Doping im Radsport: IOC will Ullrichs Olympia-Medaillen prüfen

Ex-Radprofi Ullrich: Droht die Aberkennung seiner Olympiamedaillen? Zur Großansicht
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Ex-Radprofi Ullrich: Droht die Aberkennung seiner Olympiamedaillen?

Jan Ullrich könnte doch noch seine Olympiamedaillen von Sydney 2000 verlieren. Das Internationale Olympische Komitee will den Fall offenbar erneut untersuchen, nachdem Ullrich erstmals Doping gestanden hatte.

Hamburg - Das Internationale Olympische Komitee (IOC) wird den Fall Jan Ullrich nach dessen Doping-Geständnis möglicherweise neu aufrollen. "Wir werden alles noch einmal sorgfältig und akribisch prüfen", sagte DOSB-Präsident Thomas Bach in seiner Funktion als IOC-Vizepräsident der "Welt" mit Blick auf Ullrichs Gold- und Silbermedaille bei den Olympischen Sommerspielen 2000 in Sydney.

Dem ersten Anschein nach sei Ullrichs "sogenanntes Geständnis zwar nichts anderes als die Bestätigung von Fakten, die bereits in Sportgerichtsurteilen und im staatsanwaltlichen Verfahren festgehalten wurden", sagte Bach. Der einzige deutsche Gewinner der Tour den France wurde nach jahrelangen Verfahren im Februar 2012 vom Internationalen Sportgerichtshof (Cas) des Dopings schuldig gesprochen, Ullrichs Erfolge seit 1. Mai 2005 annulliert. "Dennoch gucken wir noch mal ganz genau rein, ob sich Ansatzpunkte ergeben", so Bach, der keine Angaben zum möglichen Ende der Untersuchungen machte.

Bei der Aberkennung von Medaillen gilt laut IOC-Statuten eine Verjährungsfrist von acht Jahren. Dass diese Vorschrift für das IOC kein Hinderungsgrund ist, Medaillen trotzdem abzuerkennen, bewies der Fall Lance Armstrong. Der Amerikaner hatte zu Jahresbeginn gestanden, seit 1998 mit Dopingmitteln betrogen zu haben. Das IOC strich den Namen des Olympiadritten im Zeitfahren daraufhin aus der Ergebnisliste von Olympia 2000 in Sydney.

mib/sid/dpa

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1.
awun 25.06.2013
Solch ein Unsinn. Ich hoffe Ulle geht wenn sie es wirklich vorhaben dagegen Gerichtlich vor. Scheint ja in Mode zu sein Radsportler Jahre danach und nach Ablauf der Verjährungsfristen noch Medaillen abzunehmen. Wenn man immer so vorgehen würde, könnte man ja drüber reden, aber warum hat man denn Carl Lewis seine Titel aus Seoul nicht aberkannt. Er war nachweislich Positiv zu der Zeit. Bei Ulle ist überhaupt nichts bewiesen. Zeitlich bestand auch kein großer Unterschied. Sydney ist nur 13 Jahre her, Seoul nach bekannt werden der positiven Probe von Carl Lewis 15 Jahre. Carl Lewis steht hier nur für das Prominenteste Beispiel wo sie so nicht gehandelt haben. Man würde nach massig mehr finden wo das IOC keine Skrupel hat sie in der Siegerliste zu lassen wegen der Verjährungsfrist, aber beim Radsport ...
2. verteidigung
Realist1960 25.06.2013
jaja, der andere hat es doch auch getan. mann, was fuer ein infantiles argument. und deutsch auch schwere sprache gell.
3.
awun 25.06.2013
Zitat von Realist1960jaja, der andere hat es doch auch getan. mann, was fuer ein infantiles argument. und deutsch auch schwere sprache gell.
Jaja, wenn man keine Argumente wird die Sprache der anderen kritisiert. Kommt lasst euch mal was anderes einfallen. Übrigens nein, dass ist nicht die Verteidigung, dass es andere auch getan haben, sondern dass es klare Regeln für die Aberkennung gibt und diese will das IOC wiedereinmal beugen. Das IOC hat kein Recht ihm die Medaillen abzunehmen da die Verjährungsfristen abgelaufen sind! Wenn, dann sollen sie ihre Regeln überarbeiten damit es möglich ist und dann gefälligst auch allen anderen aus den Prominenten Sportarten die Medaillen aberkennen. Seine eigenen Regeln zu brechen und dann auch nur mehrfach bei einer Sportart geht aber doppelt nicht.
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Dopingsubstanzen und ihre Wirkung
Epo/HGH
Die Ausdauerleistung ist wesentlich davon abhängig, wie gut der Körper Sauerstoff aufnehmen kann. Das Hormon Erythropoetin (Epo) stimuliert die Produktion roter Blutkörperchen. Die erhöhte Anzahl der im Organismus zirkulierenden Erythrozyten verbessert die Kapazität des Blutes, Sauerstoff aufzunehmen und steigert damit Ausdauerleistungsfähigkeit.

