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Dopingverdacht: Tour-Sieger Contador positiv getestet

Er ist bereits gesperrt: Radprofi Alberto Contador, Sieger der Tour de France 2010, steht unter Dopingverdacht. In einer Urinprobe wurde die verbotene Substanz Clenbuterol nachgewiesen. Der Spanier beteuert seine Unschuld und schiebt alles auf "verunreinigte Nahrung".

Radstar Contador: Der nächste Sünder? Fotos
AFP

Madrid - Tour-de-France-Sieger Alberto Contador ist bei einer Dopingprobe während der Frankreich-Rundfahrt 2010 positiv auf die verbotene Substanz Clenbuterol getestet worden. Der spanische Radprofi machte in einer in der Nacht zum Donnerstag von spanischen Medien veröffentlichten Erklärung eine Lebensmittelverunreinigung für das positive Ergebnis verantwortlich. Dies sei die einzige Möglichkeit, ließ Contador mitteilen. Er setze sein Vertrauen in den Radsport-Weltverband UCI, um dieses "höchst gravierende Problem" aufzuklären.

Die UCI teilte in einer Erklärung mit, der dreimalige Tour-Gewinner (2007, 2009 und 2010), der seine diesjährige Saison bereits beendet hat, sei vorläufig gesperrt worden, wie es das Reglement vorsehe. Die Urinprobe, die zu dem positiven Resultat führte, sei am 21. Juli, dem zweiten Ruhetag der Tour de France, entnommen worden. Auch die B-Probe habe das Ergebnis des ersten Tests bestätigt.

Die Probe wurde vom Dopinglabor in Köln untersucht, die Welt-Anti-Doping-Agentur Wada habe die UCI entsprechend unterrichtet. Die Konzentration des Clenbuterol habe bei 50 Pikogramm (0,000.000.000.05 Gramm pro Milliliter) gelegen. Die UCI erklärte, der Fall verlange weitere wissenschaftliche Untersuchungen, bevor Schlussfolgerungen gezogen werden könnten. Diese Untersuchungen würden Zeit brauchen.

Contador droht die Aberkennung des Tour-Sieges

In dem Kommuniqué Contadors hieß es weiter, befragte Experten hielten eine Kontamination durch Lebensmittel ebenfalls für ursächlich. Vor allem, wenn man die Häufigkeit von Dopingtests während der Tour de France in Betracht ziehe. Die geringe Menge und die genaue Bestimmung des Zeitpunkts machten es möglich, "jeden anderen Ursprung und Absicht auszuschließen", teilte ein Sprecher des Sportlers mit. Contador selbst will sich am Donnerstag um 12 Uhr bei einer Pressekonferenz in seinem Heimatort Pinto bei Madrid dazu äußern.

Der 27-Jährige hatte die Tour 2010 mit lediglich 39 Sekunden Vorsprung auf den Luxemburger Andy Schleck gewonnen. Sollte Contador als Dopingsünder verurteilt werden, würde ihm als zweiter Radprofi nach dem US-Amerikaner Floyd Landis 2006 der Tour-Sieg nachträglich aberkannt werden.

Außerdem hatte einst auch der Däne Bjarne Riis im Zuge des Telekom-Skandals eingestanden, bei seinem Sieg 1996 gedopt zu haben. Der Titel wurde ihm aber nicht mehr aberkannt. Riis ist heute Chef des Rennstalls Saxo Bank. Bei diesem Team hat Contador bereits einen Vertrag unterschrieben, bislang fuhr er für die kasachische Equipe Astana.

Verdacht besteht schon seit langem

Bereits im Zuge der "Operacion Puerto" war Contador unter Dopingverdacht geraten. Er soll Kunde des Dopingarztes Eufemiano Fuentes gewesen sein, ehe sein Name wieder von der Liste der angeblich behandelten Sportler verschwand. Auch Jan Ullrich, Tour-Sieger von 1997, wird mit Fuentes in Verbindung gebracht. Fuentes, der die Sportler beim Blutdoping unterstützt haben soll, wurde bislang nicht verurteilt. Möglicherweise werden die Ermittlungen in Spanien sogar bald eingestellt. Kritiker werfen den spanischen Behörden vor, kein Interesse an der Aufklärung des Falls zu haben.

