Dopingexperte Franke "Ullrich hat 35.000 Euro für Doping ausgegeben"

Werner Franke erhebt neue schwere Vorwürfe gegen Jan Ullrich. Der Dopingexperte hat nach eigener Aussage Einsicht in die Akten der spanischen Behörden, die kurz vor der Tour de France zu Ullrichs Ausschluss führten. Er habe selten etwas Schmutzigeres gesehen, sagte Franke dem Fernsehsender rheinmaintv.

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Bad Homburg - "Ich habe die Akte von Herrn Ullrich aus Madrid hier dabei. Soviel Dreck habe ich lange nicht gesehen", sagte Franke in einem Interview mit rheinmaintv über den T-Mobile-Fahrer. "Einige Leute in seinem Umfeld müssen die Mephisto-Figuren sein - um mal mit Faust zu sprechen - die es ihm angeraten und ihm dann auch die Kontakte zu den spanischen Ärzten vermittelt haben", so Franke weiter.

"Von denen muss er sein Zeug bezogen haben. Übrigens nicht wenig. In einem einzigen Jahr hat Jan Ullrich 35.000 Euro für Dopingmittel bezahlt", so Franke weiter. Frankes Meinung nach sind "Landis und Ullrich Geschichte". T-Mobile-Sprecher Christian Frommert sagte zu den Vorwürfen auf SPIEGEL ONLINE-Anfrage: "Diese Zahl ist uns so nicht bekannt. Uns ist bekannt, dass die spanischen Behörden Jan Ullrich einen gewissen Geldbetrag zuordnen, für die er sich unerlaubte Methoden beschafft haben soll. Aber auch das muss erst verifiziert werden", so Frommert.

Prämienmodell für Doping-Ärzte

Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE handelt es sich bei den 35.000 Euro um den Grundbetrag, den Athleten an den mutmaßlichen Drahtzieher und Sportarzt Eufemiano Fuentes zahlen mussten, um als Gegenleistung in den Genuss der Dopingleistungen zu kommen. Dabei soll es auch ein Erfolgsbeteiligungsmodell gegeben haben, nach dem der Fahrer im Erfolgsfall 1000 Euro für einen Etappensieg bei der Tour de France und beim Giro D'Italia nachzahlen musste. 5000 Euro wurden bei einem Weltcup-Sieg fällig.

Ullrich war von seinem Arbeitgeber Team T-Mobile einen Tag vor Beginn der Tour de France suspendiert worden, nachdem eine Verwicklung in den spanischen Dopingskandal bekannt geworden war. Im Mai hatten Dopingfahnder der spanischen Guardia Civil den Fuentes festgenommen. Bei dem mutmaßlichen Doping-Arzt wurden Steroide, Hormonpräparate und das leistungssteigernde Mittel Epo beschlagnahmt. Bei Hausdurchsuchungen wurden außerdem mit Codes versehene Blutkonserven entdeckt.

Die Fahnder ordneten die Codes "Jan" und "Hijo Rudicio" (Rudis Sohn) dem Toursieger von 1997 zu. Zudem fingen sie sms von Ullrichs Berater Rudy Pevenage an Fuentes ab, die eine Dopingbestellung für Ullrich belegen sollen. Nachdem T-Mobile Einsicht in die Ermittlungsakten bekam, trennte sich das Radteam umgehend von Ullrich und Pevenage. Ullrich beteuert ebenso wie Pevenage nach wie vor seine Unschuld und bestreitet jegliche Beteiligung an dem Skandal, sein Vertrag mit T-Mobile wurde dennoch inzwischen gekündigt. Eine DNA-Probe, die seine Unschuld möglicherweise beweisen könnte, lehnt Ullrich bislang ab.

Das komplette Interview wird heute um 20 und 22 Uhr in sport aktuell im rheinmaintv ausgestrahlt.



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