei der Tour: Die Ära Epo


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