Streit um Sportförderung Im Hinterzimmer des Spitzensports

Der Deutsche Olympische Sportbund ist mit seiner Forderung nach 100 Millionen Euro mehr Förderung erst einmal gescheitert. Dennoch darf sich der Verband von Innenminister Seehofer mehr Entgegenkommen erhoffen.

DOSB-Chef Alfons Hörmann
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DOSB-Chef Alfons Hörmann

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Man kennt sich. Der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) ist Mitglied der CSU. Der für den Sport zuständige Staatssekretär im Bundesinnenministerium ist Mitglied der CSU. Und sein Minister, der am Ende darüber entscheidet, wie viel Geld der Sport in Deutschland erhält, ist auch Mitglied der CSU. Man könnte also denken, dass die Dinge für den DOSB bestens laufen. Auf dem kleinen Dienstweg sozusagen. Aber so einfach ist es nicht: Wenn es um Geld geht, nützt manchmal auch das Parteibuch wenig.

Und es geht um viel Geld beim Gezerre darum, wie der Spitzensport in Deutschland finanziell ausgestattet werden soll. DOSB-Boss Alfons Hörmann verlangt vom Bund eine Aufstockung der Förderung um gut 100 Millionen Euro pro Jahr. Man läge demnach bei 270 Millionen Euro Jahresförderung anstelle der bisherigen 170. Hörmann hat diese Größenordnung im Februar bei den Olympischen Winterspielen in Südkorea formuliert, Deutschland hat dort Medaille nach Medaille abgeholt. Hörmann sah sich in der Pole Position, Forderungen zu stellen.

Das Ministerium, seit dem Wechsel von Thomas de Maizière zu Horst Seehofer an der Spitze fest in CSU-Hand, will dem DOSB allerdings nur ein Plus von 30 Millionen Euro zubilligen. So steht es im Haushaltsplan des Bundes für die kommenden vier Jahre. 30 statt 100 Millionen Euro - das ist schon eine deutliche Abfuhr.

DOSB hofft auf CSU-Mann Mayer

Der starke Mann im Bundesinnenministerium heißt Stephan Mayer, er ist der Staatssekretär, saß jahrelang für die CSU im Sportausschuss. Seehofer selbst, so heißt es, ist im Unterschied zu Vorgänger De Maizière nicht wirklich brennend am Thema Sport interessiert, das ist keine Chefsache für ihn. Ihm sind die Themen Innere Sicherheit wichtiger, Mayer hat daher beim Sport weitgehend freie Hand.

Ex-Bundesinnenminister Thomas de Maizière und DOSB-Boss Hörmann in Pyeongchang
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Ex-Bundesinnenminister Thomas de Maizière und DOSB-Boss Hörmann in Pyeongchang

Mayer ist derjenige, auf den Hörmann seine Hoffnungen setzt. Und zunächst auch mit gewissem Recht. Mayer hat sich in einem Interview mit dem Deutschlandfunk dafür stark gemacht, dass das Geld, das der unabhängige Verein "Athleten Deutschland" bekommen soll, vom DOSB verwaltet und ausgezahlt wird. Es geht um 225.000 Euro, die der Bund dem Verein zugesprochen hat. Der Anspruch von "Athleten Deutschland", sich vom DOSB abzukoppeln und die Interessen der Sportler im Notfall auch gegen den Verband zu vertreten, ist Hörmann ein Dorn im Auge. Wenn der DOSB aber die Hand auf dem Fördergeld hat, könnte er mitreden, wofür das Geld ausgegeben wird.

Mayer hat in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" zwar betont, dass "die Athletenvereinigung maximale Entfaltungsmöglichkeiten erfahren muss", dennoch bleibt er dabei, dass das Geld über den DOSB fließen solle. Vereinsvorsitzender Max Hartung reagierte entsprechend irritiert: "Das wäre keine Unabhängigkeit."

Unbequemer Abteilungsleiter in den Ruhestand versetzt

Auch auf anderem Feld kam das Ministerium dem DOSB bereits entgegen. Der langjährige Abteilungsleiter Sport, Gerhard Böhm, musste seinen Posten räumen, stattdessen ist jetzt die Verwaltungsfachfrau Beate Lohmann an seine Stelle gerückt. Beim Thema Sport ist sie bisher noch nicht auffällig geworden. Böhm war so eine Art Lieblingsfeind des DOSB im Ministerium. Die Wünsche nach mehr Geld waren an ihm weitgehend abgeprallt, stattdessen hatte er darauf bestanden, dass die einzelnen Verbände sich erst einmal einer aufwändigen Finanz- und Effizienzanalyse zu unterziehen hatten. Böhm wurde in den Ruhestand versetzt, er soll, so heißt es in der FAZ, aus einem Mitarbeiterbrief davon erfahren haben, als er im Urlaub war.

Den Verdacht, dass hier CSU-intern Hinterzimmerpolitik betrieben wird, weisen Hörmann und Mayer vehement zurück. Ein solcher Vorwurf sei "schlicht inakzeptabel, weil wir von Beginn an mit hoher Transparenz agiert haben", sagt Hörmann. Und Mayer hält es für "abwegig, dass aufgrund derselben Parteizugehörigkeit ein ganz besonders kurzer Draht gegeben wäre".