Bei Clenbuterol handelt es sich um ein Asthmamittel. Der Stoff, der illegalerweise auch in der Kälbermast eingesetzt wurde, gehört nicht zu den anabolen Steroiden (künstliche Derivate des männlichen Sexualhormons Testosteron). Clenbuterol hat aber eine leistungssteigernde Wirkung, da der natürliche Muskelabbau verlangsamt wird. Bei entsprechendem Training gibt es sogar einen muskelaufbauenden Effekt.

Daher wurde Clenbuterol häufig von Sportlern als Dopingmittel verwendet, unter anderem von der deutschen Leichtathletin Katrin Krabbe. Auch Radprofis wie der ehemalige Sprintspezialist Dschamolidin Abduschaparow wurden wegen Clenbuterol-Missbrauchs gesperrt.

Zudem wurde in der vergangenen Woche der deutsche Tischtennis-Nationalspieler Dimitrij Ovtcharov positiv auf Clenbuterol getestet. Der 22-Jährige bestreitet Doping und führt die positive A- Probe auf kontaminiertes Fleisch während der China Open zurück. Die Veranstalter wiesen den Vorwurf zurück. Das Ergebnis der B-Probe wird dem Deutschen Tischtennis-Bund im Laufe des Donnerstags vorliegen.

ffr/dpa/dapd

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 93 Beiträge
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1. Doping
venkerob 30.09.2010
Wen wundert das?? Ich freue mich nur auf die Ausreden des Betroffenen und der Verantwortlichen des UCI. Verunreinigtes Essen (contador) Nur ein Peak, daher fragwürdig (UCI). Ich fordere angesichts dieser verlogenen Gemeinschaft. gestattet allen Doping. So wird der Sport wieder transparent. Die Sportler sind alt genug um die gesundheitlichen Risiken zu kennen.
2.
hook123 30.09.2010
Jetzt bin ich aber überrascht, das hätte ich niemals gedacht ;-) Auch, dass die Erde keine Scheibe ist.
3. peinlich!
Matyaz 30.09.2010
Clenbuterol ist kein Steroid, das sollte man eigentlich wissen, wenn solch einen Artikel schreibt.
4. Nicht das Futter
samjatin_ 30.09.2010
Zitat von sysopJetzt steht auch der spanische Radprofi Alberto Contador unter Dopingverdacht: Der Sieger der Tour de France 2010 wurde bei einer Urinprobe positiv auf die verbotene Substanz Clenbuterol getestet und suspendiert. Contador macht "verunreinigte Nahrungsmittel" für das Ergebnis verantwortlich. http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,720389,00.html
Ich tippe ja eher auf Zanhpasta.
5. .
frubi 30.09.2010
Zitat von sysopJetzt steht auch der spanische Radprofi Alberto Contador unter Dopingverdacht: Der Sieger der Tour de France 2010 wurde bei einer Urinprobe positiv auf die verbotene Substanz Clenbuterol getestet und suspendiert. Contador macht "verunreinigte Nahrungsmittel" für das Ergebnis verantwortlich. http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,720389,00.html
Ach du meine Güte. Ein gedopter TdF-Sieger. So etwas ungewöhnliches. Das ist ja eine richtige Neuigkeit. War der Contador denn in letzter Zeit in China unterwegs? Beim Otcharov lässt sich das ja eventuell durch verunreinigte Lebensmittel erklären aber bei Contador bin ich schon etwas stutzig. Vor allem wenn man von Ex-Dopern zu hören kriegt, dass nach deren Einschätzung die TdF ohne Dope gar nicht zu gewinnen ist.
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Dopingsubstanzen und ihre Wirkung
Epo/HGH
Die Ausdauerleistung ist wesentlich davon abhängig, wie gut der Körper Sauerstoff aufnehmen kann. Das Hormon Erythropoetin (Epo) stimuliert die Produktion roter Blutkörperchen. Die erhöhte Anzahl der im Organismus zirkulierenden Erythrozyten verbessert die Kapazität des Blutes, Sauerstoff aufzunehmen und steigert damit Ausdauerleistungsfähigkeit.

