Dopingskandal Nike entzieht Armstrong die Geldspritze

Die Doping-Enthüllungen haben weitreichende Konsequenzen für Lance Armstrong: Der US-Amerikaner ist als Vorsitzender seiner Krebsstiftung Livestrong zurückgetreten. Zudem verkündete der langjährige Sponsor Nike das sofortige Ende des Vertrags mit dem ehemaligen Radstar.

Ehemaliger Radstar Armstrong: Schaden von der Organisation fernhalten
REUTERS

Ehemaliger Radstar Armstrong: Schaden von der Organisation fernhalten


Hamburg - Lance Armstrong ist nicht mehr Vorsitzender seiner Krebsstiftung Livestrong. Der des Dopings beschuldigte ehemalige Radprofi will mit diesem Schritt mögliche Schäden von der Organisation fernhalten, sagte er in einem Statement.

Livestrong solle sich auf seine Mission konzentrieren können und nicht von den Problemen des Gründers beeinträchtigt werden, so Armstrong. Der 41-Jährige wird weiter im 15-köpfigen Aufsichtsrat vertreten sein, seine Aufgaben als Chairman werde der bisherige Vize Jeff Garvey übernehmen.

Zudem beendete Armstrongs langjähriger Sponsor Nike die Zusammenarbeit mit dem Texaner. "Aufgrund der offenbar unüberwindbaren Hinweise, dass Lance Armstrong Dopingpraktiken angewandt und Nike für mehr als ein Jahrzehnt getäuscht hat, haben wir mit großer Traurigkeit den Vertrag mit ihm aufgelöst", hieß es in einer kurzen Mitteilung des Unternehmens. Allerdings plant Nike Livestrong weiterhin zu unterstützen. "Livestrong wurde mit dem Ziel gegründet, von Krebs betroffene Menschen zu unterstützen", hieß es in der Erklärung.

Vor einer Woche hatte die US-Anti-Doping-Agentur Usada den 41-Jährigen mit der Veröffentlichung eines mehr als 1000-seitigen Berichts schwer belastet. Armstrong muss mit der Aberkennung seiner sieben Tour-Titel durch den Radsport-Weltverband UCI und Schadensersatzklagen in Millionenhöhe rechnen.

Unterdessen erwartet Tyler Hamilton ein Geständnis von Armstrong. "Ich wäre überrascht, wenn er es nicht eines Tages zugeben würde", sagte Hamilton, der von 1998 bis 2001 mit Armstrong für das US-Postal-Team fuhr: "Es weiterhin zu leugnen, ist eine sehr schwere Last." Die Wahrheit werde zwar Konsequenzen für seinen ehemaligen Teamkollegen haben, aber langfristig werde er davon profitieren. "Die Menschen werden ihm vergeben", sagte Hamilton.

"Der Sport war damals so schmutzig, was wir taten, war an der Tagesordnung", so Hamilton, dem sein Olympiagold von 2004 wegen Dopings aberkannt worden war: "Armstrong entschied sich für Doping, aber es war nicht allein seine Schuld. Eine Menge Leute waren involviert." Hamilton gehört zu den ehemaligen Wegbegleitern, die Armstrong mit ihren Aussagen schwer belastet haben.

Der deutsche Top-Sprinter André Greipel distanzierte sich derweil in einem offenen Brief von Dopingpraktiken. "Sportliche Höchstleistung und Erfolge mit unlauteren Mitteln zu erreichen, ist nicht nur ein Tabu, sondern Betrug", schrieb Greipel. Der Kampf "gegen den ergaunerten Erfolg" müsse daher mit harten Mitteln unbedingt fortgesetzt werden. "Es gibt klare Regeln und Gesetze, und wer sich daran nicht hält, ist ein Betrüger und gehört den Regeln entsprechend sanktioniert", so der 30-Jährige.

