Doping: "Wer sich erwischen lässt, dopt ungeschickt"

Über 1500 Dopingkontrollen, aber kein positiver Fall. Das IOC feiert in Vancouver "saubere Spiele". Warum die Glaubwürdigkeit des Kontrollsystems dennoch in Frage gestellt werden muss und wie Athleten dopen können, erklärt Dopingexperte Klaus Pöttgen im Interview mit SPIEGEL ONLINE.

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ddp

Hinweisschild zur Dopingkontrollstation

SPIEGEL ONLINE: Herr Pöttgen, bei den Winterspielen gab es bislang 1664 Dopingkontrollen, aber keinen positiven Fall. Das IOC feiert "saubere Spiele". Sind die Sportler vernünftig geworden?

Pöttgen: Wer sich bei Olympischen Spielen erwischen lässt, dopt ungeschickt.

SPIEGEL ONLINE: Also wird gedopt?

Pöttgen: Das ist möglich. Zum Beispiel kann man IGF1 nehmen, ein insulinähnliches Wachstumshormon. Wachstumshormone werden systematisch eingesetzt. Da gibt es, erst gerade gemeldet, wenige positiv getestete Sportler. Generell ist Doping auch eine Frage der Definition: Ist alles, was auf der Dopingliste steht, verboten, und alles andere erlaubt? Beispielsweise gibt es das Problem mit der nachweisbaren Substanz S107, die nicht untersagt ist, aber dennoch die Ermüdung der Muskulatur hinauszögert.

SPIEGEL ONLINE: Gibt es Sportarten, die besonders betroffen sind?

Pöttgen: Entscheidend ist Doping für die Ausdauersportarten in Vancouver. Athleten können versuchen, die erlaubten Grenzwerte knapp zu erreichen. Nur sind diese Grenzwerte in den jeweiligen Sportarten verschieden und lösen verschiedene Maßnahmen aus. Im Langlauf gibt es bei Männern einen erlaubten Grenzwert von 17,0 Gramm pro Deziliter Hämoglobin im Blut, bei den Biathleten sind es 17,5, bei Eisschnellläufern 18,0.

SPIEGEL ONLINE: Bei den Olympischen Spielen werden also unterschiedliche Grenzwerte herangezogen?

Pöttgen: Ja, die Welt-Anti-Doping-Agentur Wada hat keine einheitlichen Grenzwerte eingeführt, dafür aber am 1. Januar 2009 eine sinnvolle Leitlinie zum biologischen Blutpass. Über Grenzwerte entscheiden nur die Verbände. Da wird doch die Glaubwürdigkeit des Kontrollsystems in Frage gestellt. In der Sportart selbst ist das noch fair, aber global gesehen kann man das nicht vermitteln. Evi Sachenbacher-Stehle erhielt bei Olympia 2006 für Blutwerte eine Schutzsperre, mit deren Werten sie im Eisschnelllauf hätte starten dürfen. Und das ist noch nicht einmal alles.

SPIEGEL ONLINE: Was meinen Sie?

Pöttgen: Die unterschiedliche Dauer der sogenannten Schutzsperren im Falle eines erhöhten Hämoglobinwertes. Auch dafür gibt es keinen Grund. Bei den Radfahrern dauert die Schutzsperre zwei Wochen, beim Langlauf fünf Tage. Wie will man das erklären? Jeder macht, was er will. Das ist doch für die Athleten nicht mehr nachvollziehbar.

SPIEGEL ONLINE: Reicht aus medizinischer Sicht eine fünftägige Schutzsperre, um den Hämoglobinwert so weit zu senken, dass keine Thrombosegefahr mehr besteht?

Pöttgen: Da besteht in Wirklichkeit keine Thrombosegefahr. Die Schutzsperre ist doch wohl eher eingeführt worden, um einen fairen Wettkampf zu legitimieren, zumal es ja Ausnahmegenehmigungen für erhöhte Werte gibt.

SPIEGEL ONLINE: Welchen Stellenwert hat für Sie die Schutzsperre?

