Doping-Prozess: Fuentes schaltet auf Angriff

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Eufemiano Fuentes: Notizbuch mit Namen im Safe weggeschlossen

Zweiter Tag im Fuentes-Prozess: Der spanische Arzt hat die Weitergabe von Epo an Sportler bestritten. Stattdessen nannte er den Namen eines ehemaligen Doping-Kunden. Der bezichtigte Ex-Radprofi Javier Gómez räumte daraufhin seinen Posten als Chef einer Jugendsportbehörde.

Hamburg - Der von einer zweijährigen Haftstrafe bedrohte Arzt Eufemiano Fuentes hat im Doping-Prozess ("Operación Puerto") am Mittwoch in Madrid die Weitergabe des leistungssteigernden Blutdopingmittels Epo bestritten. Dafür aber den Namen eines seiner früheren Kunden enthüllt. Der von Fuentes öffentlich bezichtigte frühere Radprofi Javier Gómez stellte daraufhin seinen Posten als Generaldirektor der Jugendstiftung der obersten Sportbehörde CSD zur Verfügung.

Der heute 38-jährige Gómez fuhr lange Zeit für das Team Kelme. Als Präsident des spanischen Verbandes der Profi-Radsportler (ACP) hatte er sich zuletzt mehrfach gegen Doping ausgesprochen. Der vielfach ausgezeichnete Funktionär war erst im Dezember 2012 zum Generaldirektor der Jugendstiftung der CSD ernannt worden. Gómez habe sich bei ihm "ohne jeden Einwand" wiederholt Bluttransfusionen unterzogen, sagte Fuentes jetzt vor Gericht.

Die rund 200 Sportler, die Fuentes allein zwischen 2003 und 2006 betreut haben soll, müssen nun befürchten, dass auch ihre Namen öffentlich werden. Der gelernte Gynäkologe Fuentes sagte, er habe ein Notizbuch mit den Namen all seiner Ex-Kunden in einem Safe gut verschlossen, "damit es mir niemand klaut". Er sei, wenn nötig, bereit, die Namen preiszugeben. "Wenn man wissen will, wer diese Sportler waren, kein Problem", sagte er, betonte aber auch: "Ich glaube, hier wird über eine wichtigere Sache verhandelt, und zwar ob das, was gemacht wurde, gut war oder nicht."

Fuentes bestreitet Epo-Weitergabe an Sportler

Die Vorsitzende Richterin Julia Patricia Santamaría ließ am Mittwoch allerdings wissen, sie werde Fuentes nicht zur Herausgabe von Namen auffordern. Am Dienstag hatte Fuentes bereits eingeräumt, er habe nicht nur Radprofis, sondern auch Boxer, Fußballer, Tennisspieler und Leichtathleten betreut. Zuvor hatte Santamaría am Dienstag entschieden, dass die Justiz die Daten aus dem persönlichen Computer des Mediziners nicht preisgeben wird. Die Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) hatte als Nebenkläger einen entsprechenden Antrag gestellt. Einer freiwilligen Enthüllung von Namen durch Fuentes werde sie sich allerdings nicht widersetzen, so Santamaría.

Obwohl in mindestens acht der über 200 bei ihm sichergestellten Blutbeuteln Reste von Epo entdeckt wurden, bestritt Fuentes am Mittwoch, dass er das verbotene leistungssteigernde Blutdopingmittel weitergegeben habe. Die gefundenen geringen Epo-Reste könnten nur von früheren Behandlungen von Sportlern stammen, die aber nicht von ihm durchgeführt worden seien. "Es gibt keine andere Erklärung", beteuerte der Mediziner. Außer den gängigen Konservierungsmitteln sei dem Blut bei den Transfusionen, mit denen er Sportler behandelt habe, "nie ein anderes Produkt zugefügt worden", sagte Fuentes.

Die Doping-Tätigkeit von Fuentes war im Vorfeld der Tour de France 2006 aufgeflogen. Bei der sogenannten "Operación Puerto" hatte die spanische Polizei im Mai 2006 die Blutbeutel und weitere Dopingmittel beschlagnahmt sowie neben Fuentes weitere Personen verhaftet. Den Vorwurf der Anklage, die Gesundheit seiner Patienten gefährdet zu haben, bestreitet der Mediziner. Er habe Bluttransfusionen bei Hochleistungssportlern vorgenommen, weil deren Blut bei Wettkämpfen einen gefährlich niedrigen Hämatokritwert aufgewiesen habe.

Neben Fuentes sind dessen Schwester Yolanda und drei ehemalige Manager von Radrennställen angeklagt. Die Staatsanwaltschaft hatte für sie je zwei Jahre Haft und ein zweijähriges Berufsverbot gefordert. Der Urteilsspruch wird nicht vor April erwartet.

luk/dpa

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insgesamt 6 Beiträge
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1. Alles klar und wie befürchtet.
horstma 30.01.2013
"Die Vorsitzende Richterin Julia Patricia Santamaría ließ am Mittwoch allerdings wissen, sie werde Fuentes nicht zur Herausgabe von Namen auffordern." Daran kann man ablesen, wie ernst es der spanischen Justiz ist, diesen Fall wirklich aufzuklären. Denn unter den 200 Namen könnten ja noch weitere Spanier sein, Nationalhelden...
2. was für eine Farce
msw04 30.01.2013
Die Richterin sagt, sie wolle die Namen der Sportler nicht wissen? Das ist eine Geschichte aus Absurdistan. Und wir hier im Westen schicken Soldaten in alle Welt und faseln was vom Rechtsstaat, den man anderen Völkern mit Waffengewalt beibringen möchte und erzählen uns/denen etwas von einer unabhängigen Justiz.... selten so gelacht, wie im Fall Fuentes. Was für ein erbärmliches, inszeniertes Schauspiel...
3.
fussball11 30.01.2013
Es sind doch nicht die Radfahrer die korrupt sind, es ist das System des Profisports. Nur weil Radfahrer keine "Beschützer" haben hat man sie auf dem "Altar der Gerechten" ausgeweidet. Natürlich will man Fuentes Liste nicht lesen, das ist doch klar seit dem der spanische Oberstaatsanwalt der Polizei verboten hat Fuentes Laptop auszuwerten.
4. Spanisches Recht
noalk 30.01.2013
Es ist schon erstaunlich, mit welcher Arroganz hier dieser Fall kommentiert wird. In Spanien gilt spanisches Recht, nicht deutsches. Jeder Angeklagte hat das Recht, die Rechtsmittel zu nutzen, die ihm zur Verfügung stehen; nichts anderes würde jeder Forist hier auch machen. Das ist eben ein Charakteristikum eines Rechtsstaates, und das ist auch gut so. Warum sollte die Richterin Fuentes zu etwas auffordern, dem er nicht nachzukimmen verpflichtet ist? Doping war 2006 in Spanien nun mal nicht strafbar, in Deutschland lange Zeit auch nicht.
5. Nicht korrupt
stimmtdas 30.01.2013
Korrupt kann man kriminell nennen. Doping ist kriminell. Ziemlich einfach wenn man logisch denkt.
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