Doping im Radsport Hamilton wirft Radverband Vertuschung vor

Nächste Runde im Fall Lance Armstrong: Sein früherer Teamkollege Tyler Hamilton hat den Radweltverband UCI bezichtigt, eine positive Dopingprobe Armstrongs ignoriert zu haben. Der ehemalige Champion weist die Vorwürfe ebenso zurück wie der Verband.

Ex-Profis Armstrong, Hamilton: Früher Weggefährten, heute Widersacher
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Ex-Profis Armstrong, Hamilton: Früher Weggefährten, heute Widersacher


Hamburg - Tyler Hamilton weitet seine Vorwürfe gegen den siebenfachen Tour-de-France-Sieger Lance Armstrong auch auf den Radsport-Weltverband UCI aus: Der Verband soll eine positive Dopingprobe Armstrongs von der Tour de Suisse 2001 verheimlicht haben. Das behauptete Hamilton in der Sendung "60 Minutes" im US-Sender CBS. Ähnliche Vorwürfe hatte vor einem Jahr bereits Floyd Landis erhoben, der wie Hamilton ebenfalls zu Armstrongs Team US Postal zählte.

"Ich weiß, dass er einen positiven Test hatte. Er hat es mir mal ganz nebenbei erzählt und wirkte dabei total entspannt. Er hat sogar darüber gelacht", sagte Hamilton, der selbst zweimal des Dopings überführt wurde. Der Verband soll das Testergebnis seinerzeit bewusst nicht öffentlich gemacht haben. "Ich kenne nicht alle Details, aber Leute aus Lances Team und Leute von der anderen Seite, ich glaube Leute aus dem Verband, haben einen Weg gefunden, darüber hinwegzusehen. Das hat Lance mir erzählt", sagte Hamilton weiter.

CBS führte als Beleg die Aussage eines Schweizer Laborleiters an die amerikanische Bundespolizei FBI an, wonach ein UCI-Mitglied dem fraglichen Test keine Konsequenzen folgen lassen wollte und stattdessen nur ein Treffen mit Armstrong anberaumte. Die UCI selbst betonte in einem Brief, dass es 2001 kein positives Testergebnis bei Armstrong gegeben habe.

Armstrongs Anwalt spricht von "Sensationsberichterstattung"

Armstrongs Anwalt Mark Fabiani warf CBS einen "Mangel an journalistischer Fairness" und "Sensationsberichterstattung" vor. Der Fernsehsender habe sich "zweifelhafter Quellen" bedient und dabei "beinahe 500 unauffällige Dopingtests" bei Armstrong komplett ignoriert". Fabiani wies zum wiederholten Male darauf hin, das Armstrong zu den "meistgetesten Athleten der Geschichte" zähle.

Am Samstag war neben Hamilton auch Armstrongs langjähriger Teamkollege George Hincapie mit neuen Dopingvorwürfen gegen den siebenfachen Toursieger zitiert worden. Hincapie soll laut CBS bei den Ermittlungsbehörden ausgesagt haben, Augenzeuge der Dopingpraktiken Armstrongs gewesen zu sein.

Hincapie selbst meldete sich über Twitter: "Ich kann nichts kommentieren, was mit den laufenden Ermittlungen zu tun hat. Ich kann nur sagen, dass ich nicht mit CBS gesprochen habe. Ich habe keine Ahnung, woher die ihre Informationen haben." Die Vorwürfe selbst dementierte er allerdings nicht.