Pöttgen: Es gibt das klassische Beispiel einer bekannten Wintersportlerin. Die hatte bei den Spielen in Turin 2006 einen Wert von 16,3 Gramm pro Deziliter, 0,4 mehr als erlaubt, und wurde mit einer fünftägigen Schutzsperre belegt. Die Athletin hat damals gesagt, sie habe noch nie in ihrem Leben so viel getrunken wie an diesem Vormittag, wahrscheinlich war es ein ganzes Fass, sagte sie, um den Hämoglobinwert zu senken. Nach den fünf Tagen durfte sie wieder starten, denn der Wert lag unter 16,0. Grundsätzlich kann man zudem nicht kontrollieren, ob Blut verbotenerweise in der Zwischenzeit manipuliert wurde.

SPIEGEL ONLINE: Wie macht man das?

Pöttgen: Die Sportler bekommen eine Infusion mit einer Kochsalzlösung, deren verdünnende Wirkung bis zu sieben Stunden lang hält. 500 Milliliter Kochsalzlösung senken den Hämoglobinwert im Blut bis zu 0,7 Gramm pro Deziliter. Die Athleten wissen ja, dass sie nach Ablauf ihrer Sperre noch einmal kontrolliert werden und könnten das gut anpassen.

SPIEGEL ONLINE: Man muss also nur aufpassen, dass man die Beutel nicht findet.

Pöttgen: Ja, und man muss auch nicht die Ärzte finden, die die Infusionen anhängen. Denn einen Infusionsbeutel selbst anzuhängen ist ja keine Kunst. Und es gibt auch noch eine andere Möglichkeit, den Hämoglobinwert zu senken.

SPIEGEL ONLINE: Welche?

Pöttgen: Die Radfahrer hatten früher ihre Zentrifugen dabei. Wenn sie dann gesehen haben, dass ihr Hämatokritwert vor einer Kontrolle zu hoch war, haben sie sich einfach eine Kanüle in die Armvene gesteckt, Blut rauslaufen lassen und viel getrunken, bis sie unter dem Wert waren.

SPIEGEL ONLINE: Es wird den Athleten also zu leicht gemacht?

Pöttgen: Die Manipulation, um in fünf Tagen wieder startberechtigt zu sein, das ist Kinderkram, ein Witz. Das ist so einfach zu manipulieren, das kann ja nicht ernstgemeint sein. Und wenn man bei den Winterspielen ernsthaft sperren wollte, müsste die Schutzsperre auf den gesamten Zeitraum der Spiele ausgeweitet werden.

SPIEGEL ONLINE: Glauben Sie noch an den sauberen Sport?

Pöttgen: Ich will nicht den Stab über jemanden brechen. Aber wenn man herausfindet, dass der Zweitplatzierte, Dritte und Vierte gedopt war, liegt doch die Frage nahe: Was ist mit dem Ersten?

