Neue Zweifel an Doping-Flaschen Einmal kräftig gedreht, dann war das Ding offen

Ein junger norwegischer Stabhochspringer sagt, er habe bei einer Dopingkontrolle die Flasche nach Verschluss wieder öffnen können. Ein Beleg dafür, dass Hersteller Berlinger mangelhaftes Material liefert?

Sondre Guttormsen mit geöffneter Dopingkontrollflasche (Screenshot)
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Sondre Guttormsen mit geöffneter Dopingkontrollflasche (Screenshot)

Von Nicola Naber, Thilo Neumann und


Nur ein Einzelfall oder eine Sicherheitslücke im Antidopingkampf? Der Dopingflaschen-Hersteller Berlinger hat möglicherweise erneut ein Problem mit seinen Produkten. Denn: Am 21. Dezember 2018 kam es bei einer Dopingkontrolle in Norwegen zu einem ungewöhnlichen Zwischenfall.

Als der 19 Jahre alte Stabhochspringer Sondre Guttormsen seine Blutprobe versiegeln wollte, konnte er den dafür vorgesehenen Behälter, Modell "Bereg-Kit small", zwar zunächst zudrehen - ihn dann aber auch wieder öffnen. Der Vorgang wurde in einem Video festgehalten, das der norwegischen Zeitung "Verdens Gang" und dem SPIEGEL vorliegt.

Einmal korrekt verschlossen, sollten Dopingkontrollflaschen eigentlich nur mit speziellen Maschinen zu öffnen sein. Ein manuelles Öffnen würde einen nachträglichen Austausch der Probe möglich machen. Aus dem Video geht nicht hervor, ob der Norweger die Flasche beim Schließen oder Öffnen kaputt gemacht hat. Guttormsen sagte "Verdens Gang", er habe keine sichtbaren Spuren an den Fläschchen entdecken können.

Hier können Sie das Video sehen:

Verdens Gang

Ebenfalls nicht zu sehen ist, ob er sie nach dem Öffnen erneut schließen konnte. Falls nicht, würde im Labor sofort auffallen, dass der Verschluss der Flasche kaputt ist - und ein unbemerkter Austausch des Bluts wäre nahezu unmöglich. Ein Pressesprecher von Berlinger sagte dem SPIEGEL, dass dem Unternehmen das Video bekannt sei. Man sehe einen klaren Handhabungsfehler des Sportlers. Guttormsen habe die Flasche mit zu viel Kraft verschlossen. Das Labor könne in diesem Fall erkennen, dass der Container defekt sei.

"Die Kontrolleure waren erschrocken"

In dem Video, das in Guttormsens Elternhaus von seinem Vater aufgenommen worden sein soll, ist laut "Verdens Gang" einer von insgesamt drei Versuchen des jungen Athleten zu sehen, seine Blutprobe zu verschließen. "Als ich das erste Fläschchen aufgedreht habe, dachte ich, ich habe einen Fehler gemacht", sagte Guttormsen "Verdens Gang". "Das sollte nicht möglich sein." Aber dann habe er zwei weitere gecheckt und dasselbe sei passiert. "Die zwei Kontrolleure waren erschrocken", sagte Guttormsen.

Berlinger stand bereits vor den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang in der Kritik. Die ARD hatte damals berichtet, dass es der hauseigenen Dopingredaktion gelungen sei, die Sicherheitsgefäße nach dem Einfrieren zu öffnen und wieder zu verschließen. Die Weltantidopingagentur Wada sprach damals von einem "möglichen Integritätsproblem".

"Diese Situation gefällt uns nicht"

Für die Winterspiele wurden dann vorsichtshalber Fläschchen einer älteren Generation verwendet. Nachdem Berlinger überlegt hatte, sich aus dem Geschäft zurückzuziehen, hatte sich die Wada nach Alternativen umgeschaut. Berlinger entschied sich dann jedoch dazu, die Produktion in den kommenden Jahren fortzusetzen und den Vertrieb und die Weiterentwicklung der Antidopingprodukte von einer schwedischen Stiftung leiten zu lassen. Berlinger hatte seit 2000 alle Olympischen Spiele mit seinen Produkten versorgt.