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) verbietet den Gebrauch von Epo seit langem. Seit 1983 ist es möglich, Epo synthetisch herzustellen. Entwickelt wurde es für Patienten mit schweren Nierenleiden, die an Blutarmut leiden.

Das Wachstumshormon HGH wird bei Kleinwüchsigkeit eingesetzt. HGH lässt nicht nur die Muskeln, sondern auch die Knochen wachsen, das führt zu langen Gliedmaßen, einem verformten Kopf und Riesenhänden. Zudem verändert sich die Struktur der Organe. (mit dpa)
Anabolika
Anabolika sind künstlich hergestellte Verwandte des männlichen Sexualhormons Testosteron. Diese Steroid- oder Wachstumshormone haben sowohl eine den Muskelaufbau fördernde (anabole) als auch eine vermännlichende (androgene) Wirkung. Anabolika können als Tabletten als auch injiziert werden. In Deutschland sind sie rezeptflichtig, werden aber nur selten zur Therapie beispielsweise von Schwächezuständen eingesetzt.

Illegal werden Anabolika parallel zu entsprechendem Training eingenommen, um den Aufbau von Muskelmasse zu fördern – also als Dopingmittel missbraucht. Bekannte Anabolika-Präparate sind unter anderen Nandrolon, Metandienon und Stanozolol.
Stimulanzien
Als Stimulanzien (lat. stimulare = "anregen") werden Substanzen bezeichnet, die anregend auf den Organismus wirken. Sie stimulieren die Aktivität des Zentralnervensystems. Als Aufputschmittel werden sie kurz vor oder während des Wettkampfs eingenommen. Sie steigern die motorische Aktivität, erhöhen die Risikobereitschaft und vertreiben die Müdigkeit, aber auch das Gespür für die natürliche Leistungsgrenze. Bekannteste Stimulanzien sind Amphetamine, Kokain, Ephedrin und Koffein (nur in hohen Mengen verboten).

Viele Stimulanzien können bei regelmäßigem Konsum abhängig machen. Bei Überdosierung drohen je nach Substanz Bluthochdruck, Herzrasen, Schweißausbrüche und Übelkeit. Nach mehreren Todesfällen im Sport, die auf die Einnahme von Stimulanzien zurückzuführen waren, wurden sie 1967 auf die Dopingliste gesetzt.
Narkotika
Betäubungs- und Schmerzmittel wie Morphine werden eingesetzt, um bei Höchstleistungen auftretende Schmerzen zu unterdrücken - beispielsweise bei einem Marathon. Die Medikamente machen abhängig, weitere Nebenwirkungen sind Kopfschmerzen und Kreislauflähmungen. Von Radsportlern werde berichtet, dass diese auf den letzten Kilometern gerne Alkohol trinken, sagt Patrick Diel vom Institut für Kreislaufforschung und Sportmedizin der Deutschen Sporthochschule Köln. "Das dämpft den Schmerz, liefert Energie und hebt die Stimmung."

Ebenso wie Amphetamine seien auch die meisten Narkotika leicht nachweisbar und würden deshalb eher selten im Spitzensport verwendet. Zudem handle es sich auch hierbei um eine "Wettkampf-Droge", die direkt beim jeweiligen Sportereignis eingenommen werden müsse. Entsprechend hoch sei die Gefahr der Entdeckung. (mit dpa)