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Doping: Neue Vorwürfe gegen russische Schwimmer

Die englische "Times" erhebt schwere Vorwürfe: Auch der russische Schwimmsport soll in einen gewaltigen Dopingskandal verstrickt sein.

Schwimmweltmeisterin Julija Jefimowa. Zur Großansicht
DPA

Schwimmweltmeisterin Julija Jefimowa.

Der Artikel trägt den Titel "Die Doping-Schande des russischen Schwimmsports". Die englische Zeitung "The Times" erhebt darin neue Vorwürfe gegen die Verantwortlichen von Russlands Leistungssport. Die "Times" will Beweise für eine "organisierte Drogenkultur" im russischen Schwimmsport der vergangenen zehn Jahre gefunden haben.

Demnach habe Sergej Portugalow, Chefmediziner der seit vier Monaten suspendierten russischen Leichtathleten, auch den Schwimmern leistungssteigernde Mittel verabreicht.

Als Reaktion rief der Weltschwimmverband Fina die Zeitung dazu auf, ihr die neuen Erkenntnisse zur Verfügung zu stellen, um bei Bedarf unverzüglich ermitteln zu können. Noch habe der Verband keine Kenntnis von systematischem Doping im russischen Schwimmsport.

Auch der Vizepräsident des russischen Schwimmverbandes, Viktor Awdinenko, behauptet, ihm sei der Inhalt der Recherchen nicht bekannt. Der russischen Nachrichtenagentur Tass sagte er: "Den Schwimmverband bedrohen sie nicht, weil wir mit dem Arzt Sergej Portugalow nicht zusammenarbeiten". Portugalow sei zu Zeiten der Sowjetunion zwar Teil des Stabs gewesen, habe jedoch nie in der Nationalmannschaft gearbeitet.

Die "Times" berichtet zudem, dass Russland mit mehr als 40 positiven Tests im vergangenen Jahrzehnt weltweit das Land mit den meisten Dopingsündern im Schwimmen gewesen sein soll. Zuletzt war die russische Schwimmweltmeisterin Julija Jefimowa ins Visier der Doping-Fahnder geraten: Ihr wird die Einnahme von Meldonium vorgeworfen.

elo/dpa

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Dopingsubstanzen und ihre Wirkung
Epo/HGH
Die Ausdauerleistung ist wesentlich davon abhängig, wie gut der Körper Sauerstoff aufnehmen kann. Das Hormon Erythropoetin (Epo) stimuliert die Produktion roter Blutkörperchen. Die erhöhte Anzahl der im Organismus zirkulierenden Erythrozyten verbessert die Kapazität des Blutes, Sauerstoff aufzunehmen und steigert damit Ausdauerleistungsfähigkeit.

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) verbietet den Gebrauch von Epo seit langem. Seit 1983 ist es möglich, Epo synthetisch herzustellen. Entwickelt wurde es für Patienten mit schweren Nierenleiden, die an Blutarmut leiden.

Das Wachstumshormon HGH wird bei Kleinwüchsigkeit eingesetzt. HGH lässt nicht nur die Muskeln, sondern auch die Knochen wachsen, das führt zu langen Gliedmaßen, einem verformten Kopf und Riesenhänden. Zudem verändert sich die Struktur der Organe. (mit dpa)
Anabolika
Anabolika sind künstlich hergestellte Verwandte des männlichen Sexualhormons Testosteron. Diese Steroid- oder Wachstumshormone haben sowohl eine den Muskelaufbau fördernde (anabole) als auch eine vermännlichende (androgene) Wirkung. Anabolika können als Tabletten als auch injiziert werden. In Deutschland sind sie rezeptflichtig, werden aber nur selten zur Therapie beispielsweise von Schwächezuständen eingesetzt.

Illegal werden Anabolika parallel zu entsprechendem Training eingenommen, um den Aufbau von Muskelmasse zu fördern – also als Dopingmittel missbraucht. Bekannte Anabolika-Präparate sind unter anderen Nandrolon, Metandienon und Stanozolol.
Stimulanzien
Als Stimulanzien (lat. stimulare = "anregen") werden Substanzen bezeichnet, die anregend auf den Organismus wirken. Sie stimulieren die Aktivität des Zentralnervensystems. Als Aufputschmittel werden sie kurz vor oder während des Wettkampfs eingenommen. Sie steigern die motorische Aktivität, erhöhen die Risikobereitschaft und vertreiben die Müdigkeit, aber auch das Gespür für die natürliche Leistungsgrenze. Bekannteste Stimulanzien sind Amphetamine, Kokain, Ephedrin und Koffein (nur in hohen Mengen verboten).

Viele Stimulanzien können bei regelmäßigem Konsum abhängig machen. Bei Überdosierung drohen je nach Substanz Bluthochdruck, Herzrasen, Schweißausbrüche und Übelkeit. Nach mehreren Todesfällen im Sport, die auf die Einnahme von Stimulanzien zurückzuführen waren, wurden sie 1967 auf die Dopingliste gesetzt.
Narkotika
Betäubungs- und Schmerzmittel wie Morphine werden eingesetzt, um bei Höchstleistungen auftretende Schmerzen zu unterdrücken - beispielsweise bei einem Marathon. Die Medikamente machen abhängig, weitere Nebenwirkungen sind Kopfschmerzen und Kreislauflähmungen. Von Radsportlern werde berichtet, dass diese auf den letzten Kilometern gerne Alkohol trinken, sagt Patrick Diel vom Institut für Kreislaufforschung und Sportmedizin der Deutschen Sporthochschule Köln. "Das dämpft den Schmerz, liefert Energie und hebt die Stimmung."

Ebenso wie Amphetamine seien auch die meisten Narkotika leicht nachweisbar und würden deshalb eher selten im Spitzensport verwendet. Zudem handle es sich auch hierbei um eine "Wettkampf-Droge", die direkt beim jeweiligen Sportereignis eingenommen werden müsse. Entsprechend hoch sei die Gefahr der Entdeckung. (mit dpa)


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