Los Angeles/Boston – In den kommenden vier Wochen will das Schiedsgericht Zeugenaussagen der zehntägigen Anhörung vor der American Arbitration Association (AAA) auswerten. Außerdem wollen Anklage und Verteidigung in dieser Zeit weitere Zeugenaussagen präsentieren.
Gestern hatte das Gericht die Befragung von Simon Davis fortgesetzt. Der Experte, der von der Landis-Verteidigung präsentiert wurde, war bei der Untersuchung von Landis Urinproben im April dabei. Davis äußerte heute erneut Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Proben, weil die Untersuchungsgeräte, mit denen der Urin von Landis in Chantenay-Malabry geprüft wurden, unglaubwürdig seien.
Erst am Vortag hatte er mit seinem Mobiltelefon gemachte Fotos präsentiert, die große magnetische Ringe in unmittelbarer Nähe der Testgeräte zeigten. Somit wollte Davis beweisen, dass die Untersuchung beeinflusst worden sein könnten. Heute gab er alleridngs zu, dass die Fotos nicht aus dem Labor stammen. Dennoch seien sie ein Beleg dafür, unter welchen Bedingungen Urinproben untersucht werden.
Anklage und Verteidigung hatten sich zehn Tage lang gestritten - am Ende sogar darum, wer das letzte Wort hat. Zumindest in diesem Punkt war das Landis-Team der Sieger. "Für gewöhnlich erfährt man in Fällen wie diesen, was im Urin des Athleten war. Diesmal haben wir jedoch auch einen Einblick in das Gemüt des Sportlers bekommen", begann Usada-Anwalt Richard Young sein Plädoyer. Landis reagierte genervt und mit Augenrollen.
Young verwies in seinem Plädoyer auf das Debakel der Verteidigung im Fall Greg LeMond. Der mittlerweile entlassene Landis-Manager Will Geoghegan hatte versucht, den dreimaligen Tour-Gewinner am Vorabend seiner Zeugenaussage telefonisch zu erpressen. Geoghegan drohte damit, publik zu machen, dass LeMond als Kind sexuell missbraucht worden sei, wenn der als Zeuge der Anklage geladene US-Amerikaner gegen Landis aussagen werde. "Ich möchte mich noch einmal für Geoghegans Verhalten entschuldigen. Wir waren alle darüber geschockt, das war ekelhaft", sagte Landis-Verteidiger Maurice Suh.
Mit drastischen Worten kritisierte Suh die Umstände, unter denen die Ergebnisse der Landis-Proben im französischen Labor entstanden sind: "Müll rein, Müll raus." Young verteidigte dagegen die Angestellten in Chatenay-Malabry: Sie hätten keineswegs versucht, etwas zu verstecken oder Ergebnisse zu verfälschen. Jeder Schritt im Labor habe internationalen Standards entsprochen. "Aber vielleicht haben diese Standards Herrn Landis nicht gefallen", vermutete Young.
"Wenn man die Fakten nicht auf seiner Seite hat, beschuldigt man andere. Die Wissenschaft ist verlässlich. Landis hatte künstliches Testosteron in seiner Probe von der 17. Etappe. Er hat die Regeln gebrochen und gehört bestraft", ergänzte Young.
reh/fpf/dpa
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