Doping in der DDR: DLV-Trainer zeigen Reue, Luck offenbart sich

Die Vergehen liegen Jahrzehnte zurück, jetzt folgte das Geständnis. Fünf Leichtathletik-Bundestrainer haben sich öffentlich für Doping in der DDR entschuldigt. Zudem bestätigte mit dem vielfachen Weltmeister Frank Luck ein weiterer Biathlet gedopt worden zu sein.

Hamburg - Überraschende Entwicklung in der Kontroverse um den Umgang mit Trainern mit DDR-Dopingvergangenheit: Fünf noch aktive Bundestrainer des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) haben sich am Montag öffentlich zu ihren Verfehlungen im Dopingsystem der DDR bekannt.

Ex-Biathlet Luck (2003): Unbemerkt Dopingmittel erhalten
DPA

Ex-Biathlet Luck (2003): Unbemerkt Dopingmittel erhalten

Rainer Pottel (Mehrkampf und Sprung), Gerhard Böttcher (Diskus), Maria Ritschel (Speerwurf), Klaus Schneider (Kugelstoß) und Klaus Baarck (Siebenkampf) versicherten mit ihren Unterschriften zugleich, nun für einen sauberen Sport einzutreten.

In der vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) verbreiteten Erklärung bezeichnen die fünf Bundestrainer den Einsatz von Dopingmitteln als Fehler. "Soweit die Sportler dadurch gesundheitliche Schäden davon getragen haben sollten, sind wir tief betroffen und bedauern dies sehr", heißt es in der Erklärung. Damit ist für das Quintett, das sich für seine Verfehlungen öffentlich entschuldigt hat, der Weg zu einer Weiterbeschäftigung beim DLV frei. Der DOSB hat dieser bereits zugestimmt.

"Die nun unterzeichnete Trainer-Erklärung ist kein Ersatz für die grundlegende Aufarbeitung von Doping in Ost und West vor 1990, die nach wie vor zwingend auch für den Westen notwendig ist", sagte DLV-Präsident Clemens Prokop, "aber sie ist ein wichtiger Schritt, um ein nicht aufgearbeitetes Kapitel der deutschen Sportgeschichte aufzubrechen."

Prokop unterstrich, dass die fünf Trainer seit 1991 erfolgreich für den Verband arbeiten: "Sie haben sich seit dieser Zeit für einen dopingfreien Sport engagiert und sich nichts zuschulden kommen lassen."

Unterdessen hat auch der elfmalige Biathlon-Weltmeister Frank Luck zugegeben, in der DDR gedopt worden zu sein. Dies sei allerdings ohne sein Wissen geschehen, sagte Luck im WDR.

"Man hat mir bei einer Aussage beim Landeskriminalamt Thüringen 1994 Substanzen vorgelegt und gefragt, ob ich mit denen in Berührung gekommen sei. Da habe ich es dann gemerkt", erklärte Luck. Bei diesen handelte es sich laut des LKA-Protokolls, das dem WDR vorliegt, um Anabolika-Pillen der Marke "Oral-Turinabol", die in der ehemaligen DDR häufig eingesetzt wurde.

Luck gehörte bei den Olympischen Spielen 1988 in Calgary wie Jürgen Wirth zum Aufgebot der DDR. Wirth hatte behauptet, dass auch der aktuelle Biathlon-Bundestrainer Frank Ullrich von den damaligen Doping-Praktiken gewusst und diese zudem überwacht habe. Ullrich bestreitet die Vorwürfe, eine Untersuchungskommission soll nun für Klarheit sorgen. Luck hatte seine aktive Laufbahn 2004 beendet. Mit elf WM-Titeln ist er der erfolgreichste deutsche WM-Biathlet.