Die norwegische Antidopingagentur bestätigte dem SPIEGEL den Vorfall. Guttormsen habe drei Mal versucht, seine Blutdopingprobe in den Fläschchen zu verschließen. Jedes Mal habe er die Behälter wieder öffnen können. "Diese Situation gefällt uns nicht. Der Fall hat für uns hohe Priorität. Unserer Meinung nach ist das ein ernstes Problem mit dem Equipment", sagte Anders Solheim, der Chef der Antidopingagentur. Man habe das Problem an Berlinger herangetragen.

Der Hersteller hat die Fläschchen nach eigener Aussage bei der Antidopingagentur angefordert und will sie untersuchen.

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insgesamt 6 Beiträge
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Seite 1
flow-tschi 11.01.2019
1. Als ob
das Problem fehlkonstruierte Behälter wären... Kopfschüttel...
stef_ma 11.01.2019
2. Man denkt jetzt natürlich
instinktiv an den Doper, der seine Probe austauscht. Aber es wäre ja auch theoretisch möglich so einen Konkurrenten eine positive Probe unterzujubeln. Wird bei positiven Proben eigentlich zusätzlich ein DNA-Test gemacht? Sollte man vielleicht mal drüber nachdenken.
mwroer 11.01.2019
3.
Zitat von stef_mainstinktiv an den Doper, der seine Probe austauscht. Aber es wäre ja auch theoretisch möglich so einen Konkurrenten eine positive Probe unterzujubeln. Wird bei positiven Proben eigentlich zusätzlich ein DNA-Test gemacht? Sollte man vielleicht mal drüber nachdenken.
Man schreibt nicht einfach seinen Namen auf die Flasche und schickt die dann ein :) Die Etiketten sind vorgedruckt mit Prüfsummen für Datum und anderes - mindestens muss man dann einen Konkurrenten finden der die gleiche Blutgruppe hat und den Test zur gleichen Zeit macht und seine Daten bei der Dopingagentur kennen und die Etiketten fälschen. Und das geht dann auch nur bei einer unbeobachteten Abgabe. Sonst machen das sowieso die Kontrolleure. Klar geht irgendwie immer alles - aber SO wahnsinnig viel kriminelle Energie für verhältnismäßig wenig Nutzen werden Leistungssportler nicht aufbringen in diesem Bereich.
Mephisto der x-te 11.01.2019
4. Seid ihr naiv !
Zitat von stef_mainstinktiv an den Doper, der seine Probe austauscht. Aber es wäre ja auch theoretisch möglich so einen Konkurrenten eine positive Probe unterzujubeln. Wird bei positiven Proben eigentlich zusätzlich ein DNA-Test gemacht? Sollte man vielleicht mal drüber nachdenken.
Umgekehrt, man muss doch für gedopte Spitzensportler, die für das Image und die Werbeeinnahmen unverzichtbar sind, eine Möglichkeit haben, einen Dopingbefund zu verhindern. Wie war ein Lan Ullrich und ein Lance Armstrong möglich ? Schaut Euch doch einfach die Sportler und deren Leistung an. Ohne Doping kein Spitzensport. Interessiert mich eigentlich nicht. Schlimm ist für mich hingegen, dass völlig verschwiegen wird, dass es Dopingkontrollen erst im Spitzensport gibt. Im Amateurbereich wird genauso gedopt und keinen interessierts. Da darf das Thema bis heute noch nicht mal angesprochen werden. Nehmen wir einen Handballtorwart in der Bezirksliga, ständig am Getränkefläschchen. Und ich soll nicht glauben, dass da Mittel drin sind, die die Reaktionsfähigkeit steigern ?
In Kognito 11.01.2019
5. DAS genau war der Haupt-"Beweis" des Rentners McLarren!
Zitat von flow-tschidas Problem fehlkonstruierte Behälter wären... Kopfschüttel...
Russland wurde nur wegen dieser Röhrchen des Staatsdopings beschuldigt. Den Sportlern wurde, bis auf wenige Ausnahmen, wie in anderen Ländern auch, nichts verbotenes nachgewiesen. Besser sind da natürlich Rezepte und Genehmigungen der jeweiligen ADA, Rithalin bei US-Turnerin, Opiate beim Tennis, Asthmaspray in 1000er Packungen beim Winter-/Radsport - alles legal, da genehmigt!
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