Doping-Affäre Weltverband sperrt russische Leichtathleten für Olympische Spiele

Russische Leichtathleten dürfen nicht an den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro teilnehmen. Das bestätigte der Leichtathletik-Weltverband IAAF. Der russische Sportminister reagierte verärgert.

Dopinglabor in Moskau
REUTERS

Dopinglabor in Moskau


Der Leichtathletik-Weltverband IAAF hat die Sperre der russischen Leichtathleten auf unbestimmte Zeit verlängert. Das bestätigte IAAF-Präsident Sebastian Coe. Damit ist eine Teilnahme der Sportler an den Olympischen Sommerspielen in Rio de Janeiro ausgeschlossen.

Russlands Sportminister Witalij Mutko sagte nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters, er hoffe, das Internationale Olympische Komitee (IOC) werde die Sperre aufheben. "Wir sind verärgert. Unschuldige Menschen wurden wegen schuldiger bestraft", sagte er demnach.

Russlands Leichtathleten waren im November des vergangenen Jahres von der IAAF gesperrt worden, nachdem die Welt-Anti-Doping-Agentur Wada in einem 323-seitigen Bericht Beweise für einen flächendeckenden, systematischen Betrug vorgelegt hatte. Demnach waren viele Erfolge russischer Leichtathleten das Ergebnis von Doping, der Vertuschung positiver Kontrollen sowie Korruption.

Die IAAF hatte Russland eine Liste mit Reformen an die Hand gegeben, die Sportminister Mutko versprach umzusetzen. Zuletzt hatte Präsident Coe von "Fortschritten" gesprochen, die Wada kam jedoch in ihrem jüngsten Bericht zu einem anderen Schluss. Demnach seien von Februar bis Mai dieses Jahres insgesamt 736 geplante Dopingproben aus unterschiedlichen Gründen nicht durchgeführt worden. Zudem berichtete die Wada von eklatanten Versäumnissen vieler Athleten bei der Angabe des Aufenthaltsorts.

Putin spricht sich gegen Kollektivstrafe aus

Vor der Entscheidung hatte sich Russlands Staatspräsident Wladimir Putin zu Wort gemeldet. "Es kann keine Kollektivverantwortung aller Athleten geben. Das ganze Team kann nicht verantwortlich gemacht werden für einen Einzelnen, der gegen die Regeln verstoßen hat", sagte der Kreml-Chef in St. Petersburg.

Putin wies außerdem erneut Vorwürfe wegen systematischen und von staatlichen Stellen organisierten Dopings in seinem Land zurück: "Es gibt keine Unterstützung der Regierung für Regelverletzungen im Sport, besonders nicht in der Frage des Dopings."

Vor Putin hatte bereits Russlands Sportminister Wladimir Mutko die IAAF zur Berücksichtigung der Bemühungen seines Landes im Anti-Doping-Kampf aufgefordert. In einem offenen Brief an IAAF-Präsident Coe bat Mutko, die Suspendierung "zu überdenken".

bka/bam/dpa/AP



insgesamt 125 Beiträge
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spon-facebook-1810274577 17.06.2016
1. Richtig so!
Die Russen verstehen offenbar nur eine Sprache: Sanktionen! Vielleicht werden die Sportverbände, aber auch Putin dann endlich einsichtig und hören auf, von "Einzelfällen" zu faseln!
eryx 17.06.2016
2.
Leider muss ich Putin da zustimmen, eine Kollektivstrafe gehört nicht in dieses Jahrhundert. Auch wenn ich ihm seine Aussagen nicht sonderlich glaube. Der Staat wird schon seine schützende Hand über die Doper gehalten haben, wenn nicht sogar ermuntert.
caty24 17.06.2016
3.
Dies ist ein politisches Urteil Nur Sport und Politik sollten getrennt bleiben. Möchte nicht wissen wiviel Amis trixen,nur der Nachweis ist schwieriger,da die amerikanische Pharmaindustie bessere Mittel zur Verfügung hat.
Reiner_Habitus 17.06.2016
4.
Keine Kollektivstrafen. Gut. Bin dabei. Aber erst nachdem Russland wieder glaubhaft machen kann, dass es den Kampf gegen Doping ernst meint...
espet3 17.06.2016
5.
Wer soll denn zukünftig noch an Spielen teilnehmen? Die Prüfer hasten doch nur den neusten Chemieprodukten hinter her, die als Leistungssteigerung zu spät entdeckt werden. Wer glaubt, dass es keine unliebsamen Reaktionen aus Russland hierzu und den gerade erweiterten wirtschaftlichen Sanktionen gibt, der ist ein Träumer.
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