Russischer Dopingskandal Whistleblowerin Stepanowa lebt weiter in Angst

Ihre Aussagen halfen, das staatlich gelenkte Dopingsystem in Russland aufzudecken: Julia Stepanowa fühlt sich nicht als Heldin, aber sie ist "froh, dass niemand weiß, wo wir wohnen".

Julia Stepanowa
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In Russland fehlen nach einem Bericht der ARD weiterhin die nötigen Konsequenzen in der Dopingbekämpfung. Somit haben sich auch die Informationen der Sportler, die zur Aufdeckung des vom Staat getragenen Dopingsystems in Russland beigetragen haben, nicht ausgezahlt. Zudem leben sie laut ARD immer noch in Angst vor Repressalien aus Moskau.

"Es ist schon gut, dass niemand weiß, wo wir wohnen", sagte Julia Stepanowa in der Dokumentation "Geheimsache Doping - Verräter - Die Folgen des Falls Russland", die am Sonntag ausgestrahlt wurde. "Unsere Nachbarn wissen nicht, wer wir sind", betonte die frühere Weltklasse-Mittelstreckenläuferin, die in den USA Zuflucht gefunden hat. Zudem sagte sie: "Ich fühle mich nicht als Heldin, aber ich bin stolz, wenn Sportler auf mich zukommen und mir danken."

Im Dezember 2014 hatte Stepanowa in der ARD das systematische Doping in der Leichtathletik ihres Landes beschrieben. Damit gab sie die Initialzündung für Ermittlungen der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) in Russland. Die Untersuchungen zeigten, dass weite Teile des Sportsystems auf Betrug aufgebaut waren.

Stepanowa und ihr Mann Vitali werfen der Wada vor, nicht genügend auf Whistleblower einzugehen und ihre Hilfe nicht ausreichend zu würdigen. Wada-Chef Craig Reedie sagte dazu in der Dokumentation: "Niemand hatte mich gefragt, ob ich die Whistleblower besuchen möchte." Andere Leute hätten mit den Informationsgebern zu tun gehabt, nicht aber er.

Nachholbedarf im Anti-Doping-Plan

Eine Verbesserung der Situation in Russland ist unterdessen noch nicht zu sehen. Der Anwalt Andrej Suschko berichtet davon, dass nur rund zehn von 85 Regionen die Vorgaben des nationalen Anti-Doping-Plans umgesetzt hätten. Dazu gehöre unter anderem die Berufung von Fachpersonal. Der Kreml erklärte auf Anfrage der ARD, der Sachverhalt läge nicht in seinem Kompetenzbereich.

Vor vier Jahren war die Aufdeckung des russischen Staatsdopingskandals ins Rollen gekommen. Noch immer ist beispielsweise der russische Leichtathletikverband vom Weltverband IAAF suspendiert. Am kommenden Dienstag entscheidet die IAAF über ein Ende der Sanktionen. Erst Mitte September hatte die Wada die russische Anti-Doping-Agentur Rusada trotz massiver Proteste wieder aufgenommen.

krä/sid/dpa

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insgesamt 2 Beiträge
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steingärtner 02.12.2018
1. Etwas übertrieben
Weltklasse war sie wohl nie so richtig. Aber zu einer Dopingsperre für sie hat's denn doch gereicht. Dann kam Seppelt und die Geschichte nahm ihren virbextimmten Lauf.
CancunMM 02.12.2018
2.
und ? was ändert das jetzt an dem flächendeckenden Doping der Russen? Und den Drohungen ?
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