Fläschchen für Dopingproben Schweizer Hersteller beendet Produktion

Die Flaschen müssen sicher sein, ihr Verschluss unaufknackbar: Die Glasbehältnisse für Dopingproben wurden jahrzehntelang vom Schweizer Hersteller Berlinger produziert. Dann kam der Skandal von Sotschi - und jetzt das Aus.

Berlinger Special BEREG-Kit
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Das Schweizer Unternehmen Berlinger wird seine Produktion von Urinflaschen für Dopingproben einstellen. Dies teilten das Unternehmen aus Zürich und die Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) mit.

Vor den Olympischen Winterspiele in Pyeongchang war durch einen ARD-Bericht bekannt geworden, dass es bei dem neuesten Modell der Fläschchen offenbar Probleme mit dem Verschluss gab. Dies hatte zu großer Verunsicherung und Sorge wegen möglicher Manipulationen von Proben geführt. Daraufhin schickte Berlinger ein älteres Modell der Flaschen zu den Winterspielen nach Südkorea.

Wie die Firma nun mitteilte, wird sie die Produktion in den kommenden Monaten einstellen und nach Absprache mit der Wada nur noch während einer Übergangsphase Flaschen liefern, um keine Engpässe entstehen zu lassen.

"Die Wada hat eine Findungsphase eingeleitet, um Alternativen zur Herstellung der Testflaschen zu finden und arbeitet hierfür mit einer Reihe von Anti-Doping-Agenturen zusammen", heißt es in einer Mitteilung der höchsten Anti-Doping-Behörde.

Kurz vor den Winterspielen waren Informationen über die Sicherheitslücken bei den nach dem russischen Dopingskandal in Sotschi neu entwickelten Flaschen aufgedeckt worden. Die von der Wada zugelassenen Gefäße konnten von unberechtigten Personen selbst in gefrorenem Zustand geöffnet und wieder verschlossen werden, ohne dass dabei Spuren hinterlassen wurden. Zudem war es problemlos möglich, die Flaschen zu kopieren.

Auch beim älteren Berlinger-Modell, das in Sotschi eingesetzt worden ist, kam es zu schweren Sicherheitspannen. Bei den Olympischen Winterspielen 2014 waren Dopingproben russischer Athleten mithilfe des Inlandsgeheimdienstes FSB geöffnet und der Inhalt gegen sauberen Urin ausgetauscht worden.

Das Schweizer Unternehmen teilte nun mit, die hohen Anforderungen an Testflaschen seien "inkompatibel mit unseren Fähigkeiten". Deutschlands Nationale Anti-Doping-Agentur bedauerte die Entscheidung von Berlinger. "Der plötzliche Rückzug hinterlässt eine große Lücke, die es gilt, schnell wieder zu schließen", hieß es in einer Mitteilung der Nada.

jan/dpa/sid



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