Die Fragen stellte Jan Reschke

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Forum - Olympische Winterspiele - Sportlertreff oder Dopingsumpf?
insgesamt 52 Beiträge
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1.
wolfman11 11.02.2010
Zitat von sysopNoch vor der Eröffnungsfeier wurden 30 mutmaßliche Doper von den Winterspielen ausgeschlossen. Wie sauber sind die Spiele von Vancouver?
Bevor Ex-Tennis-Profis mit dem Verbreiten von Schmutz anfangen: Die Spiele werden natürlich nicht sauber sein. Es bleibt aber zu hoffen, dass möglichst viele Sünder erwischt werden - zu hoffen auch für die vielen sauberen Athleten. Und es bleibt zu hoffen, dass die Nachweise zweifelsfrei und sauber geführt werden. Wenn dies gelingt, kann man sich an den Leistungen bestimmt erfreuen.
2. Es nervt!
Medien-Kritiker, 11.02.2010
Zitat von sysopNoch vor der Eröffnungsfeier wurden 30 mutmaßliche Doper von den Winterspielen ausgeschlossen. Wie sauber sind die Spiele von Vancouver?
Mir geht es ganz gewaltig auf den Keks, dass Fußball im Prinzip die einzige Sportart ist, über die man hier wirklich fachsimpeln kann.Threads zu allen anderen Sportarten (vielleicht mit Ausnahme von F1 oder Handball) werden früher oder später zu reinen Doping-Threads. Ist es denn zu viel verlangt, das Thema Doping erst dann auf die Tagesordnung zu heben wenn es mal wieder aktuell ist?
3.
Robert Rostock, 11.02.2010
Zitat von sysopNoch vor der Eröffnungsfeier wurden 30 mutmaßliche Doper von den Winterspielen ausgeschlossen. Wie sauber sind die Spiele von Vancouver?
*++++Riesen-Skandal!!! 30 (DREISSIG!!!) Doping-Verbrecher überführt und von den Olympischen Spielen ausgeschlossen!! Riesen-Erfolg für die unerschrockenen Aufklärer der WADA!!!! Sonder-Pressekonferenz!!!++++* Blub! Ballon geplatzt, war nurn PR-Gag. Haben einfach alle längst bekannten Fälle des letzten Jahres zusammengezählt... (http://www.spiegel.de/sport/wintersport/0,1518,677377,00.html) So ist das halt bei der Inquisition. Es muss immer skandalöser, immer schlimmer werden, die Zahl der Verdächtigen muss immer größer werden, schließlich muss der Apparat ja in Schwung bleiben, der riesige Finanzaufwand irgendwie gerechtfertigt werden. Aber langsam kommen auch bei den Medien die Zweifel. Die Meldungen über die heutige Pressekonferenz sind jedenfalls nicht besonders freundlich mit der WADA. Und letzte Woche erschien in der Berliner Zeitung ein bemerkenswerter Artikel von Jens Weinreich, bisher als besonders engagierter und schonungsloser Doping-Jäger bekannt (u.a. Grimme-Preisträger) zum Fall Pechstein: (http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2010/0127/sport/0038/index.html) "... Dabei steht das Cas-Urteil inhaltlich auf tönernen Füßen. Die Blutdoping-Vorwürfe mittels indirekten Nachweises (ohne positive Probe, aufgrund eines auffälligen Blutparameters) sind wissenschaftlich höchst umstritten. Streit der Experten Vor wenigen Tagen erklärte Wolfgang Jelkmann, weltweit anerkannter Epo-Forscher von der Universität Lübeck, "aus Frau Pechsteins Messwerten der vergangenen zehn Jahre lässt sich Epo-Doping nicht belegen". Jelkmann unterstützt die jüngste Expertise des Siegener Hämatologen Winfried Gassmann, der unabhängig agiert und sich auf 41 Seiten mit dem Fall auseinandersetzt. Gassmann wirft dem Cas "verfälschende und irreführende Darstellung" vor. "Entlastende Fakten" seien unterdrückt worden: "Da die Dopingsperre wegen erhöhter Retikulozyten ausgesprochen wurde, kommt hier kein Eigenblut-Doping in Betracht", sagt Gassmann. Seine Arbeit ist ernst zu nehmen, weil er sich - anders als andere vermeintliche Experten - umfassend mit den Daten auseinander gesetzt hat. Kein Epo-Doping? Kein Eigenblut-Doping? Derlei Grundsatzfragen werden vom Bundesgericht nicht verhandelt. Es prüft, aber es sucht nicht nach der Wahrheit."
4. stimmt schon, ist aber erklärbar
ray4901 12.02.2010
Zitat von Medien-KritikerMir geht es ganz gewaltig auf den Keks, dass Fußball im Prinzip die einzige Sportart ist, über die man hier wirklich fachsimpeln kann.Threads zu allen anderen Sportarten (vielleicht mit Ausnahme von F1 oder Handball) werden früher oder später zu reinen Doping-Threads. Ist es denn zu viel verlangt, das Thema Doping erst dann auf die Tagesordnung zu heben wenn es mal wieder aktuell ist?
Es hängt mit der (vermeintlichen) Kompetenz der Forumteilnehmer zusammen. Ihr Beispiel mit dem Doping steht nicht allein. Wenn es um die Rechte der Tibeter, die Trinkwasserversorgung in Indien oder die Behandlung von Oppositionellen im Iran geht, kommen so sicher wie das Amen in der Kirche, die CIA, Mossad, Palaestina und die geopolitischen Ziele der USA ins Spiel, garniert mit ein paar alten und neuen VTs. Da meinen eben die Foristen, Bescheid zu wissen und treffen jede Menge Gleichgesinnte an. Die ursprüngliche Frage ist ab Beitrag 20 vergessen. Beim Sport muss es ähnlich sein. Da Fussball und Formel 1 die "Expertise" des deutschen Sportpublikums zu 90% auslasten, können viele Vielschreiber andernorts nur mit Doping punkten. Viel macht dabei die Reaktion der Wintersportbegeisterten und der Radlerfans aus, die sofort einschnappen, wenn wer die Dopingkeule hervorholt. Ignorieren wäre besser oder aber: Ein Vorschlag: alle Anhänger von Langlauf, Biathlon, Radsport, Eisschnellauf, Leichtathletik, etc. blockieren die unzähligen Fussball- Handball- und Automobilthreads mit wüsten Anschuldigungen betreffend Wettbetrug, unfähigen Schiedsrichtern, Reglementschaos und überhaupt ungenügenden Dopingkontrollen. Auch wenn danach überhaupt nicht gefragt wird. Vielleicht hilfts?
5. Hals und Beinbruch!
Björn Borg 12.02.2010
Zitat von wolfman11Bevor Ex-Tennis-Profis mit dem Verbreiten von Schmutz anfangen: Die Spiele werden natürlich nicht sauber sein. Es bleibt aber zu hoffen, dass möglichst viele Sünder erwischt werden - zu hoffen auch für die vielen sauberen Athleten. Und es bleibt zu hoffen, dass die Nachweise zweifelsfrei und sauber geführt werden. Wenn dies gelingt, kann man sich an den Leistungen bestimmt erfreuen.
Da sind wir doch endlich mal einer Meinung. Leider kann es aber nicht gelingen, wie der Artikel ja ausführt. Gut aber dennoch, dass einige etwas weniger professionelle Doper schon in der Vorbereitung beim Doping erwischt und überführt wurden und daher, abgesegnet durch ordentliche Gerichte, gar nicht erst zu den Olympischen Spielen fahren durften!
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Zur Person
Dr. Klaus Pöttgen

