Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Dopingstudie: Gericht verweigert vollständige Akteneinsicht

Dopingstudie: Kein Zugang für Journalisten Zur Großansicht
DPA

Dopingstudie: Kein Zugang für Journalisten

Das umfassende Material zur Dopingstudie der Humboldt-Universität bleibt unter Verschluss. Ein Journalist hatte einen Eilantrag auf Einsicht in die Unterlagen gestellt, das Berliner Verwaltungsgericht wies diesen jedoch zurück.

Hamburg - Das Verwaltungsgericht Berlin erlaubt Pressevertretern keine Einsicht in die 804 Seiten umfassende Studie "Doping in Deutschland von 1950 bis heute" sowie in deren Vorentwürfe und Vorgängerstudien. "Der presserechtliche Auskunftsanspruch erstreckt sich nicht auf eine Akteneinsicht", hieß es in einer Mitteilung des Gerichts.

Ein Journalist hatte per einstweiliger Anordnung den vollständigen Informationszugang gefordert. Die 27. Kammer des Verwaltungsgerichts wies den Eilantrag jedoch zurück. Der Auskunftsanspruch sei allein auf die Beantwortung konkreter Fragen, nicht aber auf Informationszugang gerichtet. Gegen den Beschluss kann Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg eingelegt werden.

Aus der Studie der Humboldt-Universität (HU) Berlin geht hervor, dass in der Bundesrepublik Deutschland spätestens seit Beginn der siebziger Jahre offenbar in zahlreichen Sportarten systemisch und organisiert gedopt wurde.

Das Bundesinstitut für Sportwissenschaft (BISp), das die Studie 2008 in Auftrag gegeben hatte, hatte den lange zurückgehaltenen Abschlussbericht auf Druck der Öffentlichkeit freigegeben und auf seiner Internetseite publiziert - allerdings eine deutlich gekürzte Version.

psk/sid

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 13 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Das Urteil macht den Bericht doch jetzt erst richtig interessant...
Georg_Alexander 05.09.2013
Offensichtlich gibt es da etwas zu verbergen, was möglicherweise noch heute von Belang ist?
2. Gerichte
reinero59 05.09.2013
das zeigt wieder das die unteren Instanzen deutscher Gerichte eben nicht unabhängig sind. Ich kann mir gut vorstellen das dieser Bericht Dinge enthält die namhafte Politiker der CDU/CSU und FDP in keinem guten Licht zeigen und es deshalb nicht erwünscht ist das die Presse von den Machenschaften der damaligen verantwortlichen Innenminister erfährt. Ich empfinde es mehr als bedenklich, wenn in unserer sogenannten Demokratie immer mehr von Politik und Justiz versucht wird, Vorfälle zu vertuschen. Demokratie lebt von dem Vertrauen das die Bürger zu den politisch Verantwortlichen haben müssen, wird dieses Vertrauen zerstört, wird auch die Demokratie in unserem Land zerstört. Die große Anzahl der Nichtwähler die sich seit Jahrzehnten schon von der Politik verabschiedet haben zeigt wie weit der Verfall unserer Demokratie schon fortgeschritten ist.
3. Machterhalt
juerler@saxonia.net 05.09.2013
Zitat von sysopDPADas umfassende Material zur Doping-Studie der Humboldt-Universität bleibt unter Verschluss. Ein Journalist hatte einen Eilantrag auf Einsicht in die Unterlagen gestellt, das Berliner Verwaltungsgericht wies diesen jedoch zurück. http://www.spiegel.de/sport/sonst/doping-studie-gericht-verweigert-journalisten-vollstaendige-akteneinsicht-a-920584.html
kurz vor der Wahl! So sieht die Unabhängigkeit der Justiz aus in einer sogenannten Demokratie. Die Presse hält sich auffallend zurück, genau wie bei NSA........ Bei der Stasi und Doping Made DDR ging eine monatelange Hetzjagt über die Bühne und die Stasi muss immer noch für Fehler der BRD herhalten. Ein feines System. Wenn es um Machterhalt geht sind alle Mittel recht-man biegt sich die Demokratie zurecht. Es wird noch besser werden, lassen Sie die ersten massiven Demonstrationen vorüber-dagegen war Stuttgart 21 nix.
4. Stimmt!
teletube 05.09.2013
Zitat von reinero59das zeigt wieder das die unteren Instanzen deutscher Gerichte eben nicht unabhängig sind. Ich kann mir gut vorstellen das dieser Bericht Dinge enthält die namhafte Politiker der CDU/CSU und FDP in keinem guten Licht zeigen und es deshalb nicht erwünscht ist das die Presse von den Machenschaften der damaligen verantwortlichen Innenminister erfährt. Ich empfinde es mehr als bedenklich, wenn in unserer sogenannten Demokratie immer mehr von Politik und Justiz versucht wird, Vorfälle zu vertuschen. Demokratie lebt von dem Vertrauen das die Bürger zu den politisch Verantwortlichen haben müssen, wird dieses Vertrauen zerstört, wird auch die Demokratie in unserem Land zerstört. Die große Anzahl der Nichtwähler die sich seit Jahrzehnten schon von der Politik verabschiedet haben zeigt wie weit der Verfall unserer Demokratie schon fortgeschritten ist.
Nicht nur das: Unsere glorreiche Regierung verhindert auch die Weiterfinanzierung der Dopinguntersuchungen ab 1990. Das riecht förmlich nach einer Vertuschungsaktion. Jetzt gehe ich womöglich doch wählen, und sei es nur, um gegen diese widerliche Klientelregierung eine Stimme zu generieren (nicht weil mich andere Parteien restlos überzeugen).
5.
sprechweise 05.09.2013
Zitat von reinero59das zeigt wieder das die unteren Instanzen deutscher Gerichte eben nicht unabhängig sind. Ich kann mir gut vorstellen das dieser Bericht Dinge enthält die namhafte Politiker der CDU/CSU und FDP in keinem guten Licht zeigen und es deshalb nicht erwünscht ist das die Presse von den Machenschaften der damaligen verantwortlichen Innenminister erfährt. Ich empfinde es mehr als bedenklich, wenn in unserer sogenannten Demokratie immer mehr von Politik und Justiz versucht wird, Vorfälle zu vertuschen. Demokratie lebt von dem Vertrauen das die Bürger zu den politisch Verantwortlichen haben müssen, wird dieses Vertrauen zerstört, wird auch die Demokratie in unserem Land zerstört. Die große Anzahl der Nichtwähler die sich seit Jahrzehnten schon von der Politik verabschiedet haben zeigt wie weit der Verfall unserer Demokratie schon fortgeschritten ist.
Wirklich unabhängig dürfen Gerichte auch nicht sein, sollten nach Gerechtigkeit streben (wobei dies die meisten Juristen als naiv hinstellen wollen) Der Titel heißt "Doping in Deutschland von 1950 bis heute". In dieser Zeit gab es genügend SPD geführte Bundes- und Landesregierungen. Berlin wird derzeit von SPD/Linke regiert. Also falls es eine politische Einflussnahme in diesem Fall gibt (wovon ich derzeit nicht ausgehe), dann doch von der SPD und den Linken!
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Fotostrecke
Doping: Auch der Westen machte mit