Auch der höchstumstrittene Sportmediziner und frühere Arzt von Armstrong, Michele Ferrari, hat sich erneut zu Wort gemeldet und sämtliche Dopingvorwürfe der US-Antiodoping-Agentur Usada zurückgewiesen. "Die falschen Behauptungen gegen mich beruhen ausnahmslos auf Augenzeugenberichten, bei denen nie eine dritte Person anwesend war", schrieb Ferrari in einem Statement auf seiner Homepage. Gleichzeitig spekulierte der Italiener über eine "Verschwörung" der Usada. Ferrari soll laut Usada-Akten massiv in das Doping-System um Armstrong involviert gewesen sein. Der Mediziner sieht sich auch in seiner Heimat mit Dopingermittlungen konfrontiert.

jar/dpa/sid

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insgesamt 68 Beiträge
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Seite 1
randolftreutler 17.10.2012
1. Ich bin kein Fan des Doping, des Radsports aber...
Zitat von sysopREUTERSDie Doping-Enthüllungen haben weitreichende Konsequenzen für Lance Armstrong: Der US-Amerikaner ist als Vorsitzender seiner Krebsstiftung "Livestrong" zurückgetreten. Zudem verkündete der langjährige Sponsor Nike das sofortige Ende des Vertrags mit dem ehemaligen Radstar. http://www.spiegel.de/sport/sonst/doping-nike-trennt-sich-von-armstrong-a-861834.html
trotzdem nervt es mich...wie jetzt Lance Armstrong vorgeführt wird.....und ALLE ducken sich weg....als wenn keiner bei dem "Überflieger" im Radrennsport was gearnt hat....Ganz im Ernst....Schlimmer als Armstrong finde ich diese ganzen verlogenen Heuchler....egal aus welchem Lager sie stammen... Unsere Welt dreht sich genauso elendig weiter....ein Bauernopfer weniger....
PublicTender 17.10.2012
2.
Zitat von sysopREUTERSDie Doping-Enthüllungen haben weitreichende Konsequenzen für Lance Armstrong: Der US-Amerikaner ist als Vorsitzender seiner Krebsstiftung "Livestrong" zurückgetreten. Zudem verkündete der langjährige Sponsor Nike das sofortige Ende des Vertrags mit dem ehemaligen Radstar. http://www.spiegel.de/sport/sonst/doping-nike-trennt-sich-von-armstrong-a-861834.html
Köstlich. Welch guter Witz. Evtl. kann Nike ja mal erklären wer der UCI damals einen Megabatzen Geld in den korrupten Rachen geschleudert hat um Armstrongs positive Befunde "zu verlieren". War das der Weihnachtsmann? Nike ist einer der Hauptverantwortlichen für dieses kriminelle System. Danach kommen die Gangster von der UCI und erst zum Schluss, quasi als Bauernopfer, die Fahrer. Bin mal gespannt ob Astana jemals aufgedeckt wird. Geld tötet Sport, im professionellen Radsport überdeutlich zu sehen.
nickmason 17.10.2012
3.
Noch ist Nike auf der Homepage von Lance Armstrong als Sponsor aufgeführt, zusammen mit zehn weiteren Firmen. Es wird Zeit, dass sich das Feld lichtet und der ehemalige Sp(r)itzensportler endlich auch finanzielle Konsequenzen zu spüren bekommt. Die betrügerischen Einnahmen aus seinen aktiven Jahren dürften vielfach unter Verjährung fallen, oder zumindest von seinen damaligen Werbepartner nicht zu beanstandet werden, da ja fraglichen Zeit eine Werbewirksamkeit unbestritten ist. Aber die aktuellen Partner sollten sich ganz schnell verabschieden, auch um den Druck auf den amerikaner zu erhöhen doch endlich ein Geständnis abzulegen. Danach kann er dann Vortagsreisen machen nach dem Motto "Opa erzählt vom Krieg"...
stefan.schneider84 17.10.2012
4.
Und schon ist Felix Baumgartner überboten. Der springt aus 39 Kilometern, Lance fällt in's Bodenlose. Hoffentlich hat er seine Zeit als "The Boss" genossen. Wenn das hier rum ist, kann er nur hoffen, dass ein Milliönchen unentdeckt bleibt und er zumindest finanziell klar kommt. Prestige und Macht hat er verloren. Das wird ihn am härtesten treffen.
tobma 17.10.2012
5.
kein experte würde nike mit doping in verbindung bringen.
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