Doping im Golf Das schwarze Loch

Beim Golfturnier British Open werden erstmals Blut-Dopingtests durchgeführt. Jahrelang galt Doping im Golf als Tabuthema, nach heftiger Kritik haben die Organisatoren der Turniere nun eingelenkt.

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Die British Open sind das älteste noch ausgespielte Golfturnier der Welt, doch auch Senioren müssen manchmal mit der Zeit gehen. Deshalb dreht sich in diesem Jahr vieles um neue Tests - und damit sind nicht die zufälligen Kontrollen der Driver gemeint. 30 Profis mussten in diesem Jahr ihre Schläger vorzeigen, sie wurden auf Größe und Gewicht gecheckt, es soll sich niemand einen unerlaubten Vorteil erschleichen.

Die weitaus interessantere Neuerung ist aber eine andere.

Bei der diesjährigen 147. Open gibt es erstmals Blut-Dopingkontrollen. Auf Anfrage des SPIEGEL erklärte R&A, der Veranstalter der Open, dass ein Fünftel aller Starter im Feld getestet werden sollen. Durchgeführt werden die Kontrollen von Dopingtestern, die durch die Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) akkreditiert sind. Analysiert werden die Proben in Labors, die ebenfalls das Gütesiegel der Wada haben. Die Oberaufsicht hat die PGA European Tour.

Doping im Golf war lange ein Thema, mit dem sich niemand auseinandersetzen wollte. Erst vor zehn Jahren begann die PGA, der Betreiber der wichtigsten Golf-Tour der Welt und Mitausrichter der vier Major-Turniere, zu denen auch die Open gehört, mit einem Anti-Doping-Programm. Damals wurden zunächst Urinproben genommen, und dies auch nur spärlich. Der große Wurf war das nicht.

Nur alle Jubeljahre ein positiver Fall

Noch 2016, im Olympiajahr, wurden laut Wada bei den Sommerspielen in Rio de Janeiro 612 Proben im Golf genommen. Hinzu kamen 102 Proben bei anderen Wettkämpfen - mit spärlichem Ergebnis: Es gab lediglich fünf positive Befunde, von denen nur einer als sogenannte Anti-Doping-Rule-Violation gewertet wurde - diese aber nicht bei den Profis, sondern im Universitätssport. Nur etwas mehr als 700 Proben für ein ganzes Jahr. Zum Vergleich: Im Radsport werden pro Jahr mehr als 20.000 Proben genommen. Selbst beim Bodenturnen waren es mehr als 2000.

In zehn Jahren sind nur eine Handvoll Spieler auf Grundlage des Anti-Doping-Programms der PGA gesperrt worden: Doug Barron war der Erste (leistungssteigernde Mittel), Bhavik Patel, Mark Hensby (verpasster Dopingtest), Scott Stallings (hatte sich wegen eines Steroidhormons selbst bei der PGA gemeldet) und Brad Fritsch folgten. Letzterer bekam im Januar dieses Jahres eine Drei-Monats-Sperre auferlegt, weil er ein verbotenes Mittel zur Gewichtsreduzierung genommen hatte.

Dann gab es noch den Fall des ehemaligen Weltranglistenersten Vijay Singh. Dieser galt lange als der prominenteste Dopingsünder im Golf, nachdem er 2013 die Anwendung eines Sprays mit Wachstumshormonen zugegeben hatte. Die PGA hatte vor dem Gebrauch dieses "Hischgeweih-Sprays" gewarnt und Singh deshalb gesperrt. Doch er ging dagegen vor - und setzte seinen Freispruch durch. Geholfen hatte ihm dabei die Wada, die feststellte, dass die Dosis im Spray unendlich klein - und deshalb nicht verboten sei.