wurde am 20. November 1963 in Jugenheim geboren. Der Anti-Doping-Experte nahm bereits sieben Mal am Ironman auf Hawaii teil. 1999 wurde er in seiner Altersklasse Weltmeister im Triathlon auf der Langdistanz. Seit 2002 ist er Medizinischer Leiter des Teams Ironman Germany. Derzeit ist er außerdem Arzt des Hessischen Triathlon Leistungszentrums. Er war einer der Gutachter im Fall Pechstein.


Wintersport-Dopingfälle 2009
Julia Tschepalowa
Im August wurde bekannt, dass die Langlauf-Olympiasiegerin am 3. Januar auf der vorletzten Etappe der Tour de Ski in Val di Fiemme positiv auf das Dopingmittel Epo getestet wurde. Daraufhin erklärte sie ihren Rücktritt vom Leistungssport. Im Dezember wurde sie für zwei Jahre gesperrt.
Nina Rysina
Die russische U-23-Weltmeisterin wurde wegen Dopings für zwei Jahre wegen des im Januar bei einer Blutkontrolle nachgewiesenen Missbrauchs mit einer Epo-verwandten Substanz bis zum 12. August 2011 für alle Wettkämpfe gesperrt.
Jewgenij Dementjew
Der Skilangläufer wurde bei Dopingkontrollen im Januar positiv auf das Dopingmittel Erythropoetin (Epo) getestet. Er gab am 26. August seinen Rücktritt vom Leistungssport bekannt.
Natalja Matwejewa
Die Skilangläuferin wurde im Dezember rückwirkend ab Januar 2009 für zwei Jahre wegen Dopings gesperrt. Die Fis gab später bekannt, dass Matwejewa während des Weltcups im Januar im kanadischen Whistler bei einer Dopingkontrolle positiv auf das Blut-Dopingmittel Epo getestet wurde.
Andrej Prokunin
Der Biathlet wurde bei den russischen Meisterschaften im April auf Dopingsubstanzen positiv getestet, der nationale Verband sperrte ihn im Oktober für zwei Jahre.
Weronika Timofejewa
Die Skilangläuferin wurde bei der Russischen Biathlon-Meisterschaft im April nach einer positiven A-Probe für zwei Jahre gesperrt.
Jekaterina Jurjewa
Die Biathletin wurde nach zwei positiven Dopingproben im Dezember 2008 überführt und im August 2009 für zwei Jahre, bis zum 3. Dezember 2010, gesperrt. Auch Albina Achatowa und Dmitri Jaroschenko wurden des Dopings mit Epo überführt und ebenfalls bis Dezember 2010 gesperrt.
Alena Sidko
Die 30-jährige Skilangläuferin, die bei den Spielen vor vier Jahren in Turin Bronze im Sprint gewonnen hatte, wurde nach Berichten russischer Medien bei einem Wettkampf nahe Moskau am 26. Dezember positiv auf Epo getestet und daraufhin aus der Olympia-Mannschaft geworfen. Der russische Verband bestreitet Zusammenhänge mit unerlaubten Mitteln und gibt als Erklärung für den Rauswurf "Übergewicht" an.
Christian Hoffmann
Österreichs Skilanglauf-Olympiasieger wurde von der Disziplinarkommission der Nationalen Anti-Doping-Agentur (Nada) Österreichs im Dezember suspendiert. Es liegt zwar kein positiver Dopingtest vor, er steht allerdings im Verdacht, Mitbesitzer einer Zentrifuge zum Blutdoping gewesen zu sein. Da eine Anhörung erst kurz vor den Spielen am 29. Januar stattfinden sollte, hatte der 35-Jährige keine Chance mehr auf die Qualifikation für die Olympischen Winterspiele in Vancouver im Februar und beendete daraufhin seine Karriere.
Claudia Pechstein
Die Eisschnellläuferin wurde im Februar vom Eisschnelllaufweltverband Isu über ihre "abnormal überhöhten" Retikulozytenwerte informiert und im Juli anhand von Indizien und ohne direkten Dopingnachweis "wegen Blutdopings" für zwei Jahre bis zum Februar 2011 gesperrt. Im November bestätigt der Cas das Urteil der Isu. Das Schweizer Bundesgericht lehnt den Eilantrag auf Aussetzung ihrer Dopingsperre bis zur endgültigen Urteilsverkündung ab. Damit steht fest, dass Pechstein nicht bei den Olympischen Spielen in Vancouver starten darf.
Dopingsubstanzen und ihre Wirkung
Epo/HGH
Die Ausdauerleistung ist wesentlich davon abhängig, wie gut der Körper Sauerstoff aufnehmen kann. Das Hormon Erythropoetin (Epo) stimuliert die Produktion roter Blutkörperchen. Die erhöhte Anzahl der im Organismus zirkulierenden Erythrozyten verbessert die Kapazität des Blutes, Sauerstoff aufzunehmen und steigert damit Ausdauerleistungsfähigkeit.

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) verbietet den Gebrauch von Epo seit langem. Seit 1983 ist es möglich, Epo synthetisch herzustellen. Entwickelt wurde es für Patienten mit schweren Nierenleiden, die an Blutarmut leiden.

Das Wachstumshormon HGH wird bei Kleinwüchsigkeit eingesetzt. HGH lässt nicht nur die Muskeln, sondern auch die Knochen wachsen, das führt zu langen Gliedmaßen, einem verformten Kopf und Riesenhänden. Zudem verändert sich die Struktur der Organe. (mit dpa)
Anabolika
Anabolika sind künstlich hergestellte Verwandte des männlichen Sexualhormons Testosteron. Diese Steroid- oder Wachstumshormone haben sowohl eine den Muskelaufbau fördernde (anabole) als auch eine vermännlichende (androgene) Wirkung. Anabolika können als Tabletten als auch injiziert werden. In Deutschland sind sie rezeptflichtig, werden aber nur selten zur Therapie beispielsweise von Schwächezuständen eingesetzt.

Illegal werden Anabolika parallel zu entsprechendem Training eingenommen, um den Aufbau von Muskelmasse zu fördern – also als Dopingmittel missbraucht. Bekannte Anabolika-Präparate sind unter anderen Nandrolon, Metandienon und Stanozolol.
Stimulanzien
Als Stimulanzien (lat. stimulare = "anregen") werden Substanzen bezeichnet, die anregend auf den Organismus wirken. Sie stimulieren die Aktivität des Zentralnervensystems. Als Aufputschmittel werden sie kurz vor oder während des Wettkampfs eingenommen. Sie steigern die motorische Aktivität, erhöhen die Risikobereitschaft und vertreiben die Müdigkeit, aber auch das Gespür für die natürliche Leistungsgrenze. Bekannteste Stimulanzien sind Amphetamine, Kokain, Ephedrin und Koffein (nur in hohen Mengen verboten).

