Betrug durch Doping: US-Justizministerium klagt gegen Armstrong
Lance Armstrong muss sich mit einer weiteren Klage auseinandersetzen: Nach seinem Doping-Geständnis hat das US-Justizministerium angekündigt, den Texaner wegen Betrugs vor Gericht bringen zu wollen. Der Radstar habe dem staatlichen Unternehmen U.S. Postal erheblich geschadet.
Hamburg - Das US-Justizministerium schließt sich der Klage des früheren Radprofis Floyd Landis gegen Lance Armstrong wegen Betrugs an. Das teilte die Behörde am Freitag in Washington mit, die Anwälte des 41-Jährigen bestätigten das Vorgehen. Als Radprofi soll Armstrong den Sponsor US Postal, den United States Postal Service, über ein Jahrzehnt hintergangen haben, indem er verbotene leistungssteigernde Substanzen einnahm.
Das Unternehmen war Namensgeber und Hauptsponsor des Radteams, dessen Star Armstrong von 1998 bis 2004 war. In diesen Jahren hatte er sechs seiner sieben Tour-de-France-Titel (1999 bis 2004) gewonnen. In Armstrongs Zeit pumpte der staatliche Konzern rund 40 Millionen Dollar in den Radsport. Eine Vereinbarung mit den Fahrern untersagte die Einnahme von verbotenen Substanzen. Dagegen hat Armstrong verstoßen, US Postal soll somit ein erheblicher Schaden entstanden sein.
Das bestreiten die Verteidiger Armstrongs allerdings. Die Verhandlungen mit der Regierung seien deshalb gescheitert, sagte der Anwalt Robert Luskin. "Interne Untersuchungen von U.S. Postal haben ergeben, dass das Unternehmen enorm von der Sponsoring-Partnerschaft profitiert hat, mehr als 100 Millionen US-Dollar sollen so eingenommen worden sein."
Die Usada hatte das Ministerium zur Klage aufgefordert
Kurz zuvor war bekannt geworden, dass die US-Anti-Doping-Behörde Usada das Justizministerium bereits vor über einem Monat aufgefordert hatte, gemeinsam mit Armstrongs ehemaligem Teamkollegen Landis zu klagen. Landis war 2006 wegen Dopings von der Tour de France ausgeschlossen worden. Ein entsprechender Brief von Usada-Chef Travis Tygart ist auf den 14. Januar datiert - just der Tag, an dem der siebenmalige Tour-de-France-Sieger Armstrong in einem Interview zugab, gedopt zu haben.
Anfang Februar hatte die Versicherungsgesellschaft SCA Promotions den Ex-Radstar beim Amtsgericht in Dallas auf eine Rückzahlung von zwölf Millionen US-Dollar (knapp neun Millionen Euro) verklagt. Auch die Vereinigung für einen glaubwürdigen Radsport, MPCC, hatte angekündigt, den Texaner wegen Rufschädigung und Betrugs vor Gericht bringen zu wollen.
Am Mittwoch hatte Tim Herman, ein weiterer Anwalt Armstrongs, mitgeteilt, dass Armstrong nicht mit der Usada zusammenarbeiten würde. Der Texaner werde nicht wie verlangt unter Eid vor dem Gremium aussagen, um sein ganzes Wissen über Dopingpraktiken im Radsport offenzulegen, ließ Herman verlauten.
Die Usada hatte den Amerikaner, der wegen Dopings alle seine sieben Siege bei der Tour de France verloren hatte, aufgefordert zu kooperieren. Nur dann könne Armstrong auf eine Reduzierung seiner lebenslangen Sperre hoffen. Nach jahrelangem Schweigen hatte der 41-jährige Armstrong in der Talkshow von Oprah Winfrey Doping gestanden, aber keine weiteren Details preisgegeben.
psk/AP
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