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) verbietet den Gebrauch von Epo seit langem. Seit 1983 ist es möglich, Epo synthetisch herzustellen. Entwickelt wurde es für Patienten mit schweren Nierenleiden, die an Blutarmut leiden.

Das Wachstumshormon HGH wird bei Kleinwüchsigkeit eingesetzt. HGH lässt nicht nur die Muskeln, sondern auch die Knochen wachsen, das führt zu langen Gliedmaßen, einem verformten Kopf und Riesenhänden. Zudem verändert sich die Struktur der Organe. (mit dpa)
Anabolika
Anabolika sind künstlich hergestellte Verwandte des männlichen Sexualhormons Testosteron. Diese Steroid- oder Wachstumshormone haben sowohl eine den Muskelaufbau fördernde (anabole) als auch eine vermännlichende (androgene) Wirkung. Anabolika können als Tabletten als auch injiziert werden. In Deutschland sind sie rezeptflichtig, werden aber nur selten zur Therapie beispielsweise von Schwächezuständen eingesetzt.

Illegal werden Anabolika parallel zu entsprechendem Training eingenommen, um den Aufbau von Muskelmasse zu fördern – also als Dopingmittel missbraucht. Bekannte Anabolika-Präparate sind unter anderen Nandrolon, Metandienon und Stanozolol.
Stimulanzien
Als Stimulanzien (lat. stimulare = "anregen") werden Substanzen bezeichnet, die anregend auf den Organismus wirken. Sie stimulieren die Aktivität des Zentralnervensystems. Als Aufputschmittel werden sie kurz vor oder während des Wettkampfs eingenommen. Sie steigern die motorische Aktivität, erhöhen die Risikobereitschaft und vertreiben die Müdigkeit, aber auch das Gespür für die natürliche Leistungsgrenze. Bekannteste Stimulanzien sind Amphetamine, Kokain, Ephedrin und Koffein (nur in hohen Mengen verboten).

Viele Stimulanzien können bei regelmäßigem Konsum abhängig machen. Bei Überdosierung drohen je nach Substanz Bluthochdruck, Herzrasen, Schweißausbrüche und Übelkeit. Nach mehreren Todesfällen im Sport, die auf die Einnahme von Stimulanzien zurückzuführen waren, wurden sie 1967 auf die Dopingliste gesetzt.
Narkotika
Betäubungs- und Schmerzmittel wie Morphine werden eingesetzt, um bei Höchstleistungen auftretende Schmerzen zu unterdrücken - beispielsweise bei einem Marathon. Die Medikamente machen abhängig, weitere Nebenwirkungen sind Kopfschmerzen und Kreislauflähmungen. Von Radsportlern werde berichtet, dass diese auf den letzten Kilometern gerne Alkohol trinken, sagt Patrick Diel vom Institut für Kreislaufforschung und Sportmedizin der Deutschen Sporthochschule Köln. "Das dämpft den Schmerz, liefert Energie und hebt die Stimmung."

Ebenso wie Amphetamine seien auch die meisten Narkotika leicht nachweisbar und würden deshalb eher selten im Spitzensport verwendet. Zudem handle es sich auch hierbei um eine "Wettkampf-Droge", die direkt beim jeweiligen Sportereignis eingenommen werden müsse. Entsprechend hoch sei die Gefahr der Entdeckung. (mit dpa)


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