Viele Stimulanzien können bei regelmäßigem Konsum abhängig machen. Bei Überdosierung drohen je nach Substanz Bluthochdruck, Herzrasen, Schweißausbrüche und Übelkeit. Nach mehreren Todesfällen im Sport, die auf die Einnahme von Stimulanzien zurückzuführen waren, wurden sie 1967 auf die Dopingliste gesetzt.
Narkotika
Betäubungs- und Schmerzmittel wie Morphine werden eingesetzt, um bei Höchstleistungen auftretende Schmerzen zu unterdrücken - beispielsweise bei einem Marathon. Die Medikamente machen abhängig, weitere Nebenwirkungen sind Kopfschmerzen und Kreislauflähmungen. Von Radsportlern werde berichtet, dass diese auf den letzten Kilometern gerne Alkohol trinken, sagt Patrick Diel vom Institut für Kreislaufforschung und Sportmedizin der Deutschen Sporthochschule Köln. "Das dämpft den Schmerz, liefert Energie und hebt die Stimmung."

Ebenso wie Amphetamine seien auch die meisten Narkotika leicht nachweisbar und würden deshalb eher selten im Spitzensport verwendet. Zudem handle es sich auch hierbei um eine "Wettkampf-Droge", die direkt beim jeweiligen Sportereignis eingenommen werden müsse. Entsprechend hoch sei die Gefahr der Entdeckung. (mit dpa)

Kampf gegen Doping
Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada)
Am 10. November 1999 wurde auf Initiative des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) die unabhängige Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) in Lausanne gegründet. Zusammen mit den nationalen NOKs und staatlichen Organisationen will die Wada die internationale Dopingbekämpfung fördern und einheitliche Standards für Kontrollen in allen Ländern schaffen. Das Anti-Doping-Programm der Wada wurde im März 2003 von allen Delegierten der internationalen Sportverbände, der Regierungen und dem IOC auf der Welt-Anti-Doping-Konferenz in Kopenhagen angenommen. Der Welt-Anti-Doping-Codex löste im darauffolgenden Jahr den Anti-Doping-Code der Olympischen Bewegung ab und gilt seit den Spielen in Athen 2004 auch für die Olympischen Spiele.
Welt-Anti-Doping-Programm
Der Welt-Anti-Doping-Codex löste 2004 den Anti-Doping-Code der Olympischen Bewegung ab und gilt seit den Spielen in Athen im selben Jahr auch für die Olympischen Spiele. Das Programm besteht aus drei Ebenen: 1. Welt-Anti-Doping-Code (WADC), 2. Vier Internationale Standards, 3. Erarbeitungen von Empfehlungen für die bestmögliche praktische Umsetzung durch Anti-Doping-Organisationen und Verbände.
Welt-Anti-Doping-Code (WADC)
Der Welt-Anti-Doping-Code wurde erstmalig im Jahre 2003 verabschiedet und ist das Basisdokument des Welt-Anti-Doping-Programms. 2004 traten das Programm und der Codex in Kraft. Der überarbeitete Welt-Anti-Doping-Code ist seit dem 1. Januar 2009 gültig. Er vereinheitlicht Regeln und Verfahren, die bisher von Land zu Land und von Sportart zu Sportart verschieden waren und regelt die Verantwortlichkeiten der einzelnen Interessengruppen. Der Code stellt keine Definition des Dopings mehr auf, sondern bezeichnet Doping als einen Verstoß gegen nachfolgende Bestimmungen: Nachweis oder Gebrauch einer verbotenen Substanz oder Methode, Verweigerung einer Dopingkontrolle und Verletzung der Informationspflicht über den Aufenthaltsort sowie Verfälschung einer Dopingkontrolle und Besitz oder Handel von Substanzen durch einen Athleten oder sein Umfeld.
Internationale Standards
Sie ergänzen die Anforderungen des Codes durch nähere Beschreibungen und sollen dazu beitragen, national übergreifend einheitliche Formen für die Anti-Doping-Arbeit zu schaffen. Dies betrifft insbesondere die Dopingliste, die Dopingkontrolle Dopinglabors und Ausnahmebewilligungen für Medikamente.
Verbotene Substanzen
Die Dopingliste gilt weltweit und wird durch eine spezielle Kommission der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) erstellt. Sie wird jedes Jahr erneuert und tritt jeweils am 1. Januar in Kraft. Auf der Liste werden nur Wirkstoffe und Methoden veröffentlicht, die mindestens zwei von drei Kriterien entsprechen: Gemäß medizinischen oder anderen wissenschaftlichen Erkenntnissen hat der Wirkstoff oder die Methode das Potential zur Leistungssteigerung im Sport. Gemäß medizinischen oder anderen wissenschaftlichen Erkenntnissen besitzt der Wirkstoff oder die Methode ein aktuelles oder potentielles Gesundheitsrisiko. Gemäß Wada verstößt die Anwendung des Wirkstoffs oder der Methode gegen die Ethik im Sport. Zu den verbotenen Substanzklassen, die teilweise ganz oder nur im Wettkampf verboten sind, gehören: 1. Alkohol, 2. Anabolika , 3. Antiöstrogene , 4. Beta-2-Agonisten , 5. Betablocker , 6. Cannabinoide (Cannabis, Haschisch, Marihuana) , 7. Glucocorticoide , 8. Hormone , 9. Maskierende Substanzen und Diuretika , 10. Narkotika , 11. Stimulanzien . Für Alkohol und Betablocker gibt es in einigen Sportarten Ausnahmen, sie werden nicht von allen internationalen Sportverbänden verboten.
Verbotene Methoden
Seit dem 1. Januar 2003 werden die verbotenen Dopingmethoden genauer beschrieben und in drei Kategorien unterteilt: 1. Erhöhung der Transportkapazität für Sauerstoff ( Blutdoping ), 2. chemische und physikalische Manipulation, 3. Gendoping . Die Anwendung verbotener Methoden ist innnerhalb als auch außerhalb des Wettkampfs verboten.
Kontrollregularien

