Doping-Kontrollsystem unterlaufen Dänischer Verband verstößt Rasmussen

Neuer Schatten über der Tour de France: Michael Rasmussen, aktuell im Gelben Trikot, ist aus dem dänischen Nationalteam ausgeschlossen worden. Der Rabobank-Fahrer hatte seinen Aufenthaltsort nicht regelmäßig gemeldet, wie es die Anti-Doping-Regeln vorschreiben - er gibt sich völlig unschuldig.


Hamburg - Der dänische Radsport-Verband DCU hatte die Suspendierung nach eigenen Angaben schon am 21. Juni beschlossen, exakt vor vier Wochen - machte die Entscheidung aber erst am Donnerstagabend öffentlich, nachdem Rasmussen schon seit Tagen im Gelben Trikot bei der Tour fährt. Wieso die Öffentlichkeit so lange nicht informiert wurde, blieb unklar.

Kurz nach der Entscheidung sei Rasmussen von der DCU über die Suspendierung informiert worden, sagte Verbands-Geschäftsführer Jesper Worre. Außerdem habe der Weltverband UCI ihn am 29. Juni offiziell verwarnt.

Rasmussen (bei Dopingkontrolle am Donnerstag): Im Juni suspendiert
AFP

Rasmussen (bei Dopingkontrolle am Donnerstag): Im Juni suspendiert

Worre zufolge ist Rasmussen "mehrfach" seiner Meldepflicht gegenüber dem Weltverband UCI nicht nachgekommen und verwarnt worden. Nach den UCI-Statuten müssen die Radprofis den Weltverband für mögliche Dopingtests über ihren jeweiligen Aufenthaltsort in Kenntnis setzen. Rasmussen sei darauf hingewiesen worden, "dass er sich dem UCI-Reglement entsprechend verhalten soll. Jetzt haben wir kein Vertrauen mehr in ihn", sagte Worre. "Wenn man drei Warnungen in den vergangenen 18 Monaten bekommt, gibt es Anlass, einen Doping-Verdachtsfall zu sehen." Auch die Anti-Doping-Aufseher in Dänemark hätten Rasmussen gewarnt.

"Das ist nichts, was mich bei der Tour stören sollte"

Rasmussen selbst räumte in Frankreich ein, dass er seit drei Wochen von der Entscheidung der DCU weiß. Er habe vorher nur eine einzige Warnung bekommen - er sprach von einem Problem bei der Postzustellung. "Es muss jemanden an der Spitze geben, der mir nichts Gutes will. Ich habe versucht, eine Erklärung dafür zu geben, was passiert ist, aber die wollen sie nicht akzeptieren." Das alles sei "nichts, was meine weitere Teilnahme an der Tour in irgendeiner Weise stören sollte".

Die Aso, die die Tour de France organisiert, teilte in der Nacht mit, sie habe zu wenig Informationen, um sich schon zu dem Fall zu äußern.

Die Suspendierung durch die DCU hat keine direkten Folgen für Rasmussens Teilnahme an der Tour, weil er dort als Profi des niederländischen Rabobank-Teams startet und nicht als Mitglied der dänischen Nationalmannschaft. Wie das Team Rabobank auf die dänische Sperre reagieren wird, blieb zunächst offen. Manager Theo De Rooij sagte der Nachrichtenagentur Reuters in der Nacht nur, die UCI habe Rasmussen in der Tat einen Brief geschickt, in dem sie ihm vorgeworfen habe, in den vergangenen drei Monaten nicht über seinen persönlichen Zeitplan Auskunft gegeben zu haben.

Nach derzeitigem Stand dürfte Rasmussen für Dänemark nicht bei der Straßen-WM in Stuttgart (25. bis 30. September) und den Olympischen Spielen 2008 in Peking starten. Die rechtliche Regelung der UCI ist zudem, dass ein Fahrer wegen Dopingvergehen zu einer zweijährigen Sperre verurteilt werden kann, wenn er drei Dopingkontrollen binnen 18 Monaten verpasst.

Rasmussen, der mit einer Mexikanerin verheiratet ist und oft in dem lateinamerikanischen Land trainiert, ist der beste Bergfahrer bei der Tour de France in den vergangenen zwei Jahren. Er hatte am vergangenen Sonntag die achte Etappe der Tour de France gewonnen und durch den Sieg bei der Bergankunft in Tignes das Gelbe Trikot von T-Mobile-Profi Linus Gerdemann übernommen.

plö/sid/dpa/AP/Reuters



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