Armstrong stritt sämtliche Anschuldigungen auf seiner Internetseite www.facts4lance.com energisch ab: "Wir sind überzeugt, dass die Aussagen, die Hincapie gemacht haben soll, falsch und die Berichte unwahr sind."

aha/sid/reuters

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Seite 1
Passivist 23.05.2011
1. Vertuschung und Doping im Sport?!
...lesen Sie demnächst auch "Schrecklicher Verdacht: War Hitler Antisemit?"
spawn478 23.05.2011
2. Hehe
Mich wundert sehr, dass gerade Armstrongs ehemalige US-Edelhelfer nun haufenweise die Omerta brechen und gegen den Vorzeigeathleten aussagen. Und sich dabei sogar selber belasten. Das kann eigentlich nur bedeuten, dass die US-Staatsanwaltschaft echte Beweise gegen Armstrong und seine Kollegen hat, und diese keine andere Wahl haben als auszusagen (gegen Immunität). Ich hab das Gefühl, als könne Armstrong da nicht mehr rauskommen. Ändern wird es wahrscheinlich eh nichts. Der bleibt mit seinen sieben Seriensiegen in allen Rekordlisten drin. Ist ja auch richtig so, schließlich haben die anderen Fahrer auch alle gedopt. Schon Ullrich meinte ja, er habe niemanden im Feld betrogen. Und mal ganz ehrlich: Eigentlich haben wir doch damals schon geahnt, dass man diese übermenschlichen Leistungen nicht ohne Mittelchen schaffen kann. Aber solange ein Deutscher siegt oder siegfähig ist verdrängt man die unangenehme Wahrheit des Sports eben gern.
fritz_64 23.05.2011
3. Landis & Hamilton
haben wohl ihre Biografien am Strat und wollen so die Auflage ein wenig steigern.. Losgelöst von der ganzen Disskusion..wenn man sich anschaut in welchem Mass leistungsteigernde Mittel angewendet wurden/werden, über alle Teams hinweg, scheint es doch absolut unwahrscheinlich, dass ein nichtgedopter Amstrong, all den sicher nicht schlechten Fahrern, die Stirn bieten konnte. Aber die Gerichte werden die Wahrheit schon herausfinden...
n.holgerson 23.05.2011
4.
Zitat von fritz_64haben wohl ihre Biografien am Strat und wollen so die Auflage ein wenig steigern.. Losgelöst von der ganzen Disskusion..wenn man sich anschaut in welchem Mass leistungsteigernde Mittel angewendet wurden/werden, über alle Teams hinweg, scheint es doch absolut unwahrscheinlich, dass ein nichtgedopter Amstrong, all den sicher nicht schlechten Fahrern, die Stirn bieten konnte. Aber die Gerichte werden die Wahrheit schon herausfinden...
Ist der Hintergrund nicht ein ganz anderer? Gibt es da nicht ein Verfahren in den USA bzw. steht bevor? Und mussten da nicht gewisse Leute aussagen? Und droht ihnen da nicht eine Gefängnisstrafe wenn sie eine Falschaussage machen?
gehlhajo, 23.05.2011
5.
Zitat von spawn478Mich wundert sehr, dass gerade Armstrongs ehemalige US-Edelhelfer nun haufenweise die Omerta brechen und gegen den Vorzeigeathleten aussagen. Und sich dabei sogar selber belasten. Das kann eigentlich nur bedeuten, dass die US-Staatsanwaltschaft echte Beweise gegen Armstrong und seine Kollegen hat, und diese keine andere Wahl haben als auszusagen (gegen Immunität). Ich hab das Gefühl, als könne Armstrong da nicht mehr rauskommen. Ändern wird es wahrscheinlich eh nichts. Der bleibt mit seinen sieben Seriensiegen in allen Rekordlisten drin. Ist ja auch richtig so, schließlich haben die anderen Fahrer auch alle gedopt. Schon Ullrich meinte ja, er habe niemanden im Feld betrogen. Und mal ganz ehrlich: Eigentlich haben wir doch damals schon geahnt, dass man diese übermenschlichen Leistungen nicht ohne Mittelchen schaffen kann. Aber solange ein Deutscher siegt oder siegfähig ist verdrängt man die unangenehme Wahrheit des Sports eben gern.
[QUOTE=spawn478;7900214] dass man diese übermenschlichen Leistungen nicht ohne Mittelchen schaffen kann.[QUOTE] Doch. Nur halt nicht so schnell.
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