Dopingvorwürfe Armstrong steht vor Verlust aller Tour-de-France-Titel

Die US-amerikanische Anti-Doping-Agentur Usada hat angekündigt, dass Lance Armstrong seine sieben Tour-de-France-Titel entzogen und er mit einer lebenslangen Sperre belegt werden soll. Der frühere Radprofi hatte zuvor den Rechtsstreit um die Dopingvorwürfe aufgegeben.

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Austin/Hamburg - Eine beispiellose Radsport-Karriere endet unrühmlich. Lance Armstrong, dem erfolgreichsten Radprofi der Geschichte, sollen wegen Dopings alle sieben Tour-de-France-Titel aberkannt werden. Zudem soll der - zuletzt nicht mehr als Radsportler aktive - 40-Jährige mit einer lebenslangen Sperre belegt werden. Das teilte die US-amerikanische Anti-Doping-Agentur Usada mit.

Armstrong hatte kurz zuvor überraschend angekündigt, den Rechtsstreit um die Dopingvorwürfe aufzugeben. "Es kommt der Moment, da sagt man sich, es reicht", so der Sportler in einem Statement. "Diesen Punkt habe ich nun erreicht. Ich habe mich mit Betrugsvorwürfen seit 1999 herumschlagen müssen." Er würde liebend gern die Chance wahrnehmen, alle Vorwürfe zu widerlegen - dies jedoch nicht in einer Auseinandersetzung mit der Usada, deren Vorgehen er als "einseitig und unfair" bezeichnete. Das gesamte Verfahren habe einen "zu hohen Zoll" von ihm und seiner Familie gefordert, begründete er seinen Entschluss.

Armstrong machte zudem geltend, dass die Usada kein Recht habe, ihm die Tour-Titel zu entziehen. Deren Präsident Travis Tygart erklärte jedoch, der Weltradsportverband UCI als Unterzeichner des Welt-Anti-Doping-Codes sei "verpflichtet, unsere Entscheidung anzuerkennen und zu verhängen". Der Präsident der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada), John Fahey, sieht in Armstrongs Rückzug ein Eingeständnis, dass die Dopingvorwürfe "Substanz gehabt" hätten. "Er hatte das Recht, die Anschuldigungen anzufechten. Er hat sich dazu entschlossen, das nicht zu tun." Den Regeln zufolge könnten damit von der Usada die entsprechenden Strafen verhängt werden, so Fahey. Diese Strafen müssten demnach von allen Ländern der Welt anerkannt werden, die sich dem Wada-Code unterworfen haben.

"Den fairen und ehrlichen Wettbewerb untergraben"

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Lance Armstrong: Der tiefe Fall des Tourminators
Usada-Boss Tygart sprach von einem "traurigen Tag" für die Welt des Sports: "Dies ist ein herzzerreißendes Beispiel dafür, wie die Kultur des Gewinnens um jeden Preis den fairen und ehrlichen Wettbewerb untergräbt."

Die Usada hatte den früheren Radprofi im Juni formal des Dopings angeklagt. Armstrong seinerseits bezichtigte die Agentur, das verfassungsmäßige Recht eines Athleten auf eine faire Verhandlung zu verletzen. Neben ihm waren auch sein langjähriger Intimus und jetzige RadioShack-Teamchef Johan Bruyneel sowie vier Betreuer und Ärzte angeklagt worden. Im ehemaligen Rennstall US Postal sollen die Beschuldigten unter anderem Epo-, Testosteron-, Kortison- und Blutdoping betrieben haben.

Armstrong scheiterte kürzlich mit einer Klage gegen die US-amerikanische Anti-Doping-Agentur und musste einen öffentlichen Dopingprozess fürchten. Ein Gericht in seiner Heimatstadt Austin hatte die Ermittlungen der Usada gegen den Texaner, dem jahrelanges Doping und der Handel mit illegalen Substanzen angelastet wird, am Montag für rechtens erklärt.

