Doping-Verdacht Extrem hoher Testosteronwert bei Landis

Es war ein bemerkenswerter Auftritt von Floyd Landis. Der Tour-Sieger warnte Journalisten gestern zornig davor, von einem "Dopingsfall Landis" zu sprechen. Doch nach ARD-Informationen gibt es jetzt erste Hinweise darauf, dass es sich nicht um körpereigenes Testosteron handelte.


Hamburg - Tour-Sieger Landis präsentierte gestern in Madrid eine simple Erklärung dafür, dass in seiner Urinprobe ein erhöhter Wert des Sexualhormons Testosteron gemessen wurde. "Mein Testosteronwert ist, wie auch bei anderen Menschen, manchmal aus natürlichen Gründen höher", sagte Landis selbstsicher.

Nach Informationen der ARD lassen erste Tests Zweifel an dieser Aussage des amerikanischen Radprofis aufkommen. Die Tests hätten Hinweise darauf erbracht, "dass es eine Zuführung der Substanz von außen gegeben haben müsse", berichtet die ARD unter Berufung auf das "direkte Beraterumfeld" des Radfahrers.

Zudem sei bei der A-Probe in Landis' Urin ein dramatisch erhöhter Testosteron-Wert gemessen worden, berichtet der Nachrichtensender NDR-Info. Bei dem 30 Jahre alten Kapitän des Phonak-Teams habe der ermittelte Testosteron/Epitestosteron-Quotient bei 11:1 gelegen. Normalerweise betrage der Quotient beim Menschen 1:1 in einigen Fällen auch 2:1 sagte ARD-Sportreporter Hajo Seppelt. Für Dopingkontrollen sei ein ohnehin großzügiger Grenzwert von 4:1 festgelegt worden.

B-Probe und A-Probe in 99,5 Prozent aller Fälle identisch

Vehement hatte sich Landis während einer Pressekonferenz in Madrid gestern gegen alle Doping-Verdächtigungen verwahrt. "Ich möchte Ärzte und Medien darauf hinweisen, dass es sich nicht um einen Dopingfall handelt", hatte er in seinem Eingangsstatement gesagt.

Doch Mediziner glauben nicht an die Aussagen des Verdächtigen: "Die positive A-Probe spricht dafür, dass Landis gedopt hat. Auch medizinisch ist der Parforceritt von Landis nach dem Einbruch am Vortag nicht zu erklären", sagte der Leitende Olympiaarzt des Nationalen Olympischen Komitees der AP. Auch nach Ansicht des Bonner Hormon-Experten Axel Allera war Landis zweifellos gedopt. Die erhöhten Testosteron-Werte könnten keinen natürlichen Ursprung haben, sagte er der AP. "Die B-Probe ist in 99,5 Prozent aller Fälle identisch mit der A-Probe", sagte Allera. "Meiner Einschätzung nach waren alle Tour-Sieger der letzten Jahre gedopt."

Zeitgleich gab Sponsor Phonak bekannt, sein Engagement für den Radsport einzustellen. Der Rückzug habe allerdings nichts mit den jüngsten Negativereignissen zu tun, betonte Sprecher Stefan Blum: "Wir haben bereits zu Beginn der Saison gesagt, dass dies unsere letzte Tour als Sponsor eines Radsportstalls sein wird", sagte Blum. "Und dabei bleiben wir auch."



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