Hütthaler-Sperre reduziert, Humanplasma unter Druck

Die Nationale Anti-Doping-Agentur (Nada) Österreichs hat die Sperre der überführten Triathletin Lisa Hütthaler nach deren umfangreichen Doping-Enthüllungen reduziert. Wie der Anwalt der früheren U23-Europameisterin am Montag bekannt gab, sei die sportrechtliche Strafe wegen der Hilfe zur Aufdeckung der Dopingaffäre von insgesamt sechs Jahren auf 18 Monate reduziert worden. Laut Flick könne Hütthaler ab dem 22. September 2009 wieder Wettkämpfe bestreiten. Sollte ein Strafprozess folgen, drohen ihr bis zu fünf Jahre Haft.

Auf der Suche nach einer für Blutdoping in Österreich benutzten Blutzentrifuge sind ungarische Ermittler am Wochenende fündig geworden. Das Gerät wurde in einer Budapester Privatwohnung entdeckt. Nach Angaben eines Polizeisprechers wird nun untersucht, ob es sich bei dem Gerät um die Zentrifuge handelt, die der österreichische Sportmanager Stefan Matschinerunter anderem für das Blutdoping des gesperrten Radprofis Bernhard Kohl eingesetzt haben soll.

Inzwischen gerät die in Wien ansässige Firma Humanplasma nach einem Bericht der Tageszeitung "Kurier" immer weiter unter Verdacht, an der Blutdoping-Affäre beteiligt gewesen zu sein. Der inzwischen in Untersuchungshaft sitzende Matschiner soll das Gerät bei Humanplasma im Auftrag von Kohl, Hütthaler und eines weiteren Sportlers gekauft haben.

Die Staatsanwaltschaft Wien hatte ihre Ermittlungen gegen die Firma im März eingestellt, da Blutdoping in Österreich bis August 2008 nicht strafbar war. Die Wiederaufnahme der Ermittlungen im Rahmen der jüngsten Aussagen von Kohl und Hütthaler seien jedoch denkbar, hieß es bei der Staatsanwaltschaft.

