Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Doping: Nun auch Vorwürfe gegen chinesische Schwimmer

Die "Times" erhebt auch gegen fünf chinesische Schwimmer Dopingvorwürfe. Mittlerweile hat Chinas Anti-Doping-Agentur sogar sechs positive Tests bestätigt.

Blutproben für eine Dopingkontrolle Zur Großansicht
REUTERS

Blutproben für eine Dopingkontrolle

Die englische Zeitung "The Times" hat nach den Enthüllungen über Hinweise zu systematischem Doping im russischen Schwimmsport weitere Verdachtsfälle veröffentlicht. Laut eines Berichts wurden demnach auch fünf chinesische Schwimmer positiv getestet. Die Welt-Anti-Doping-Agentur Wada soll Ermittlungen eingeleitet haben.

Die Zeitung bezieht sich auf Whistleblower aus dem chinesischen Schwimm-Verband. Diese hätten sich an das Blatt gewendet und berichtet, dass die Ergebnisse verheimlicht werden sollten. Vor den Olympia-Ausscheidungen im kommenden Monat soll demzufolge Unruhe vermieden werden. Zwei der positiven Proben sollen bereits aus dem Oktober stammen. Die drei übrigen Schwimmer sollen um den Jahreswechsel auffällig geworden sein.

Zuletzt hatte die "The Times" berichtet, dass sich Hinweise auf systematisches Doping im russischen Schwimmsport verdichten. Sergej Portugalow, einer der vermeintlichen Drahtzieher im Skandal um die russischen Leichtathleten, soll auch im Schwimmen tätig gewesen sein.

Mittlerweile hat Chinas Anti-Doping-Agentur sechs positive Dopingtests bei chinesischen Schwimmern bestätigt. Drei der Proben sollen den verbotenen Wirkstoff Clenbuterol enthalten. Die jüngsten Verdachtsfälle stammen vom Jahresbeginn.

Der stellvertretende Direktor der Anti-Doping-Agentur Zhao Jian dementierte allerdings, dass es sich bei dem späten Bekanntwerden um Vertuschung gehandelt habe. Die Namen der Sportler nannte er immer noch nicht.

elo/sid/dpa

Diesen Artikel...

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Dopingsubstanzen und ihre Wirkung
Epo/HGH
Die Ausdauerleistung ist wesentlich davon abhängig, wie gut der Körper Sauerstoff aufnehmen kann. Das Hormon Erythropoetin (Epo) stimuliert die Produktion roter Blutkörperchen. Die erhöhte Anzahl der im Organismus zirkulierenden Erythrozyten verbessert die Kapazität des Blutes, Sauerstoff aufzunehmen und steigert damit Ausdauerleistungsfähigkeit.

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) verbietet den Gebrauch von Epo seit langem. Seit 1983 ist es möglich, Epo synthetisch herzustellen. Entwickelt wurde es für Patienten mit schweren Nierenleiden, die an Blutarmut leiden.

Das Wachstumshormon HGH wird bei Kleinwüchsigkeit eingesetzt. HGH lässt nicht nur die Muskeln, sondern auch die Knochen wachsen, das führt zu langen Gliedmaßen, einem verformten Kopf und Riesenhänden. Zudem verändert sich die Struktur der Organe. (mit dpa)
Anabolika
Anabolika sind künstlich hergestellte Verwandte des männlichen Sexualhormons Testosteron. Diese Steroid- oder Wachstumshormone haben sowohl eine den Muskelaufbau fördernde (anabole) als auch eine vermännlichende (androgene) Wirkung. Anabolika können als Tabletten als auch injiziert werden. In Deutschland sind sie rezeptflichtig, werden aber nur selten zur Therapie beispielsweise von Schwächezuständen eingesetzt.

Illegal werden Anabolika parallel zu entsprechendem Training eingenommen, um den Aufbau von Muskelmasse zu fördern – also als Dopingmittel missbraucht. Bekannte Anabolika-Präparate sind unter anderen Nandrolon, Metandienon und Stanozolol.
Stimulanzien
Als Stimulanzien (lat. stimulare = "anregen") werden Substanzen bezeichnet, die anregend auf den Organismus wirken. Sie stimulieren die Aktivität des Zentralnervensystems. Als Aufputschmittel werden sie kurz vor oder während des Wettkampfs eingenommen. Sie steigern die motorische Aktivität, erhöhen die Risikobereitschaft und vertreiben die Müdigkeit, aber auch das Gespür für die natürliche Leistungsgrenze. Bekannteste Stimulanzien sind Amphetamine, Kokain, Ephedrin und Koffein (nur in hohen Mengen verboten).

Viele Stimulanzien können bei regelmäßigem Konsum abhängig machen. Bei Überdosierung drohen je nach Substanz Bluthochdruck, Herzrasen, Schweißausbrüche und Übelkeit. Nach mehreren Todesfällen im Sport, die auf die Einnahme von Stimulanzien zurückzuführen waren, wurden sie 1967 auf die Dopingliste gesetzt.
Narkotika
Betäubungs- und Schmerzmittel wie Morphine werden eingesetzt, um bei Höchstleistungen auftretende Schmerzen zu unterdrücken - beispielsweise bei einem Marathon. Die Medikamente machen abhängig, weitere Nebenwirkungen sind Kopfschmerzen und Kreislauflähmungen. Von Radsportlern werde berichtet, dass diese auf den letzten Kilometern gerne Alkohol trinken, sagt Patrick Diel vom Institut für Kreislaufforschung und Sportmedizin der Deutschen Sporthochschule Köln. "Das dämpft den Schmerz, liefert Energie und hebt die Stimmung."

Ebenso wie Amphetamine seien auch die meisten Narkotika leicht nachweisbar und würden deshalb eher selten im Spitzensport verwendet. Zudem handle es sich auch hierbei um eine "Wettkampf-Droge", die direkt beim jeweiligen Sportereignis eingenommen werden müsse. Entsprechend hoch sei die Gefahr der Entdeckung. (mit dpa)


Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: