Doping im Radsport Ullrich will Armstrongs Tour-Siege nicht

Lance Armstrong droht nach seiner lebenslangen Sperre durch die Usada auch die Aberkennung seiner Erfolge bei der Tour de France. Davon profitieren könnte Jan Ullrich. Dem ehemaligen Radprofi könnten nachträglich drei Tour-Siege zugesprochen werden - allein haben will er sie nicht.

Ehemaliger Radprofi Ullrich (r.): "Lance war einfach besser als ich"
REUTERS

Ehemaliger Radprofi Ullrich (r.): "Lance war einfach besser als ich"


Hamburg - Jan Ullrich erhebt keine Ansprüche auf drei Tour-de-France-Titel seines seit Freitag lebenslang gesperrten ehemaligen Rivalen Lance Armstrong. "Ich werde mich sicherlich nicht mit fremden Federn schmücken", sagte der ehemalige Radprofi dem "Focus". "In den Jahren war Lance einfach besser als ich. Das akzeptiere ich - damals wie heute", so Ullrich weiter.

Der selbst als Dopingsünder verurteilte Tour-Sieger von 1997 hatte bei Armstrongs Erfolgen 2000, 2001 und 2003 jeweils den zweiten Platz belegt. Ullrich gilt dadurch formal für den Fall der Aberkennung von Armstrongs Siegen als ein Anwärter auf die jeweiligen Titel, da sein Dopingvergehen erst seit 2005 nachgewiesen ist.

Die Sportrechtsexperten sind sich aber nicht einig, ob eine Weitergabe der Tour-Siege überhaupt möglich ist. Der Anwalt Michael Lehner verweist auf die achtjährige Verjährungsfrist von Dopingvergehen und betont mit Blick auf mögliche Ergebnisstreichungen: "Das ist rechtlich sehr kompliziert, weil es kein einheitliches Prozedere dafür gibt." Sportrechtsexperte Roland Krause sieht hingegen die Weitergabe der Titel als "die logische Folge".

Scharping ist gegen Nachrücker

Rudolf Scharping, Präsident des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR) und ehemaliger SPD-Chef, sagte der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung": "Ich würde ihn (Armstrong, Anm. d. Redaktion) disqualifizieren, wäre aber dafür, dass als Symbol für die dopingverseuchte Zeit auch niemand als Sieger nachrückt. Es geht da ja auch um Fahrer, die selbst ins Zwielicht geraten sind."

Als einzige Instanz könnte der Weltverband UCI Armstrong die Erfolge bei der Tour de France aberkennen, allerdings hat die UCI noch keine konkrete Stellung zur Entwicklung im Fall Armstrong genommen. Fraglich ist außerdem, ob angesichts der Dopingproblematik auch andere Tour-Zweite in den Jahren von Armstrongs Siegen überhaupt zu den neuen Gewinnern ernannt werden. Nach dem Dopinggeständnis des Siegers von 1996, Bjarne Riis (Dänemark), kürte der Tour-Veranstalter ASO vor fünf Jahren keinen neuen Titelträger.

Der Weltverband UCI lehnte eine Annullierung von Riis' Titel ab, da das betreffende Dopingvergehen zum Zeitpunkt des Geständnisses im Jahr 2007 bereits verjährt war. Sollte dieses Kriterium auch bei Armstrong greifen, könnte ihm nur noch sein letzter Tour-Titel von 2005 aberkannt werden.

Sponsoren bleiben Armstrong treu

Derweil sind die Spenden für die Krebs-Stiftung von Armstrong nach deren Angaben sprunghaft angestiegen, nachdem der US-Amerikaner angekündigt hatte, sich nicht mehr gegen Dopingvorwürfe zu wehren. Geschäftsführer Doug Ulman sagte dem US-Sportsender ESPN, am Freitag seien 78.000 Dollar an Spenden eingegangen. Am Donnerstag seien es nur 3200 Dollar gewesen. Im vergangenen Jahr hatte die Stiftung mit dem Namen Livestrong 51 Millionen Dollar gesammelt. Ihr Ziel ist die Unterstützung von an Krebs erkrankten Menschen.

Die Unterstützer der Stiftung, die für ihre gelben Armreifen bekannt ist, würden die Entscheidung von Armstrong akzeptieren und nun auf ihrem Weg weitergehen wollen. Zudem kündigten gleich mehrere Sponsoren an, die Zusammenarbeit mit Armstrong fortzusetzen, darunter ein bekannter Sportartikelhersteller und ein Bierkonzern. Andere wollen die weitere Entwicklung zunächst abwarten oder äußerten sich noch nicht.

mib/dpa/sid

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insgesamt 13 Beiträge
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Seite 1
tijeras 25.08.2012
1. allein haben will er sie nicht
Mit wem möchte er denn die Siege teilen? Dass ist wie "Bayern gewinnt ohne Mühe". Wer war nochmal Mühe?
Feindbild_Mensch 25.08.2012
2. Wie jetzt?
Dopingsünder an Dopingsünder ... wenn man so weiter macht, wäre es wohl eher richtig dem Letztplatzierten den Sieg nachträglich zu schenken.
holomorph 25.08.2012
3. optional
...falls sich kein Teilnehmer finden lässt der bei diesen Rennen ungedopt war, so stell ich mich als Gewinner dieser Veranstaltungen freiwillig zur Verfügung. Ich hab auch noch nie gedopt und geb dafür auch ein Haar und mein Urin her ;)
Capitan 25.08.2012
4. optional
Was soll die Sperre? Er fährt doch eh nicht mehr. Was soll die eventuelle Aberkennung der Tour Titel? Jeder, der sich halbwegs gut auskennt, weiß, dass er der stärkste Radrennfahrer seiner Zeit war. Auch wenn gedoped, die anderen waren es doch auch alle. Trotz all der berechtigten Kritik am Doping, die Radsportverbände tun sich keinen Gefallen, wenn sie dieses Denkmal einreissen. Und die Weitergabe an Zweite, die auch gedoped haben und dann die Weitergab an Dritte, die auch gedoped .... das wird schnell lächerlich.
chico 76 25.08.2012
5. Zwei
Grosse ihres Sports haben richtig gehandelt. Ullrich würde verzichten, Armstrong kümmert sich sehr erfolgreich um Wichtigeres.Krebskranken zu helfen. Ich werde die packenden Zweikämpfe der beiden nie vergessen. Doping ( gehört bestraft ) hin oder her. Häme ist unangebracht, sie haben das härteste Strassenrennen der Welt zu einem Ereignis gemacht, wie wenige vor und nach ihnen.
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