Doping im Radsport: Staatsanwaltschaft stellt Ermittlungen gegen Freiburger Doping-Ärzte ein
Jan Ullrich, Erik Zabel, Rolf Aldag: Sie alle fuhren für den Telekom-Radrennstall, haben Doping gestanden oder wurden überführt. Nun sind nach SPIEGEL-Informationen die Ermittlungen gegen die damaligen Team-Ärzte eingestellt worden.
Hamburg - Die Freiburger Staatsanwaltschaft hat das Ermittlungsverfahren gegen die Sportmediziner Lothar Heinrich, 46, und Andreas Schmid, 50, eingestellt. Gegen die beiden früheren Mannschaftsärzte des Redrennstalls Team Telekom und des späteren Team T-Mobile war mehr als fünf Jahre ermittelt worden. Beide Doktoren waren beschuldigt worden, Telekom-Radprofis unter anderem mit Epo und Wachstumshormon versorgt und illegale Manipulationen der Sportler mit Eigenblut vorgenommen zu haben.
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Frank sieht einen "fortbestehenden allgemeinen Verdacht", dass die Mediziner gedopt hätten und die Sportler Jan Ullrich, Steffen Wesemann, Rolf Aldag, Erik Zabel, Udo Bölts und Jens Heppner mit Epo-Kuren versorgt worden seien. "Nachweisbar" seien zudem die Fahrer Andreas Klöden, Matthias Kessler und Patrik Sinkewitz im Juli 2006 mit Eigenblut gedopt worden.
Transfusionsmediziner kritisiert Eigenblutbehandlung bei Sinkewitz
Auch Gutachter bestätigten den Dopingverdacht. So untersuchte der Hamburger Sportmediziner Klaus-Michael Braumann die beschlagnahmten Laborwerte der Uni-Klinik Freiburg, wo Schmid und Heinrich bis zu ihrer Kündigung im Mai 2007 gearbeitet hatten. Das Ergebnis: "Aus den Daten geht ziemlich eindeutig hervor, dass bei vielen untersuchten Personen zumindest zeitweilig Manipulationen des Blutes durchgeführt worden sein dürften."
Der Erlangener Transfusionsmediziner Reinhold Eckstein kritisierte vor allem eine Eigenblutbehandlung bei Sinkewitz, bei der es zu Blutverklumpungen gekommen war. Oberstaatsanwalt Frank schreibt dazu: "Lediglich glücklichen Umständen sei es zu verdanken gewesen, dass Sinkewitz keine gesundheitliche Schädigung erlitten habe."
In einem gesonderten Verfahren wegen der Versorgung des Radprofis Christian Werner mit Dopingsubstanzen erhielt Schmid einen Strafbefehl über 90 Tagessätze.
Ausgelöst worden waren die Ermittlungen durch eine Strafanzeige nach Veröffentlichung der Titelgeschichte "Dickes Blut" (SPIEGEL 18/2007), die systematisches Doping beim Team Telekom beschrieben hatte.
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- Sonntag, 19.08.2012 – 07:59 Uhr
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Das Internationale Olympische Komitee (IOC) verbietet den Gebrauch von Epo seit langem. Seit 1983 ist es möglich, Epo synthetisch herzustellen. Entwickelt wurde es für Patienten mit schweren Nierenleiden, die an Blutarmut leiden.
Das Wachstumshormon HGH wird bei Kleinwüchsigkeit eingesetzt. HGH lässt nicht nur die Muskeln, sondern auch die Knochen wachsen, das führt zu langen Gliedmaßen, einem verformten Kopf und Riesenhänden. Zudem verändert sich die Struktur der Organe. (mit dpa)
Illegal werden Anabolika parallel zu entsprechendem Training eingenommen, um den Aufbau von Muskelmasse zu fördern – also als Dopingmittel missbraucht. Bekannte Anabolika-Präparate sind unter anderen Nandrolon, Metandienon und Stanozolol.
Viele Stimulanzien können bei regelmäßigem Konsum abhängig machen. Bei Überdosierung drohen je nach Substanz Bluthochdruck, Herzrasen, Schweißausbrüche und Übelkeit. Nach mehreren Todesfällen im Sport, die auf die Einnahme von Stimulanzien zurückzuführen waren, wurden sie 1967 auf die Dopingliste gesetzt.
Ebenso wie Amphetamine seien auch die meisten Narkotika leicht nachweisbar und würden deshalb eher selten im Spitzensport verwendet. Zudem handle es sich auch hierbei um eine "Wettkampf-Droge", die direkt beim jeweiligen Sportereignis eingenommen werden müsse. Entsprechend hoch sei die Gefahr der Entdeckung. (mit dpa)
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