Doping Jones-Trainer will Olympia-Medaillen

Dan Pfaff, Ex-Trainer von Marion Jones, fordert von seinem früheren Schützling Geld - oder Medaillen. Der auffällige Blutwert des Radprofis Stefan Schumacher vor der Straßen-WM geht laut einer Analyse auf eine Durchfall-Erkrankung zurück - und nicht auf Doping.


Hamburg - Neue Variante im Disput um die Rechte an den fünf aberkannten Olympia-Medaillen von Marion Jones: Laut "Süddeutscher Zeitung" fordert Dan Pfaff, Ex-Trainer und Gläubiger des gefallenen Sprintstars, das Internationale Olympische Komitee (IOC) über seine Anwälte auf, ihm bis zum 1. Dezember die fünf Auszeichnungen zu übereignen. Andernfalls erfolge eine Klage vor Gericht.

Ex-Sprintstar Jones: Schulden beim früheren Trainer
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Ex-Sprintstar Jones: Schulden beim früheren Trainer

Pfaff, der wie Jones in Austin/Texas lebt, hat laut Gerichtsurteil für nicht gezahltes Trainerhonorar (Juli 2003 bis September 2004) noch 222.944,37 Dollar von der 32-Jährigen zu erhalten. Er argumentiert über seine Anwälte, darunter der Deutsche Marc Roos, das IOC habe die zurückgegebenen Medaillen widerrechtlich in Obhut genommen. Dies sei eine strafbare Handlung sowohl nach amerikanischem als auch nach europäischem Recht. Die Medaillen seien de facto noch nicht aberkannt, also folglich noch im Eigentum der Amerikanerin.

Das IOC, das bei seiner Tagung vom 10. bis 12. Dezember in Lausanne über die Neuverteilung der Plaketten entscheiden will, hat bisher noch nicht auf die Pfaff-Forderung reagiert. Das Sportgericht des IAAF hatte am Wochenende bereits Preisgelder in Höhe von geschätzten 700.000 US-Dollar von Jones zurückverlangt. Weitere 100.000 Dollar soll sie in den USA an Fördergeldern zurückzahlen.

Der neue Wada-Code
Härtere Strafen
Für schwerwiegende Erstverstöße wie systematisches Doping oder Verhinderung der Aufdeckung von Vergehen wurde die Sperre von zwei auf vier Jahre angehoben. Drei Verstöße gegen die Meldepflicht ("Missed Tests") binnen 18 Monaten führen zu einer Sperre von ein bis zwei Jahren. Nach einer positiven A-Probe wird eine provisorische Suspendierung des Athleten ausgesprochen. Die B-Probe muss spätestens sieben Tage später analysiert sein.
Flexibilität
In Einzelfällen können besondere Umstände berücksichtigt werden und flexiblere Strafen verhängt werden. Eine Strafminderung kann z.B. gewährt werden, wenn ein Athlet beweisen kann, dass eine verbotene Substanz ohne Verschulden in seinen Körper gelangt ist. Außer Sperren können zusätzlich Geldbußen verhängt werden.
Kronzeugenregelung
Die Kronzeugenregelung ist erweitert worden. Wenn ein Athlet die Aufdeckung von Dopingverstößen Dritter substantiell mit Detailinformationen unterstützt, kann die Sperre um bis zu 75 Prozent reduziert werden. Eine Verkürzung bis um die Hälfte wird eingeräumt, wenn ein Athlet Doping gesteht, bevor er positiv kontrolliert wurde.
Gültigkeit
Der neue Welt-Anti-Doping-Code, beschlossen auf der Welt-Anti-Doping-Konferenz in Madrid Mitte November 2007, ist seit dem 1. Januar 2009 gültig. Die "Deklaration von Madrid" verpflichtet alle Organisationen des Sports, ihre Statuten dem neuen Code anzugleichen. Gleichzeitig werden alle Regierungen aufgerufen, die Unesco-Konvention gegen Doping zu unterzeichnen und damit den Code als universell verbindlich anzuerkennen.

Radprofi Stefan Schumacher sieht sich durch eine Untersuchung von Prof. Walter Schmidt (Uni Bayreuth) vom Vorwurf des Dopings entlastet. Eine Trainingskontrolle hatte sechs Tage vor dem WM-Straßenrennen in Stuttgart bei dem 26-Jährigen einen Hämatokritwert von 50,5 ergeben. Schumacher durfte dennoch starten, nachdem ein weiterer Test unter dem erlaubten Grenzwert von 50 lag. Er belegte in dem Rennen Platz drei. Für den erhöhten Wert hatte Schumacher von Beginn an eine Durchfallerkrankung verantwortlich gemacht.

Diese Schlussfolgerung sei durch die Bayreuther Analyse bekräftigt worden. "Laut Professor Schmidt kann bei Durchfall der Wert um bis zu vier Punkte steigen", sagte Schumacher, dessen Normalwert zwischen 46 und 47 liegt. Nach Bekanntgabe des "positiven" Ergebnisses habe er sich "wie im falschen Film gefühlt", nun sei er erleichtert. Sein Anwalt Michael Lehner bemängelte zudem mehrere Verfahrensfehler. So sei die Kontrolle am 25. September nicht wie vorgeschrieben "morgens auf nüchternen Magen" erfolgt, sondern erst am frühen Mittag. Die Analyse sei erst 30 Stunden später vorgenommen worden, nicht regelgemäß innerhalb von vier Stunden.

fpf/sid/dpa



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