Russen-Doping Leichtathletikverband weist Vorwürfe zurück

Mit der Dokumentation über Doping in Russland hat die ARD für Aufsehen gesorgt. Der Leichtathletik-Weltverband IAAF hat ausweichend auf Vorwürfe aus dem Film reagiert. Das IOC kündigte eine Untersuchung an.

Dopingkontrollen in Russland: ARD deckt eklatante Missstände auf
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Dopingkontrollen in Russland: ARD deckt eklatante Missstände auf


Hamburg - Der internationale Leichtathletik-Verband IAAF hat nach den Enthüllungen über ein Betrugs- und Dopingsystem im russischen Sport auf seine neue unabhängige Ethik-Kommission verwiesen. Sie habe die Vollmacht und die Möglichkeit, Sanktionen auszusprechen, wenn Anschuldigungen relevant sind, hieß es.

Die Dokumentation "Geheimsache Doping" von ARD-Dopingexperte Hajo Seppelt, die am Mittwochabend ausgestrahlt wurde, präsentierte geheime Aufzeichnungen in Bild, Ton und Schrift mit Hinweisen zu einem staatlich unterstützten Doping sowie zu einem offenbar im Hintergrund wirkenden Betrugs- und Vertuschungsapparat.

"Wie das ARD-Fernsehen zeigte, sind bei der Ethik-Kommission der IAAF bereits Untersuchungen zu Problemen des Dopings in der russischen Leichtathletik im Gange", hieß es in dem Statement weiter. "Die IAAF ist fest davon überzeugt, dass die Ethik-Kommission die richtige Plattform für alle Beschwerden gegen Doping ist und fordert alle Mitglieder der Leichtathletik-Familie auf, sich an dieses Gremium zu wenden."

IOC-Sprecher Mark Adams bezeichnete die Vorwürfe als "ernsthafte Anschuldigungen". Auch die Ethik-Kommission des Internationalen Olympischen Komitees untersuche die Angelegenheit, man warte auf die Ergebnisse. "Sollte es etwas geben, was das Olympische Komitee und unseren Ethik-Kodex beeinflusst, werden wir nicht zögern, alle nötigen Maßnahmen durchzuführen", sagte Adams.

Die IAAF verwies indes auf ihr Doping-Kontrollprogramm in Russland. Danach sind 84 Athleten des Landes im IAAF-Testpool, in dem insgesamt 556 Sportler aus der ganzen Welt registriert sind. Im Jahr 2013 entfielen nach Angaben des Weltverbandes 538 Dopingkontrollen auf Russland. Das sind zehn Prozent aller von der IAAF veranlassten Tests. 68 russische Leichtathleten sind derzeit wegen Dopings gesperrt, insgesamt 112 Sportler wurden nach positiven Tests seit 2011 sanktioniert.

aha/dpa

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insgesamt 24 Beiträge
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Seite 1
buktu1975 04.12.2014
1. Doping?
Im Leistungssport? Ach geh, hört doch auf! Demnächst behauptet noch jemand, es gäbe Korruption bei der FIFA...;-)
sunrise560 04.12.2014
2. ..und jetzt kommen sie, wetten?
..diejenigen, die behaupten, das ginge alles nur gegen das ach so arme Russland - weit gefehlt: wie man heute im Morgenmagazin sehen konnte, war der Bericht wohl nur die Spitze des Eisbergs! Putin & Co. wollten bei der Winterolympiade möglichst oft die eigene Hymne hören. Kennt man alles: Systematisches Dopen gabs auch schon in Zeiten des kalten Krieges im sogen. Ostblock. Gepaart mit der zweifelsohne vorhandenen Korruption in RUS kommen eben mafiöse und verlogene Strukturen zustande. Aber ist wohl alles wieder mal nur eine Kampagne des Westens,nicht wahr...
lupenreinerdemokrat 04.12.2014
3. Ohne Doping
... können sich die sensationslüsterne Presse und Zuschauer von internationalen Sportveranstaltungen auf Zeiten einstellen, in denen keine Rekorde mehr gebrochen werden. So viel ist sicher. Hierbei ist natürlich völlig klar, dass das Doping international flächendeckend in gleichem Maße betrieben wird. Dass die ARD sich nun "zufällig" Russland herausgepickt hat, um auf Doping hinzuweisen, ist völlig offensichtlich politisch motiviert und man kennt ja unsere Propagandamedien in Bezug auf Russland-Bashing. Also: will man weiter Rekorde sehen, einhergehend mit hohen Zuschauer/Einschaltquoten und daraus resultierender Werbeeinnahmen? Dann führt kein Weg an Doping vorbei. Geht es nur darum, Russland aus den Titelgewinnern und sportlichen Erfolgen aus politischen Gründen auszuschließen? Dann wird es Zeit, die Zahlung der GEZ-Gebühren einzustellen und gegen die Demokratiefeinde in den Reihen unserer selbsternannten "Eliten" gerichtlich vorzugehen.
hei-nun 04.12.2014
4. Erinnerungen an die DDR
Ich habe den Bericht gesehen und fühle mich stark an die seligen DDR-Zeiten in Sachen "Staats-Doping" erinnert. Es ist schon "interessant", wenn der Schatzmeister (ein Russe !) der Welt-Anti-Doping belegt Schmiergelder von 300.000 € annimmt. Und Sportler mit Erpressung zu hohen Zahlungen aufgefordert werden. Und selbst Putin wurde als involviert genannt (Hallo Freunde !) . Und alles wie damals: "Unser System ist besser - Image-Gewinn durch Sport-Erfolge. Natürlich wird überall in fast allen Sportarten gedopt - auch bei uns. Aber in diesen staatlich unterstützten Mengen !?? Weitere Ausnahmen nach meiner Überzeugung: Weißrussland, China ... So etwas ist nur in Diktaturen möglich ! Und: Natürlich hat dies nichts mit Russland-Bashing zu tun, wie uns das sicher so mancher Russen-Freund erklären möchte - dazu sind die Vorwürfe zu konkret und belegt. Der beliebte Ruf nach "Beweisen" geht hier ins Leere ! Ob sich jetzt allerdings etwas bewegen wird, ist angesichts der Durchsetzung der Sport-Scene mit Russen sehr zweifelhaft.
Mannheimer011 04.12.2014
5. Warum wurden die Fuentes Akten vernichtet?
Wegen ein paar Radfahrern? Sicherlich nicht.
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