Doping Leipold muss Goldmedaille zurückgeben

Jetzt ist es offiziell: Wegen Nandrolon-Dopings ist dem deutschen Freistilringer Alexander Leipold sein in Sydney gewonnenes Gold aberkannt worden.


Alexander Leipold: "Imageschaden für unsere Sportart"
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Alexander Leipold: "Imageschaden für unsere Sportart"

Lausanne - Das schwärzeste sportliche Kapitel in der deutschen Olympia-Geschichte ist besiegelt. Freistilringer Alexander Leipold wurde als erstem deutschen Olympiasieger die Goldmedaille aberkannt. Diese Entscheidung traf das Exekutivkomitee des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) am Montag in Lausanne. Zugleich wurde der Schifferstädter nachträglich von den Olympischen Spielen in Sydney ausgeschlossen. Das Nationale Olympische Komitee für Deutschland (NOK) wurde aufgefordert, dem Athleten die Goldmedaille abzunehmen und ebenso wie die Siegerurkunde an das IOC zurückzugeben. Die Entscheidung trete sofort in Kraft, teilte das IOC mit.

Der 31 Jahre alte Athlet war nach seinem Sieg bei den Olympischen Spielen in Sydney in der Kategorie bis 76 Kilogramm in A- und B-Probe positiv auf das anabole Steroid Nandrolon getestet worden. Bei einer Anhörung durch die Medizinische Kommission des IOC am 16. Oktober in Lausanne hatte er bestritten, bewusst verbotene Substanzen zu sich genommen zu haben. Die Goldmedaille erhält nun der Amerikaner Brandon Slay, den Leipold im olympischen Finale am 30. September mit 4:0 besiegt hatte. Neuer Silbermedaillengewinner ist der Südkoreaner Eui Jae Moon, Bronze geht an Adem Berket aus der Türkei. Damit verringert sich die deutsche Olympia-Bilanz von 14 auf 13 Goldmedaillen, Deutschland behält aber den fünften Platz in der Nationenwertung.

Das IOC disqualifizierte gleichzeitig den mongolischen Ringer Oyunbileg Purevbaatar, der ebenfalls positiv getestet worden war. Er hatte in der Freistil-Kategorie bis 58 Kilogramm den fünften Platz belegt.

"Das ist natürlich ein Imageschaden für unsere Sportart und mit Sicherheit nicht förderlich. Nach der Stellungnahme der Medizinischen IOC-Kommission war aber auch keine andere Entscheidung zu erwarten", sagte der designierte Generalsekretär des Deutschen Ringer-Bundes (DRB), Karl-Martin Dittmann. Leipold war am Montag nicht zu erreichen, betonte aber bereits am Sonntag, "dass er momentan seine Ruhe haben möchte" und sich voll auf "die sachliche Aufarbeitung" seines Dopingfalls konzentriere.

Freistil-Bundestrainer Wolfgang Nitschke hätte sich noch einen kleinen zeitlichen Aufschub dieser Entscheidung gewünscht. "Die Begründungen haben einen eindeutigen Tenor. Ich glaube, die Allgemeinheit hat wohl erkannt, dass man Alexander glauben kann. Nun ist die Wissenschaft gefragt", erklärte Nitschke. Leipold hofft weiter auf die toxikologischen Untersuchungsergebnisse seiner Zusatzernährungsprodukte. Diese Ergebnisse, die eine mögliche Sperre des Weltmeisters von 1994 nach sich ziehen, werden vom Ringer-Weltverband FILA bearbeitet. Das IOC hat nur die Rechtshoheit für die Olympischen Spiele.

Derzeit werden noch drei Präparate in Berlin und Kreischa untersucht. "Die Wissenschaftler sind sich nicht ganz einig, ob Nandrolon im Körper entwickelt wird", sagte der Ringer, der unter anderem diesen Fakt als Beweis seiner Unschuld anstrebt, am Sonntag. Dafür will der gelernte Industriekaufmann in den kommenden Wochen in Quarantäne gehen und dort die Trainingsbelastungen und Ernährungsbedingungen von Sydney nachstellen.



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