jok/sid/dpa

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Forum - DDR-Doping: Zweite Chance für belastete Trainer?
insgesamt 51 Beiträge
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1.
DJ Doena 06.02.2009
Wie lange wird ein Sportler heutzutage für Doping gesperrt? 2 Jahre?
2.
exilant2 09.02.2009
Zitat von sysopIn Deutschland ist eine Diskussion entbrannt, ob Trainer, die in der DDR in Doping-Machenschaften verstrickt waren, im deutschen Spitzensport arbeiten dürfen. Sollte vergessen sein, was vor 20 Jahren geschehen ist? Sollte Reue ein wichtiger Maßstab bei der Bewertung sein? Welche Rolle spielt die verpasste Aufarbeitung nach der Wende?
Es ist ja schön, das sich Deutschland über den Osten Gedanken macht, warum entbrennt aber keine Diskussion zum folgenden Artikel: http://www.faz.net/s/RubCBF8402E577F4A618A28E1C67A632537/Doc~E95E9EF3325BA4B72B4342D6C4F402982~ATpl~Ecommon~Scontent.html Bester Satz: "Die Stasi macht den Unterschied aus." Hierzu stellen sich mir folgende Fragen:
3. im Prinzip
sitiwati 09.02.2009
Zitat von exilant2Es ist ja schön, das sich Deutschland über den Osten Gedanken macht, warum entbrennt aber keine Diskussion zum folgenden Artikel: http://www.faz.net/s/RubCBF8402E577F4A618A28E1C67A632537/Doc~E95E9EF3325BA4B72B4342D6C4F402982~ATpl~Ecommon~Scontent.html Bester Satz: "Die Stasi macht den Unterschied aus." Hierzu stellen sich mir folgende Fragen:
sollte man dei Jungs u Mädels wieder in Trainerstelen einsetzen, dei bringen das nötige nauhau mit, die westler sind in dieser Beziehung vielleicht noch etwas rückständig! Möglicherweise ???!!!
4.
Adran, 09.02.2009
Zitat von sitiwatisollte man dei Jungs u Mädels wieder in Trainerstelen einsetzen, dei bringen das nötige nauhau mit, die westler sind in dieser Beziehung vielleicht noch etwas rückständig! Möglicherweise ???!!!
Sehe ich mir de Tour de Dope an, wage ich daran zu zweifeln..
5. Prof. Joseph Keul
Filzsucher 09.02.2009
Zu Prof. Joseph keul http://www.cycling4fans.de/index.php?id=4472 Auszug: "Prof. Joseph Keul leitete die Abteilung Sportmedizin an der Universitätklinik Freiburg seitdem sie 1974 eine selbstständige Einrichtung wurde. Seit 1960 fungierte Joseph Keul Sportarzt bei den Olympischen Spielen, bis 1980 als Assistenzarzt, danach als Chefarzt. Er war Mitglied des NOK und ab 1998 bis zu seinem Tod im Jahr 2000 dessen Vorsitzender, war Anti-Doping-Beauftragter des Nationalen Olympischen Komitees (NOK), des Deutschen Sportbundes (DSB) und des Bundesinstituts für Sportwissenschaft und war Träger des Bundesverdienstkreuzes erster Klasse." eine Beschäftigung mit dieser Figur: Prof. Joseph Keul bringt einem im Verständnis über die die ganze Gesellschaft + Politik durchziehenden Netzwerkstrukturen des Dopings näher. Eine Schlüsselfigur ist Keul. Dieser hat anscheinend (mutmaßlich) seine einflussreichen Jobs während seines beruflichen Lebens seiner Doping-Kompetenz zu verdanken. Im Rahmen seiner Forschungstätigkeiten hat er um Doping herum geforscht. Im wesentlichen wurden Studien mit falschen Absichten deklariert, dies geht aus o.g. Artikel anschaulich hervor: sie sollten Dopinggaben legalisieren helfen. Er hat anscheinend in größerem Umfange Ergebnisse gefälscht. Seine aktive Rolle im Umgang mit Sportlern (was Doping angeht), geht aus dem Artikel auch gut hervor. Es soll keiner aus der Politik sagen, man habe dies nicht gewußt. Alle wissen es und Alle wissen um die derzeitgen Hintermänner in den Universitätszentren. Also "Alle" meint: die wichtigen, relevanten Leute in der Politik und in den Sport-Organisationen. ein Auszug: "Der Zwischenbericht der Expertenkommission zur Aufklärung von Dopingvorwürfen gegenüber Ärzten der Abteilung Sportmedizin, aus dem die letzten Zitate stammen, hält abschließend fest, dass es derzeit nicht auszuschließen ist, "dass Professor Keul aktiv in die damaligen Dopingaktivitäten involviert war. Nach den der Kommission nun zur Verfügung stehenden Unterlagen war er bei Veranstaltungen des und um das „Team Telekom“ häufig präsent." " Noch so ein Name: Prof. Manfred Donike: auch er hat anscheinend eine irreführende Positionsbeschreibung gehabt: er nahm nach Presseartikeln und Zeugenaussagen seine Job so wahr: Erkenntnisse über das Doping gewinnen, um die Sportler vor positiven Befunden zu bewahren. Solange diese - ja schon nachgewiesenen Strukturen und Taten - nicht weitere Konsequenzen nach sich ziehen, solange ist ja schon ein Foren-Text "harmlos" undn irreführend, weil er den Kern nicht trifft. Wenn nun schon (wieder) klar wird, dass Organisationen wie Nat.Olympisches Komittee oder die Telekom "Doping-Koryphäen" wie Keul beschäftigen, dann muss man doch beständig auf diese Organisationsstrukturen abheben, was Diskussionen wie obige angeht. Im luftleeren Raum kann man solche Fragen nicht diskutieren "sollten sie wieder eingestellt werden...?"
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