Auch die Stars kritisierten das System

Das lasche Dopingprogramm wird auch von den Stars der Branche kritisiert. Der frühere Weltranglistenerste Rory McIlroy hatte 2016 berichtet, dass er lediglich einen Urintest im laufenden Jahr habe machen müssen - da war es bereits Juni. "Ich denke, dass Golf in Sachen Doping-Tests einen großen Rückstand hat."

Dass Doping im Golf nichts bringe, war lange ein Mythos. Doch der ist widerlegt. Eine Beruhigung der Nerven kann beim Putten helfen, Wachstumshormone beim Abschlag. "Es macht dich stärker, du verletzt dich nicht so schnell, du kannst die Bälle härter schlagen und mehr trainieren", beschreibt der mehrfache Majorsieger Gary Player mögliche Vorteile. Player weist schon jahrelang auf die Missbrauchsmöglichkeiten hin.

Mittlerweile hat die PGA ihr Programm etwas angezogen. Im vergangenen Jahr kündigte die PGA Tour an, die Verbotsliste der Wada übernehmen zu wollen. Damals wurden auch die Bluttests eingeführt, die nun bei den Open umgesetzt werden.

"Wir sind der letzte Sport, der das einführt"

McIllroy hatte diese Tests ebenfalls angeregt, da bestimmte Mittel, etwa Wachstumshormone, nicht im Urin aufgespürt werden können. Ein weiterer neuer Punkt des PGA-Programms: Positive Fälle sollen besser kommuniziert werden. Bislang waren Verstöße oft stillschweigend behandelt worden, es gab den Vorwurf der Vertuschung.

Auf Anfrage des SPIEGEL bestätigte die Tour, dass mittlerweile jedes PGA-Tour-Mitglied mehrere Male im Jahr getestet wird. Details über die Kosten wollte die PGA nicht preisgeben. Man halte Doping im Golf nicht für ein großes Problem, teilte ein Sprecher mit. Allerdings: "Wir glauben, dass ein robustes Anti-Doping-Programm unerlässlich ist, um die Integrität des Sports und die Gesundheit der Athleten zu schützen."

Doch warum kommt diese Erkenntnis so spät? Das fragt sich auch Majorsieger Player. "Wir sind der letzte Sport, der das einführt", kritisiert der 82-jährige Südafrikaner. Verhindern könne man den Missbrauch künftig nicht: "Dafür geht es um zu viel."



insgesamt 6 Beiträge
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Seite 1
zeisig 19.07.2018
1. Doping im Golfsport.
Ist denn heute der 1. April ?
uzsjgb 19.07.2018
2.
Ich bin mal gespannt, ob die ganzen Schreihälse aus den Tour de France-Foren auch hier aufschlagen werden und versuchen uns davon zu überzeugen, dass alle Golfer eigentlich gleich gut sind und Leute wie Tiger Woods oder Jordan Spieth nur deswegen so viel gewinnen, weil sie gedopt sind.
extra330sc 19.07.2018
3.
Zitat von zeisigIst denn heute der 1. April ?
Vielleicht nennt man das Einnehmen von Betablockern, Wachstumshormonen und Anabolika im Golfsport nicht Doping, sondern hat einen vornehmeren Ausdruck dafür.
bernd.flamme 19.07.2018
4. klar dopen wir...
Unser Doping heisst Zielwasser und gesteht überwiegende aus Bier vor dem Turnier und wehe, das nimmt man uns...
roenga 19.07.2018
5.
Zitat: "Nur etwas mehr als 700 Proben für ein ganzes Jahr. Zum Vergleich: Im Radsport werden pro Jahr mehr als 20.000 Proben genommen. Selbst beim Bodenturnen waren es mehr als 2000." ja wie jetzt? ist dem Autor denn wirklich nicht klar, dass eine Sportart wie Kunstturnen, in der die Athletik ausschlaggebend ist, wesentlich anfälliger für Doping sein könnte als ein Sport wie Golf, in dem Ü40 Spieler immer noch problemlos mithalten können, auch wenn sie schon ein Bäuchlein vor sich herschieben?
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