Damit war der 40-Jährige, der Doping stets bestritten und seine Gegner harsch angegriffen hatte, zu einer Entscheidung gezwungen: Entweder er geht gegen die Vorwürfe vor und bringt damit eine Verhandlung vor einem Schiedsgericht auf den Weg. Oder er akzeptiert eine lebenslange Sperre und möglicherweise die Aberkennung vieler seiner Titel. Vor dieser Entscheidung hatte sich Armstrong mit seiner Klage versucht zu drücken.

Von 1999 bis 2005 hatte er siebenmal in Serie die Tour de France gewonnen. Der deutsche Radprofi Jan Ullrich war in den Jahren 2000, 2001 und 2003 hinter dem Amerikaner auf Platz zwei des wichtigsten Radrennens der Welt gefahren. Ob Ullrich bei einer Aberkennung der Titel nachträglich zum Sieger ernannt werden würde, ist aber offen.

Armstrong teilte mit, dass er sich künftig nur noch um die Arbeit seiner Stiftung, dem Kampf gegen Krebserkrankungen und um seine Familie kümmern wolle. "Nach vorne blickend werde ich mich um die Erziehung meiner fünf wunderbaren Kinder und dem Kampf gegen Krebs widmen und versuchen, der fitteste 40-Jährige auf dem Planeten zu sein", schrieb er.

pad/wit/Reuters/dpa/AP



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insgesamt 241 Beiträge
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Seite 1
579934 24.08.2012
1. Radsport kaputt
Das Positive daran: Schlimmer kann es für den Radsport nicht mehr kommen. Tiefer kann der Radsport nicht mehr sinken. Fragt sich, ob er auf diesem Niveau stagniert, oder nochmal die Kurve kriegt.
zaphod1965 24.08.2012
2. Gerechtigkeit
Allerdings sind im Radsport weiße Westen so selten, wie Raben auf dem Mond. Es wäre konsequent, Armstrong seine Werbetantiemen zurückzahlen zu lassen, denn schließlich hat er seine Werbepartner betrogen. ...wie alle anderen Radprofis auch. Ja, das ist ein Generalverdacht und ja ich schere sie alle über einen Kamm.
Herr Lehmann 24.08.2012
3. Kann das denn so schwer sein?
Eine etwas naive Frage: Aber wie kann man da so lange herumstreiten. Das muesste doch eigentlich relativ einfach gehen. Wenn Substanzen nachgewiesen werden, die auf einer verbotenen Liste stehen, dann gibt's doch keine Zweifel. Wenn sie nicht auf der Liste stehen, kann man ihm nichts vorwerfen. Der Artikel gibt leider auch keinerlei Antworten, warum und wie da so lange gestritten werden kann. Wenn Armstrong's Argument jedoch lediglich der Vorwurf eines unfairen Prozesses ist, ist dieses Argument hinsichtlich der eigentlichen Frage eher schwach zu bewerten.
lattifix 24.08.2012
4. Viel zu spät....
Zitat von sysopAPDie US-amerikanischen Anti-Doping-Agentur Usada hat angekündigt, Lance Armstrong mit einer lebenslangen Sperre zu belegen und ihm alle Tour-de-France-Titel zu entziehen. Der frühere Radprofi hatte zuvor angekündigt, den Rechtsstreit um die Dopingvorwürfe aufzugeben. http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,851801,00.html
Tja, fein dass die Anti-Doping Instanz endlich mal jemanden rauszieht, aber für mein Empfinden hat es viel zu lange gedauert... In klarem deutsch hat der Typ (und wohl nicht nur er) uns jahrelang betrogen. Wem aber nach längerer Zeit endlich der Titel zuerkannt wird, steht leider nicht im Artikel. Ich mag keine Betrüger. Ob mir nun im Geschäft jemand 50 Cent "falsch" abzieht, oder ob jemand gedopt 'ne zehntelsekunde mehr herausholt, ist mir wurscht. Wenigstens ist eine gute Sache, dass dieser Mann wohl an keinem Wettbewerb mehr teilnehmen wird.
peter-k 24.08.2012
5. Doping
Man müsste alle Sportler aus den USA und China, sowie die Läufer aus Jamaika und die Gewichtheber aus dem Iran näher angucken können. Zu pauschal? Das unterdrücken eines ernsten Problems hilft auch niemandem. Gruss aus Singapur Peter Kroll
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