Hamburg - Überraschende Entwicklung in der Kontroverse um den Umgang mit Trainern mit DDR-Dopingvergangenheit: Fünf noch aktive Bundestrainer des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) haben sich am Montag öffentlich zu ihren Verfehlungen im Dopingsystem der DDR bekannt.

Ex-Biathlet Luck (2003): Unbemerkt Dopingmittel erhalten
In der vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) verbreiteten Erklärung bezeichnen die fünf Bundestrainer den Einsatz von Dopingmitteln als Fehler. "Soweit die Sportler dadurch gesundheitliche Schäden davon getragen haben sollten, sind wir tief betroffen und bedauern dies sehr", heißt es in der Erklärung. Damit ist für das Quintett, das sich für seine Verfehlungen öffentlich entschuldigt hat, der Weg zu einer Weiterbeschäftigung beim DLV frei. Der DOSB hat dieser bereits zugestimmt.
"Die nun unterzeichnete Trainer-Erklärung ist kein Ersatz für die grundlegende Aufarbeitung von Doping in Ost und West vor 1990, die nach wie vor zwingend auch für den Westen notwendig ist", sagte DLV-Präsident Clemens Prokop, "aber sie ist ein wichtiger Schritt, um ein nicht aufgearbeitetes Kapitel der deutschen Sportgeschichte aufzubrechen."
Prokop unterstrich, dass die fünf Trainer seit 1991 erfolgreich für den Verband arbeiten: "Sie haben sich seit dieser Zeit für einen dopingfreien Sport engagiert und sich nichts zuschulden kommen lassen."
Unterdessen hat auch der elfmalige Biathlon-Weltmeister Frank Luck zugegeben, in der DDR gedopt worden zu sein. Dies sei allerdings ohne sein Wissen geschehen, sagte Luck im WDR.
"Man hat mir bei einer Aussage beim Landeskriminalamt Thüringen 1994 Substanzen vorgelegt und gefragt, ob ich mit denen in Berührung gekommen sei. Da habe ich es dann gemerkt", erklärte Luck. Bei diesen handelte es sich laut des LKA-Protokolls, das dem WDR vorliegt, um Anabolika-Pillen der Marke "Oral-Turinabol", die in der ehemaligen DDR häufig eingesetzt wurde.
Luck gehörte bei den Olympischen Spielen 1988 in Calgary wie Jürgen Wirth zum Aufgebot der DDR. Wirth hatte behauptet, dass auch der aktuelle Biathlon-Bundestrainer Frank Ullrich von den damaligen Doping-Praktiken gewusst und diese zudem überwacht habe. Ullrich bestreitet die Vorwürfe, eine Untersuchungskommission soll nun für Klarheit sorgen. Luck hatte seine aktive Laufbahn 2004 beendet. Mit elf WM-Titeln ist er der erfolgreichste deutsche WM-Biathlet.
Hütthaler-Sperre reduziert, Humanplasma unter Druck
Die Nationale Anti-Doping-Agentur (Nada) Österreichs hat die Sperre der überführten Triathletin Lisa Hütthaler nach deren umfangreichen Doping-Enthüllungen reduziert. Wie der Anwalt der früheren U23-Europameisterin am Montag bekannt gab, sei die sportrechtliche Strafe wegen der Hilfe zur Aufdeckung der Dopingaffäre von insgesamt sechs Jahren auf 18 Monate reduziert worden. Laut Flick könne Hütthaler ab dem 22. September 2009 wieder Wettkämpfe bestreiten. Sollte ein Strafprozess folgen, drohen ihr bis zu fünf Jahre Haft.
Auf der Suche nach einer für Blutdoping in Österreich benutzten Blutzentrifuge sind ungarische Ermittler am Wochenende fündig geworden. Das Gerät wurde in einer Budapester Privatwohnung entdeckt. Nach Angaben eines Polizeisprechers wird nun untersucht, ob es sich bei dem Gerät um die Zentrifuge handelt, die der österreichische Sportmanager Stefan Matschinerunter anderem für das Blutdoping des gesperrten Radprofis Bernhard Kohl eingesetzt haben soll.
Inzwischen gerät die in Wien ansässige Firma Humanplasma nach einem Bericht der Tageszeitung "Kurier" immer weiter unter Verdacht, an der Blutdoping-Affäre beteiligt gewesen zu sein. Der inzwischen in Untersuchungshaft sitzende Matschiner soll das Gerät bei Humanplasma im Auftrag von Kohl, Hütthaler und eines weiteren Sportlers gekauft haben.
Die Staatsanwaltschaft Wien hatte ihre Ermittlungen gegen die Firma im März eingestellt, da Blutdoping in Österreich bis August 2008 nicht strafbar war. Die Wiederaufnahme der Ermittlungen im Rahmen der jüngsten Aussagen von Kohl und Hütthaler seien jedoch denkbar, hieß es bei der Staatsanwaltschaft.
jok/sid/dpa
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