Für Athletinnen und Athleten bestehen je nach Leistungsniveau unterschiedliche Bestimmungen zu der obligatorischen Meldepflicht. Die Ein-Stunden-Regelung verpflichtet bestimmte Athleten für jeden Tag eine Stunde zu benennen, in der sie für eine mögliche Dopingkontrolle zur Verfügung stehen. Die genaue Stunde muss jeweils am Ende eines Quartals für die nächsten drei Monate im Voraus benannt werden, darf aber innerhalb von 24 Stunden verändert und aktualisiert werden. Wird der Athlet in dieser Stunde vom Kontrolleur nicht am benannten Ort angetroffen, wird ein sogenannter Strike für das Kontrollversäumnis ausgesprochen. Wenn ein Sportler innerhalb von 18 Monaten drei Verwarnungen kassiert hat, muss er mit einer Sperre von bis zu zwei Jahren rechnen. Strikes von verschiedenen Organisationen ( Wada , Nada sowie zuständigem internationalem Verband) werden addiert.

Die Ein-Stunden-Regelung wird durch die Angabe von Aufenthaltsdaten zum Ende eines Quartals für jeden Tag der darauffolgenden drei Monate ergänzt. Wird ein Athlet bei einer Stichprobe nicht am angegebenen Ort angetroffen, kann ebenfalls ein Strike erteilt werden. Mannschaftssportler aus gering gefährdeten Sportarten werden in Mannschafts-Whereabouts getestet. Dafür melden die Vereine der Nada die Trainingspläne der Mannschaft.

Aufgrund des seit Beginn 2009 gültigen neuen Nada-Codes werden Athleten je nach Risikobewertung der Agentur für Doping in drei unterschiedliche Testpools eingeordnet und unterliegen verschiedenen Meldepflichten: Im International Registered Testing Pool (RTP) sind rund 1400 Athleten zusammengefasst, zu denen A-Kader und A-Nationalteams der Sportarten der Gefährdungsstufe I gehören. Sie müssen nicht nur bis zum 25. des Vormonats Angaben über Aufenthaltsort und Erreichbarkeit für ein Quartal machen, sondern auch die Ein-Stunden-Regelung beachten. Im Nationalen Testpool (NTP) für Kader-Athleten der Gefährdungsstufe II und III gilt diese Regel nicht. Alle anderen Athleten werden im Allgemeinen Testpool (ATP) zusammengefasst.