Kampf gegen Doping
Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada)
Am 10. November 1999 wurde auf Initiative des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) die unabhängige Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) in Lausanne gegründet. Zusammen mit den nationalen NOKs und staatlichen Organisationen will die Wada die internationale Dopingbekämpfung fördern und einheitliche Standards für Kontrollen in allen Ländern schaffen. Das Anti-Doping-Programm der Wada wurde im März 2003 von allen Delegierten der internationalen Sportverbände, der Regierungen und dem IOC auf der Welt-Anti-Doping-Konferenz in Kopenhagen angenommen. Der Welt-Anti-Doping-Codex löste im darauffolgenden Jahr den Anti-Doping-Code der Olympischen Bewegung ab und gilt seit den Spielen in Athen 2004 auch für die Olympischen Spiele.
Welt-Anti-Doping-Programm
Der Welt-Anti-Doping-Codex löste 2004 den Anti-Doping-Code der Olympischen Bewegung ab und gilt seit den Spielen in Athen im selben Jahr auch für die Olympischen Spiele. Das Programm besteht aus drei Ebenen: 1. Welt-Anti-Doping-Code (WADC), 2. Vier Internationale Standards, 3. Erarbeitungen von Empfehlungen für die bestmögliche praktische Umsetzung durch Anti-Doping-Organisationen und Verbände.
Welt-Anti-Doping-Code (WADC)
Der Welt-Anti-Doping-Code wurde erstmalig im Jahre 2003 verabschiedet und ist das Basisdokument des Welt-Anti-Doping-Programms. 2004 traten das Programm und der Codex in Kraft. Der überarbeitete Welt-Anti-Doping-Code ist seit dem 1. Januar 2009 gültig. Er vereinheitlicht Regeln und Verfahren, die bisher von Land zu Land und von Sportart zu Sportart verschieden waren und regelt die Verantwortlichkeiten der einzelnen Interessengruppen. Der Code stellt keine Definition des Dopings mehr auf, sondern bezeichnet Doping als einen Verstoß gegen nachfolgende Bestimmungen: Nachweis oder Gebrauch einer verbotenen Substanz oder Methode, Verweigerung einer Dopingkontrolle und Verletzung der Informationspflicht über den Aufenthaltsort sowie Verfälschung einer Dopingkontrolle und Besitz oder Handel von Substanzen durch einen Athleten oder sein Umfeld.
Internationale Standards
Sie ergänzen die Anforderungen des Codes durch nähere Beschreibungen und sollen dazu beitragen, national übergreifend einheitliche Formen für die Anti-Doping-Arbeit zu schaffen. Dies betrifft insbesondere die Dopingliste, die Dopingkontrolle Dopinglabors und Ausnahmebewilligungen für Medikamente.
Verbotene Substanzen
Die Dopingliste gilt weltweit und wird durch eine spezielle Kommission der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) erstellt. Sie wird jedes Jahr erneuert und tritt jeweils am 1. Januar in Kraft. Auf der Liste werden nur Wirkstoffe und Methoden veröffentlicht, die mindestens zwei von drei Kriterien entsprechen: Gemäß medizinischen oder anderen wissenschaftlichen Erkenntnissen hat der Wirkstoff oder die Methode das Potential zur Leistungssteigerung im Sport. Gemäß medizinischen oder anderen wissenschaftlichen Erkenntnissen besitzt der Wirkstoff oder die Methode ein aktuelles oder potentielles Gesundheitsrisiko. Gemäß Wada verstößt die Anwendung des Wirkstoffs oder der Methode gegen die Ethik im Sport. Zu den verbotenen Substanzklassen, die teilweise ganz oder nur im Wettkampf verboten sind, gehören: 1. Alkohol, 2. Anabolika , 3. Antiöstrogene , 4. Beta-2-Agonisten , 5. Betablocker , 6. Cannabinoide (Cannabis, Haschisch, Marihuana) , 7. Glucocorticoide , 8. Hormone , 9. Maskierende Substanzen und Diuretika , 10. Narkotika , 11. Stimulanzien . Für Alkohol und Betablocker gibt es in einigen Sportarten Ausnahmen, sie werden nicht von allen internationalen Sportverbänden verboten.
Verbotene Methoden
Seit dem 1. Januar 2003 werden die verbotenen Dopingmethoden genauer beschrieben und in drei Kategorien unterteilt: 1. Erhöhung der Transportkapazität für Sauerstoff ( Blutdoping ), 2. chemische und physikalische Manipulation, 3. Gendoping . Die Anwendung verbotener Methoden ist innnerhalb als auch außerhalb des Wettkampfs verboten.
Kontrollregularien

