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Russen-Doping: Rusada nennt ARD-Vorwürfe "schamlos"

Biathlon-Coach Pichler (l.): "Wird immer schwarze Schafe geben" Zur Großansicht
DPA

Biathlon-Coach Pichler (l.): "Wird immer schwarze Schafe geben"

Die russische Anti-Doping-Agentur hat mit Empörung auf die Vorwürfe der ARD reagiert, man vertusche in Russland Dopingvergehen. Dagegen hat der ehemalige Biathlon-Coach der Russen "das Gefühl gehabt, dass da irgendwas läuft".

Hamburg - Die russische Anti-Doping-Agentur Rusada hat die ARD-ARD-Berichte über staatlich unterstütztes Doping und massive Korruption im russischen Sport als Spekulation bezeichnet. "Wir haben keine wirklichen Dokumente, die jene Anschuldigungen bekräftigen", sagte Rusada-Generaldirektor Nikita Kamajew: "Solange es kein offizielles Gesuch der Welt-Anti-Doping-Agentur in dieser Sache gibt, sind dies für uns nichts anderes als schamlose Spekulationen."

Die ARD-Sendung "Geheimsache Doping: Wie Russland seine Sieger macht" hatte am Mittwoch zahlreiche Zeugenaussagen und belastende Dokumente zu systematischem Doping im russischen Spitzensport geliefert. Dabei waren vor allem der russische Leichtathletik-Verband sowie deren Präsident Walentin Balachnitschew, gleichzeitig Schatzmeister des Weltverbandes IAAF, belastet worden.

Der frühere russische Frauentrainer Wolfgang Pichler hat systematisches Doping bei den russischen Biathleten ausgeschlossen. "Es wird immer schwarze Schafe geben. Aber alle, das ist Schmarrn", sagte er. Zugleich hält er es aber für vorstellbar, dass im Zuge der Vorbereitung auf die Olympischen Spiele in Sotschi im Auftrag des Sportministeriums am Verband vorbei eine Gruppe von Athleten aufgebaut wurde, "die gezielt für die Heimspiele an den anderen vorbei vorbereitet wurde".

"Das kann nur von ganz oben gekommen sein"

Pichler hatte in der vergangenen Saison Olga Saizewa, Jekaterina Glasyrina, Swetlana Slepzowa, Jana Romanowa und Jekaterina Schumilowa betreut. "Für diese Athletinnen lege ich meine Hand ins Feuer", sagte Pichler. Zugleich wurde aber eine Konkurrenzgruppe aufgemacht, aus der die letzten beiden Epo-Dopingsünderinnen Jekaterina Jurjewa als Wiederholungstäterin und Olga Starych erwischt und gesperrt wurden. Auch Nachwuchshoffnung Alexander Loginow wurde positiv getestet.

"Wir hatten immer das Gefühl, das irgendwas läuft. Ich glaube, dass das vom Sportministerium am Verband vorbei gesteuert wurde. Die haben das ziemlich gezielt mit ein paar Athleten probiert", erklärte Pichler, der sich seit Jahren vehement gegen Doping eingesetzt. Russland habe nach den schwachen Leistungen bei den Olympischen Spielen 2010 unter massivem Druck gestanden, zumal in dem Riesenreich Biathlon eine der wichtigsten Sportarten ist.

"Die hatten in Sotschi Angst, dass sie keine Medaillen holen. Aber ich bin überzeugt, dass andere Trainer nichts gewusst haben, zumal die frühere russische Verbandsführung gegen Doping gekämpft hat", erklärte der jetzt wieder fürs schwedische Team arbeitende Pichler und ergänzte: "Das kann nur von ganz oben gekommen sein. Denn sonst wären nach den Dopingfällen die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen worden, und das ist nicht passiert."

