AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 34/2012

Doping im Radsport Staatsanwaltschaft stellt Ermittlungen gegen Freiburger Doping-Ärzte ein

Jan Ullrich, Erik Zabel, Rolf Aldag: Sie alle fuhren für den Telekom-Radrennstall, haben Doping gestanden oder wurden überführt. Nun sind nach SPIEGEL-Informationen die Ermittlungen gegen die damaligen Team-Ärzte eingestellt worden.

Von Udo Ludwig und

Mediziner Schmid (l.), Heinrich (Archiv): "Fortbestehender allgemeiner Verdacht"
dapd

Mediziner Schmid (l.), Heinrich (Archiv): "Fortbestehender allgemeiner Verdacht"


Hamburg - Die Freiburger Staatsanwaltschaft hat das Ermittlungsverfahren gegen die Sportmediziner Lothar Heinrich, 46, und Andreas Schmid, 50, eingestellt. Gegen die beiden früheren Mannschaftsärzte des Redrennstalls Team Telekom und des späteren Team T-Mobile war mehr als fünf Jahre ermittelt worden. Beide Doktoren waren beschuldigt worden, Telekom-Radprofis unter anderem mit Epo und Wachstumshormon versorgt und illegale Manipulationen der Sportler mit Eigenblut vorgenommen zu haben.

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In einer 21 Seiten umfassenden Verfügung vom 17. Juli begründet Oberstaatsanwalt Christoph Frank die Einstellung des Verfahrens damit, dass sich kein "hinreichender Verdacht konkreter Verstöße gegen Strafbestimmungen" ergeben habe. Teilweise seien die Vorwürfe verjährt. Auch hätten die Radprofis ihre Zustimmung zum Doping gegeben und seien nicht geschädigt worden. Teilweise hätten genaue Tatzeiten und Tatorte nicht ermittelt werden können.

Frank sieht einen "fortbestehenden allgemeinen Verdacht", dass die Mediziner gedopt hätten und die Sportler Jan Ullrich, Steffen Wesemann, Rolf Aldag, Erik Zabel, Udo Bölts und Jens Heppner mit Epo-Kuren versorgt worden seien. "Nachweisbar" seien zudem die Fahrer Andreas Klöden, Matthias Kessler und Patrik Sinkewitz im Juli 2006 mit Eigenblut gedopt worden.

Transfusionsmediziner kritisiert Eigenblutbehandlung bei Sinkewitz

Auch Gutachter bestätigten den Dopingverdacht. So untersuchte der Hamburger Sportmediziner Klaus-Michael Braumann die beschlagnahmten Laborwerte der Uni-Klinik Freiburg, wo Schmid und Heinrich bis zu ihrer Kündigung im Mai 2007 gearbeitet hatten. Das Ergebnis: "Aus den Daten geht ziemlich eindeutig hervor, dass bei vielen untersuchten Personen zumindest zeitweilig Manipulationen des Blutes durchgeführt worden sein dürften."

Der Erlangener Transfusionsmediziner Reinhold Eckstein kritisierte vor allem eine Eigenblutbehandlung bei Sinkewitz, bei der es zu Blutverklumpungen gekommen war. Oberstaatsanwalt Frank schreibt dazu: "Lediglich glücklichen Umständen sei es zu verdanken gewesen, dass Sinkewitz keine gesundheitliche Schädigung erlitten habe."

In einem gesonderten Verfahren wegen der Versorgung des Radprofis Christian Werner mit Dopingsubstanzen erhielt Schmid einen Strafbefehl über 90 Tagessätze.

Ausgelöst worden waren die Ermittlungen durch eine Strafanzeige nach Veröffentlichung der Titelgeschichte "Dickes Blut" (SPIEGEL 18/2007), die systematisches Doping beim Team Telekom beschrieben hatte.