Für Athletinnen und Athleten bestehen je nach Leistungsniveau unterschiedliche Bestimmungen zu der obligatorischen Meldepflicht. Die Ein-Stunden-Regelung verpflichtet bestimmte Athleten für jeden Tag eine Stunde zu benennen, in der sie für eine mögliche Dopingkontrolle zur Verfügung stehen. Die genaue Stunde muss jeweils am Ende eines Quartals für die nächsten drei Monate im Voraus benannt werden, darf aber innerhalb von 24 Stunden verändert und aktualisiert werden. Wird der Athlet in dieser Stunde vom Kontrolleur nicht am benannten Ort angetroffen, wird ein sogenannter Strike für das Kontrollversäumnis ausgesprochen. Wenn ein Sportler innerhalb von 18 Monaten drei Verwarnungen kassiert hat, muss er mit einer Sperre von bis zu zwei Jahren rechnen. Strikes von verschiedenen Organisationen ( Wada , Nada sowie zuständigem internationalem Verband) werden addiert.

Die Ein-Stunden-Regelung wird durch die Angabe von Aufenthaltsdaten zum Ende eines Quartals für jeden Tag der darauffolgenden drei Monate ergänzt. Wird ein Athlet bei einer Stichprobe nicht am angegebenen Ort angetroffen, kann ebenfalls ein Strike erteilt werden. Mannschaftssportler aus gering gefährdeten Sportarten werden in Mannschafts-Whereabouts getestet. Dafür melden die Vereine der Nada die Trainingspläne der Mannschaft.

Aufgrund des seit Beginn 2009 gültigen neuen Nada-Codes werden Athleten je nach Risikobewertung der Agentur für Doping in drei unterschiedliche Testpools eingeordnet und unterliegen verschiedenen Meldepflichten: Im International Registered Testing Pool (RTP) sind rund 1400 Athleten zusammengefasst, zu denen A-Kader und A-Nationalteams der Sportarten der Gefährdungsstufe I gehören. Sie müssen nicht nur bis zum 25. des Vormonats Angaben über Aufenthaltsort und Erreichbarkeit für ein Quartal machen, sondern auch die Ein-Stunden-Regelung beachten. Im Nationalen Testpool (NTP) für Kader-Athleten der Gefährdungsstufe II und III gilt diese Regel nicht. Alle anderen Athleten werden im Allgemeinen Testpool (ATP) zusammengefasst.


Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: