Doping-Studie: Heftige Kritik überschattet Präsentation

In Berlin sind erste Erkenntnisse der Studie "Doping in Deutschland" präsentiert worden - doch die Ergebnisse haben kaum Aussagekraft und sind unvollständig. Der DOSB soll Gelder für eine Forschungsgruppe zurückgehalten haben, die daraufhin ihre Arbeit einstellte.

DOSB-Generalsekretär Vesper: "Wer uns unterstellt, wir seien froh, ist schief gewickelt" Zur Großansicht
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DOSB-Generalsekretär Vesper: "Wer uns unterstellt, wir seien froh, ist schief gewickelt"

Hamburg - Die Studie "Doping in Deutschland" sorgt für große Kritik. Bei einer Präsentation der Ergebnisse wurde aber weniger über die Inhalte der Studie gesprochen als über die Umstände, unter denen die Studie durchgeführt wurde.

Denn einen gesamten Abschlussbericht der 2009 an Münsteraner und Berliner Forscher vergebenen Studie gibt es bislang nicht. Der Grund: Am 31. März 2012 hatte die Projektgruppe aus der Hauptstadt ihre Arbeit eingestellt, nach eigener Aussage wegen Geldmangel. Deshalb präsentierte in Berlin am Dienstag nur die Gruppe aus Münster ihre Ergebnisse. Zumeist waren es nicht mehr als Medienanalysen.

Die Berliner Forscher werfen dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) und dem Bundesinstitut für Sportwissenschaft (BISp) vor, Gelder bewusst zurückgehalten zu haben. Bei der Präsentation der Ergebnisse für die siebziger und achtziger Jahre hatten sie im vergangenen Jahr für Aufregung gesorgt, indem sie von "systemischem Doping" in Westdeutschland sprachen.

DOSB und BISp weisen die Anschuldigungen zurück. "Wer uns unterstellt, wir seien froh darüber, dass die Berliner Forscher ihre Arbeit nicht beendet haben, ist schief gewickelt", so DOSB-Generaldirektor Michael Vesper. Und BISp-Direktor Jürgen Fischer sagte: "Warum die Verträge nicht verlängert wurden, müssen sie die Humboldt-Universität fragen. Es lagen nach Aussagen der HU keine Anträge über den 31. März hinaus vor." Das dementierte die Berliner Universität jedoch: "Die am Projekt beteiligten Mitarbeiter sind zum 30.03.2012 ausgeschieden, da die Mittel der Zuwendung aufgebraucht waren und keine verbindlichen Zusagen über die Bereitstellung weiterer Mittel vorlagen", hieß es in einer Stellungnahme.

Einen zusammengefassten Abschlussbericht beider Forschungsgruppen gibt es vorerst nicht. Die Berliner Forschergruppe will ihre bisherigen Erkenntnisse am Donnerstag im Rahmen eines Symposiums in Frankfurt an der Oder präsentieren.

Nach dem Dopingskandal um die Freiburger Uni-Klinik 2007 hatte der DOSB angeregt, das Thema Doping von 1950 bis heute in einer Studie aufzuarbeiten. Das Bundesinnenministerium bewilligte 500.000 Euro, Auftraggeber der Studie war das an das Innenministerium angeschlossene BISp.

psk/jar/dpa/sid

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insgesamt 3 Beiträge
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1. Wenn man schon nicht an der Aufarbeitung
derandersdenkende 06.11.2012
Zitat von sysopIn Berlin sind erste Erkenntnisse der Studie "Doping in Deutschland" präsentiert worden - doch die Ergebnisse haben kaum Aussagekraft und sind unvollständig. Der DOSB soll Gelder für eine Forschungsgruppe zurückgehalten haben, die daraufhin ihre Arbeit einstellte. Doping-Studie: Viel Kritik anlässlich der Ergebnispräsentation - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/sport/sonst/doping-studie-viel-kritik-anlaesslich-der-ergebnispraesentation-a-865583.html)
der eigenen Vergangenheit interessiert ist, sollte man diese wenigstens nach besten Kräften sabotieren. Nach diesem Motto scheint man hier zu arbeiten. Wie steht eine Sportführung zur Chancengleichheit im Sport? Ist sie überhaupt an einer solchen interessiert oder hat sie lieber für sich einen gewissen "Gestaltungsspielraum", die ein Umgehen der Regeln zum eigenen Vorteil zuläßt? Diese Sportführung ist keinen Deut besser als Ewald und Co! Ich wünschte mir einen Aufstand der Sportler gegen diese Verschleierungstaktik!
2. Aufklärung?
mimas1789 06.11.2012
Von den Typen die das System Doping jahrelang ignoriert haben? HAHAHAHA
3. Stellen Sie sich mal die Übernahme dieser Praxis
derandersdenkende 07.11.2012
Zitat von mimas1789Von den Typen die das System Doping jahrelang ignoriert haben? HAHAHAHA
auf andere Felder der Gesellschaft vor: - Von den Mördern wird nur gegen die hälfte ermittelt, weil die anderen welche umgebracht, die schon lange fällig waren. - Bestimmte Gesundheitsversorgung darf nur ein Teil der Gesellschaft genießen, weil bei dem anderen Teil ist das zweitrangig. - Sport-Funktionär darf nur werden, wer das flächendeckende Doping in der Bundesrepublik gutheißt oder zumindest darüber schweigt. - Staatsanwälte erhalten nur eine Zulassung, wenn diese nur in die gewünschte Richtung ermitteln. Was der DOSB und die Sportführung sich hier traut könnte Schule machen, man ist generiert sich als Garant für die Ungleichbehandlung von Sportlern, Ärzten, Trainern und Funktionären! Meines Erachtens gehört alles aber auch alles auf den Tisch! Und danach kann man über eine Amnestie reden, aber nicht bevor man geringste Ansätze von Untersuchungen schon behindert.
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Dopingsubstanzen und ihre Wirkung
Epo/HGH
Die Ausdauerleistung ist wesentlich davon abhängig, wie gut der Körper Sauerstoff aufnehmen kann. Das Hormon Erythropoetin (Epo) stimuliert die Produktion roter Blutkörperchen. Die erhöhte Anzahl der im Organismus zirkulierenden Erythrozyten verbessert die Kapazität des Blutes, Sauerstoff aufzunehmen und steigert damit Ausdauerleistungsfähigkeit.

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) verbietet den Gebrauch von Epo seit langem. Seit 1983 ist es möglich, Epo synthetisch herzustellen. Entwickelt wurde es für Patienten mit schweren Nierenleiden, die an Blutarmut leiden.

Das Wachstumshormon HGH wird bei Kleinwüchsigkeit eingesetzt. HGH lässt nicht nur die Muskeln, sondern auch die Knochen wachsen, das führt zu langen Gliedmaßen, einem verformten Kopf und Riesenhänden. Zudem verändert sich die Struktur der Organe. (mit dpa)
Anabolika
Anabolika sind künstlich hergestellte Verwandte des männlichen Sexualhormons Testosteron. Diese Steroid- oder Wachstumshormone haben sowohl eine den Muskelaufbau fördernde (anabole) als auch eine vermännlichende (androgene) Wirkung. Anabolika können als Tabletten als auch injiziert werden. In Deutschland sind sie rezeptflichtig, werden aber nur selten zur Therapie beispielsweise von Schwächezuständen eingesetzt.

Illegal werden Anabolika parallel zu entsprechendem Training eingenommen, um den Aufbau von Muskelmasse zu fördern – also als Dopingmittel missbraucht. Bekannte Anabolika-Präparate sind unter anderen Nandrolon, Metandienon und Stanozolol.
Stimulanzien
Als Stimulanzien (lat. stimulare = "anregen") werden Substanzen bezeichnet, die anregend auf den Organismus wirken. Sie stimulieren die Aktivität des Zentralnervensystems. Als Aufputschmittel werden sie kurz vor oder während des Wettkampfs eingenommen. Sie steigern die motorische Aktivität, erhöhen die Risikobereitschaft und vertreiben die Müdigkeit, aber auch das Gespür für die natürliche Leistungsgrenze. Bekannteste Stimulanzien sind Amphetamine, Kokain, Ephedrin und Koffein (nur in hohen Mengen verboten).

Viele Stimulanzien können bei regelmäßigem Konsum abhängig machen. Bei Überdosierung drohen je nach Substanz Bluthochdruck, Herzrasen, Schweißausbrüche und Übelkeit. Nach mehreren Todesfällen im Sport, die auf die Einnahme von Stimulanzien zurückzuführen waren, wurden sie 1967 auf die Dopingliste gesetzt.
Narkotika
Betäubungs- und Schmerzmittel wie Morphine werden eingesetzt, um bei Höchstleistungen auftretende Schmerzen zu unterdrücken - beispielsweise bei einem Marathon. Die Medikamente machen abhängig, weitere Nebenwirkungen sind Kopfschmerzen und Kreislauflähmungen. Von Radsportlern werde berichtet, dass diese auf den letzten Kilometern gerne Alkohol trinken, sagt Patrick Diel vom Institut für Kreislaufforschung und Sportmedizin der Deutschen Sporthochschule Köln. "Das dämpft den Schmerz, liefert Energie und hebt die Stimmung."

Ebenso wie Amphetamine seien auch die meisten Narkotika leicht nachweisbar und würden deshalb eher selten im Spitzensport verwendet. Zudem handle es sich auch hierbei um eine "Wettkampf-Droge", die direkt beim jeweiligen Sportereignis eingenommen werden müsse. Entsprechend hoch sei die Gefahr der Entdeckung. (mit dpa)