Doping-Studie Umstrittener Bericht offenbar gekürzt

Der Druck der Öffentlichkeit hat gewirkt: Das Bundesinstitut für Sportwissenschaft hat die brisante Studie zum Doping in der Bundesrepublik Deutschland veröffentlicht. Der Bericht ist allerdings deutlich gekürzt worden - es fehlen laut der "Süddeutschen Zeitung" Namen von einflussreichen Politikern.

Symbolfoto: Abschlussbericht fehlen Details
DPA

Symbolfoto: Abschlussbericht fehlen Details


Hamburg - Das Bundesinstitut für Sportwissenschaft (BISp) hat am Montag wie angekündigt den Abschlussbericht der Studie "Doping in Deutschland von 1950 bis heute" von der Humboldt Universität Berlin (HU) veröffentlicht. Der inhaltliche Teil umfasst 117 Seiten, auf denen dargestellt wird, dass Dopingforschung in Westdeutschland zum Zwecke der Leistungssteigerung von staatlichen Stellen geduldet und gefördert wurde, Staat und Sport-Verbänden seien bis zur Wendezeit schwere Versäumnisse anzulasten.

In dem Sinne sind es keine neuen Erkenntnisse zu dem, was schon bekannt war. Allerdings wirft die Länge des nun veröffentlichten und mit dem 30. März 2013 datierten Abschlussberichts Fragen auf. Nach Angaben der "Süddeutschen Zeitung" (SZ) ist die ein paar Monate ältere Version, die der "SZ" vorliegt und ebenfalls den Titel "Abschlussbericht" trägt, rund 680 Seiten länger.

Es würden zwar "keine grundsätzlichen Thesen" fehlen, dafür aber Details wie Zeitzeugenberichte und "einige Namen, zum Beispiel von einflussreichen Politikern", schreibt die "SZ". Die HU habe den Bericht auf Weisung des BISp eingekürzt. Begründung: Ein Abschlussbericht müsse bestimmte formale Kriterien erfüllen.

Derweil hat der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) bekannt gegeben, dass er die Studie von einer neuen Kommission analysieren lässt. Das kündigte DOSB-Präsident Thomas Bach am Abend im "heute journal" des ZDF an. Die Leitung der Kommission soll der frühere Bundesverfassungsrichter Udo Steiner übernehmen. "Die Kommission soll Empfehlungen erarbeiten, wie wir und der deutsche Sport mit den Ergebnissen der Studie umgehen sollen", sagte Bach.

mib/dpa/sid

Mehr zum Thema


insgesamt 29 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Kritik 05.08.2013
1.
Zitat von sysopDPADer Druck der Öffentlichkeit hat gewirkt: Das Bundesinstitut für Sportwissenschaft hat die brisante Studie zum Doping in der Bundesrepublik Deutschland veröffentlicht. Der Bericht ist allerdings deutlich gekürzt worden - es fehlen laut der "Süddeutschen Zeitung" Namen von einflussreichen Politikern. http://www.spiegel.de/sport/sonst/doping-studie-umstrittener-bericht-offenbar-gekuerzt-a-914958.html
Wenn ich darüber nachdenke, daß uns in diesen Tagen - Die Freiheit (zugunsten einer vermeintlichen Sicherheit) - Die Grund- und Menschenrechte - Die Demokratie - Die Meinungsfreiheit - Das Wirtschaftssystem (unser Schuldgeldsystem mit Wertschöpfung aus dem Nichts - Die Zukunft unserer Kinder um die Ohren fliegen, dann fällt es mir echt schwer, mit dem Thema "Doping in den 50er Jahren" zu beschäftigen ...
herrdainersinne 05.08.2013
2. Ja Klar.....
Und die formalen Kriterien sind, das man zwar zugiebt was nicht mehr zu leugnen ist, aber keine Namen nennt....eine Krähe hackt der Anderen kein Auge aus. Aber ich bin zuversichtlich. irgendjemand wird reden - und die ergänzenden Namen und Fakten nennen. Die alten Spielchen funktionieren heute nicht mehr :-)
backfeed1 05.08.2013
3. Warum das wieder?
Zitat von sysopDPADer Druck der Öffentlichkeit hat gewirkt: Das Bundesinstitut für Sportwissenschaft hat die brisante Studie zum Doping in der Bundesrepublik Deutschland veröffentlicht. Der Bericht ist allerdings deutlich gekürzt worden - es fehlen laut der "Süddeutschen Zeitung" Namen von einflussreichen Politikern. http://www.spiegel.de/sport/sonst/doping-studie-umstrittener-bericht-offenbar-gekuerzt-a-914958.html
Mit unseren Geldern ist gedopt worden. Mit unseren Geldern ist der Bericht angefertigt worden. Warum bekommen wir dann nicht alles zu sehen? Geht es denen nur noch um Macherhalt? Deswegen funktioniert Lobbyismus. Wenige entscheiden - nicht wir. Zur Wahl zu gehen ist lächerlich, funktioniert nicht. Die wenigen werden geschmiert, dann wird gebaut, bespitzelt, genehmigt und vertuscht. Und wer hats bezahlt?
quimbes 05.08.2013
4. Es ist nichts zu fein gesponnen....
Klar, wortreichleere Erklärungen von "Historikern, wie am Wochenende im öffentlich rechtlichen Fernsehen; Genschers Verlautbarung, das es keinen politischen Druck gegeben habe: die Kommissionen. Ausschüssen und anderer so wichtiger Instanzen, die den Bericht erst eingehend sichten, bewerten, beurteilen müssten, alles ganz im Sinne der hochgelobten parlamentarischen Demokratie. Wie heißt es im Volksmund: Es ist nichts zu fein gesponnen, alles kommt an's Licht der Sonnen...
cutestrabbitonearth 05.08.2013
5. Heute Doping-Verachter, gestern Doping-Befürworter
Die Namen der Politiker kann man selbst recherchieren. Die Reden wurden ja ganz offen gehalten. Schäuble ist einer von ihnen: aus einem 154-seitigen Protokoll der 6. Sitzung des Sportausschusses des Deutschen Bundestages vom 28. September 1977: "Wir wollen diese Mittel nur sehr eingeschränkt und nur unter der absolut verantwortlichen Kontrolle der Sportmediziner ... einsetzen."
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.