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insgesamt 15 Beiträge
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Seite 1
r. schmidt 19.08.2012
1.
Wie sinnig, da wird Doping verboten zum Vorteil einer Dopingtest Industrie, die man zur Kontrolle dieser künstlichen Regeln einsetzt. Das bietet dann auch noch Einkommenschancen für Anwälte, Staatsanwälte, Richter, Schwarzmarkt für die Mafia, testsichere Dopingmittel für einen freigekauften Zeitraum und Medien für tränenreiche Beichtgeschichten. Was für eine tolle Parasitenwirtschaft, zu 50% am Finanzamt vorbei und natürlich komplett sinn frei. Dummerweise spielen die meisten anderen Nationen bei diesem innovativen Unsinn nicht mit und erreichen bessere Platzierungen Einkommen. Gleichzeitig schaden die fehlenden Erfolge auch noch der staatlichen Sportfinanzierung und eine deflationäre Spirale setzt ein.
ein-berliner 19.08.2012
2. Verschleppung der Ermittlungen
Erstaunlich lahm und ohne Nachdruck wurde die Sache behandelt. Welche Prüfungen benötigen über fünf Jahre? Da ist es doch schön die Zeit auszusitzen bis zur Verjährung. Diese Staatsanwaltschaft hat sich nicht mit Ruhm bekleckert.
wwwwalter 19.08.2012
3. Eine Schande...
dass diesen Ärzten noch nicht einmal die Approbation entzogen worden ist. Sie können jetzt einfach weiter praktizieren. Auch die Verjährungsfristen sind ein Skandal. Der Beruf des Arztes gerät sowieso immer mehr in Verruf. Geldgeil und skrupellos, und dabei unangreifbar... immer schön die Notlage der Patienten ausnutzend. So kommen die Mediziner immer mehr rüber bei uns. Da hilft meiner Meinung nach nur das Schließen der Abzockerpraxen. Lieber gut bezahlte Beamtenärzte, besoldet wie Richter oder Bürgermeister. Und natürlich die Abschaffung der privaten Krankenversicherungen. Nur so könnten wir diese Hydra bekämpfen.
ajf00 19.08.2012
4. Vorteil Deutschland
Zitat von r. schmidtWie sinnig, da wird Doping verboten zum Vorteil einer Dopingtest Industrie, die man zur Kontrolle dieser künstlichen Regeln einsetzt. Das bietet dann auch noch Einkommenschancen für Anwälte, Staatsanwälte, Richter, Schwarzmarkt für die Mafia, testsichere Dopingmittel für einen freigekauften Zeitraum und Medien für tränenreiche Beichtgeschichten. Was für eine tolle Parasitenwirtschaft, zu 50% am Finanzamt vorbei und natürlich komplett sinn frei. Dummerweise spielen die meisten anderen Nationen bei diesem innovativen Unsinn nicht mit und erreichen bessere Platzierungen Einkommen. Gleichzeitig schaden die fehlenden Erfolge auch noch der staatlichen Sportfinanzierung und eine deflationäre Spirale setzt ein.
Falls es wirklich so waer und in Deutschland mehr gegen Doping unternommen wuerde, dann waere das doch nur zu unserem Vorteil. Wir bekommen die "tränenreiche[n] Beichtgeschichten" und sonstige Skandalgeschichten, welche viel interessanter sind als dopingfreie Sportberichterstattung, plus wenn das auch noch zu einer Absenkung der staatlichen Spitzensportfoerderung fuehrt, sparen wir als Steuerzahler auch noch Geld. Was will man mehr, Sieg auf ganzer Linie :)
guteronkel 19.08.2012
5. Doping im Radsport
Nee, war doch von Anfang an klar, dass sich die Sportler die Doping-Mittel bei Schlecker gekauft haben. Hallo, für wie blöd hält uns die Staatsanwaltschaft in Freiburg? Da ermitteln die 5 Jahre um dann festzustellen, dass verschiedene Dinge verjährt sind? Die gehören wegen Schädigung der Staatskasse alle angeklagt und rausgeworfen. Diese Nestbeschmutzer.
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