aha/sid/dpa

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insgesamt 9 Beiträge
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1. Nehmen wir den Inhalt des Forums vorweg
wdiwdi 04.12.2014
Wenn über Doping bei Lance Armstrong oder anderen Radrennfahrern berichtet wird, oder die Vorgänge in der Freiburger Sportmedizin beleuchtet werden, ist das der Beweis für den Niedergang des Kapitalismus im Spätstadium. Wenn vergleichbare Vorgänge in Russland ans Licht kommen, ist das bösartige antirussische Propaganda, wenn nicht gar Kriegstreiberei.
2. Nehmen wir den Inhalt des Forums vorweg
esowatcher 04.12.2014
Zitat von wdiwdiWenn über Doping bei Lance Armstrong oder anderen Radrennfahrern berichtet wird, oder die Vorgänge in der Freiburger Sportmedizin beleuchtet werden, ist das der Beweis für den Niedergang des Kapitalismus im Spätstadium. Wenn vergleichbare Vorgänge in Russland ans Licht kommen, ist das bösartige antirussische Propaganda, wenn nicht gar Kriegstreiberei.
Das wird kaum vermeidbar sein. Was man so hört ist das Soll eines Trolls aus St.Petersburg etwa 100 kleine Beiträge und 10 längere Blogs. Ist gar nicht so einfach das unterzubringen, vor allem weil nicht mehr zu jedem Thema ein Blog geöffnet wird :-)
3. Deutschland hat es nötig
barzussek 04.12.2014
über Doping aufzuregen Hier hat auch das Innenministerium Doping bezahlt und die Freiburger Sport Medizin hat ganze Arbeit geleistet
4.
Immanuel_Goldstein 04.12.2014
Zitat von wdiwdiWenn über Doping bei Lance Armstrong oder anderen Radrennfahrern berichtet wird, oder die Vorgänge in der Freiburger Sportmedizin beleuchtet werden, ist das der Beweis für den Niedergang des Kapitalismus im Spätstadium. Wenn vergleichbare Vorgänge in Russland ans Licht kommen, ist das bösartige antirussische Propaganda, wenn nicht gar Kriegstreiberei.
Wer behauptet das? Jeder weiß doch längst, dass in aller Welt hemmungslos gedopt wird und zwar in fast jeder Sportart. Da ist Russland nicht anders, als der Rest der Welt. Leute verabschiedet euch von der Vorstellung, es gäbe sauberen Spitzensport. Das ist alles ein Märchen.
5.
CancunMM 04.12.2014
Zitat von barzusseküber Doping aufzuregen Hier hat auch das Innenministerium Doping bezahlt und die Freiburger Sport Medizin hat ganze Arbeit geleistet
Mein Gott was wollen Sie denn. Wird in Russland gedopt darf man sich aufregen. In unserer Presse wird auch über Armstong, Ulrich, Baumann usw. berichtet. Ist nicht nur die russische Erde heilig, sondern jetzt auch gleich alle Sportler und gar der russische Mensch als solches. Macht euch nicht lächerlich.
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Kampf gegen Doping
Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada)
Am 10. November 1999 wurde auf Initiative des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) die unabhängige Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) in Lausanne gegründet. Zusammen mit den nationalen NOKs und staatlichen Organisationen will die Wada die internationale Dopingbekämpfung fördern und einheitliche Standards für Kontrollen in allen Ländern schaffen. Das Anti-Doping-Programm der Wada wurde im März 2003 von allen Delegierten der internationalen Sportverbände, der Regierungen und dem IOC auf der Welt-Anti-Doping-Konferenz in Kopenhagen angenommen. Der Welt-Anti-Doping-Codex löste im darauffolgenden Jahr den Anti-Doping-Code der Olympischen Bewegung ab und gilt seit den Spielen in Athen 2004 auch für die Olympischen Spiele.
Welt-Anti-Doping-Programm
Der Welt-Anti-Doping-Codex löste 2004 den Anti-Doping-Code der Olympischen Bewegung ab und gilt seit den Spielen in Athen im selben Jahr auch für die Olympischen Spiele. Das Programm besteht aus drei Ebenen: 1. Welt-Anti-Doping-Code (WADC), 2. Vier Internationale Standards, 3. Erarbeitungen von Empfehlungen für die bestmögliche praktische Umsetzung durch Anti-Doping-Organisationen und Verbände.
Welt-Anti-Doping-Code (WADC)
Der Welt-Anti-Doping-Code wurde erstmalig im Jahre 2003 verabschiedet und ist das Basisdokument des Welt-Anti-Doping-Programms. 2004 traten das Programm und der Codex in Kraft. Der überarbeitete Welt-Anti-Doping-Code ist seit dem 1. Januar 2009 gültig. Er vereinheitlicht Regeln und Verfahren, die bisher von Land zu Land und von Sportart zu Sportart verschieden waren und regelt die Verantwortlichkeiten der einzelnen Interessengruppen. Der Code stellt keine Definition des Dopings mehr auf, sondern bezeichnet Doping als einen Verstoß gegen nachfolgende Bestimmungen: Nachweis oder Gebrauch einer verbotenen Substanz oder Methode, Verweigerung einer Dopingkontrolle und Verletzung der Informationspflicht über den Aufenthaltsort sowie Verfälschung einer Dopingkontrolle und Besitz oder Handel von Substanzen durch einen Athleten oder sein Umfeld.
Internationale Standards
Sie ergänzen die Anforderungen des Codes durch nähere Beschreibungen und sollen dazu beitragen, national übergreifend einheitliche Formen für die Anti-Doping-Arbeit zu schaffen. Dies betrifft insbesondere die Dopingliste, die Dopingkontrolle Dopinglabors und Ausnahmebewilligungen für Medikamente.
Verbotene Substanzen
Die Dopingliste gilt weltweit und wird durch eine spezielle Kommission der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) erstellt. Sie wird jedes Jahr erneuert und tritt jeweils am 1. Januar in Kraft. Auf der Liste werden nur Wirkstoffe und Methoden veröffentlicht, die mindestens zwei von drei Kriterien entsprechen: Gemäß medizinischen oder anderen wissenschaftlichen Erkenntnissen hat der Wirkstoff oder die Methode das Potential zur Leistungssteigerung im Sport. Gemäß medizinischen oder anderen wissenschaftlichen Erkenntnissen besitzt der Wirkstoff oder die Methode ein aktuelles oder potentielles Gesundheitsrisiko. Gemäß Wada verstößt die Anwendung des Wirkstoffs oder der Methode gegen die Ethik im Sport. Zu den verbotenen Substanzklassen, die teilweise ganz oder nur im Wettkampf verboten sind, gehören: 1. Alkohol, 2. Anabolika , 3. Antiöstrogene , 4. Beta-2-Agonisten , 5. Betablocker , 6. Cannabinoide (Cannabis, Haschisch, Marihuana) , 7. Glucocorticoide , 8. Hormone , 9. Maskierende Substanzen und Diuretika , 10. Narkotika , 11. Stimulanzien . Für Alkohol und Betablocker gibt es in einigen Sportarten Ausnahmen, sie werden nicht von allen internationalen Sportverbänden verboten.
Verbotene Methoden
Seit dem 1. Januar 2003 werden die verbotenen Dopingmethoden genauer beschrieben und in drei Kategorien unterteilt: 1. Erhöhung der Transportkapazität für Sauerstoff ( Blutdoping ), 2. chemische und physikalische Manipulation, 3. Gendoping . Die Anwendung verbotener Methoden ist innnerhalb als auch außerhalb des Wettkampfs verboten.
Kontrollregularien

Für Athletinnen und Athleten bestehen je nach Leistungsniveau unterschiedliche Bestimmungen zu der obligatorischen Meldepflicht. Die Ein-Stunden-Regelung verpflichtet bestimmte Athleten für jeden Tag eine Stunde zu benennen, in der sie für eine mögliche Dopingkontrolle zur Verfügung stehen. Die genaue Stunde muss jeweils am Ende eines Quartals für die nächsten drei Monate im Voraus benannt werden, darf aber innerhalb von 24 Stunden verändert und aktualisiert werden. Wird der Athlet in dieser Stunde vom Kontrolleur nicht am benannten Ort angetroffen, wird ein sogenannter Strike für das Kontrollversäumnis ausgesprochen. Wenn ein Sportler innerhalb von 18 Monaten drei Verwarnungen kassiert hat, muss er mit einer Sperre von bis zu zwei Jahren rechnen. Strikes von verschiedenen Organisationen ( Wada , Nada sowie zuständigem internationalem Verband) werden addiert.

Die Ein-Stunden-Regelung wird durch die Angabe von Aufenthaltsdaten zum Ende eines Quartals für jeden Tag der darauffolgenden drei Monate ergänzt. Wird ein Athlet bei einer Stichprobe nicht am angegebenen Ort angetroffen, kann ebenfalls ein Strike erteilt werden. Mannschaftssportler aus gering gefährdeten Sportarten werden in Mannschafts-Whereabouts getestet. Dafür melden die Vereine der Nada die Trainingspläne der Mannschaft.

Aufgrund des seit Beginn 2009 gültigen neuen Nada-Codes werden Athleten je nach Risikobewertung der Agentur für Doping in drei unterschiedliche Testpools eingeordnet und unterliegen verschiedenen Meldepflichten: Im International Registered Testing Pool (RTP) sind rund 1400 Athleten zusammengefasst, zu denen A-Kader und A-Nationalteams der Sportarten der Gefährdungsstufe I gehören. Sie müssen nicht nur bis zum 25. des Vormonats Angaben über Aufenthaltsort und Erreichbarkeit für ein Quartal machen, sondern auch die Ein-Stunden-Regelung beachten. Im Nationalen Testpool (NTP) für Kader-Athleten der Gefährdungsstufe II und III gilt diese Regel nicht. Alle anderen Athleten werden im Allgemeinen Testpool (ATP) zusammengefasst.


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