Daher habe es auch nichts weiter zu bedeuten, dass Hörmann kurz nach Seehofers Amtsantritt in einem persönlichen Brief um ein Gespräch "in engstem Kreise" gebeten hatte, in dem der DOSB-Chef dem Minister die Belange des Sports noch einmal dringend vortragen wollte. Mit dem dezenten Hinweis, dass "die neuen bevorstehenden Entscheidungen im Bereich der Wintersportverbände unter anderem auch die Landtagswahl in Bayern nicht unwesentlich tangieren werden". Als dieser Brief an die Öffentlichkeit gelangte, sagte Hörmann: "Eine verantwortungsbewusste Klärung wichtiger Fragen beinhaltet selbstverständlich auch Gespräche im kleinen Kreis. Das war in der Vergangenheit so, und sie werden auch künftig stattfinden."

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sojus31 03.05.2018
1. jawohl...
gebt dem DOSB das Geld was er braucht. lieber dort investieren als in Panzer. Der deutsche Sport war in Pyeongchang endlich wieder Spitzensport. Eine saubere deutsche Mannschaft wo man Stolz sein kann. erinnert sei an solch Klasse Leistungen wie Gold im Eiskunstlauf der Paare oder Silber für unser Eishockey Team. Der deutsche Sport hat Tradition auch schon zu DDR Zeiten.
klugscheisser64 04.05.2018
2. Klingt böse nach Schmuh ...
... aber ob durch die CSU-Amigos das allgemeine und weit verbreitete Desinteresse der Deutschen Politik am Gesamtdeutschen Olympischen Sport abgebaut und ihm endlich eine der Bundesrepublik angemessene staatliche Förderung zu teil wird, wage ich ernsthaft zu bezweifeln. Bitte lehrt mich eines Besseren!!!
quark2@mailinator.com 04.05.2018
3.
Die Zusammenlegung der Deutschen Olympischen Komitees mit dem Deutschen Sportbund hat für mich damals schon keinen Sinn gemacht und macht es noch immer nicht. Geld für die Förderung gesunder Bewegung der Menschen im Land auszugeben ist eine gute Sache und dafür sollten auch Steuergelder da sein. Auf der anderen Seite hat Profi- und Leistungssport nichts mit gesundem Leben zu tun. Im Gegenteil, er geht auf die Knochen und es handelt sich defacto um einen Teil der Unterhaltungsindustrie. Da kann ich keinen Bedarf an finanzieller Förderung sehen. Nun kommt vermutlich das Argument, das die Vorbildwirkung wichtig ist, bzgl. Teamgeist, Fairness, etc. Aber man sehe sich das mal aus der Nähe an. Viel Fairness sieht man da mMn. nicht. Beim Fußball bezeichnen sie Schwalben als clever und "abgezockt" ist kein Schimpfwort mehr, sondern eher ein Lob. Insofern - Geld ja, aber bitte so, daß es wirklich zur Gesundheit beiträgt. Wer seinen Körper unbedingt mit Hochleistungssport in Gefahr bringen möchte, muß das aus meiner Sicht nicht noch bezahlt bekommen.
Lankoron 04.05.2018
4. Mehr Geld wäre
sicherlich wichtig und gut...aber nicht bei und über Partei- und Sportfunktionäre, sondern direkt an Sportler, Techniker, deren Trainer und Physiotherapeuten. Stattdessen wirds wieder an Funktionäre, Liebkind-Standorte und Bundestrainer ohne Trainingsgruppen gehen.
carinanavis 04.05.2018
5. tischtennis, basketball
Zitat von quark2@mailinator.comDie Zusammenlegung der Deutschen Olympischen Komitees mit dem Deutschen Sportbund hat für mich damals schon keinen Sinn gemacht und macht es noch immer nicht. Geld für die Förderung gesunder Bewegung der Menschen im Land auszugeben ist eine gute Sache und dafür sollten auch Steuergelder da sein. Auf der anderen Seite hat Profi- und Leistungssport nichts mit gesundem Leben zu tun. Im Gegenteil, er geht auf die Knochen und es handelt sich defacto um einen Teil der Unterhaltungsindustrie. Da kann ich keinen Bedarf an finanzieller Förderung sehen. Nun kommt vermutlich das Argument, das die Vorbildwirkung wichtig ist, bzgl. Teamgeist, Fairness, etc. Aber man sehe sich das mal aus der Nähe an. Viel Fairness sieht man da mMn. nicht. Beim Fußball bezeichnen sie Schwalben als clever und "abgezockt" ist kein Schimpfwort mehr, sondern eher ein Lob. Insofern - Geld ja, aber bitte so, daß es wirklich zur Gesundheit beiträgt. Wer seinen Körper unbedingt mit Hochleistungssport in Gefahr bringen möchte, muß das aus meiner Sicht nicht noch bezahlt bekommen.
und viele andere Sportarten (Bogenschiessen, Schwimmen usw.) gehen natürlich nicht "auf die Knochen. Sie verbreiten hier nur primitive Vorurteile. Es geht darum, diese anderen Sportarten in den Medien zu zeigen, damit nicht nur Fussball, Formel 1 und vielleicht Tennis als interessant gelten, Es könnte ja sein, dass Kinder und Jugendliche einfach Volleyball, Segeln oder irgendetwas anderess interessant finden, wenn sie es im TV sehen und denken, hey das möchte ich auch mal probieren. Ist schon klar, Sie suchen sich den NEGATIVSTEN Aspekt des heutigen Fussballs heraus und konstruieren daraus einen generellen Betrügersport. In Wirklichkeit taugt Sport auf jede Ebene dazu, Menschen zu verbinden, zu integrieren. Was gibt es besseres als deutsche Sportmannschaften mit Menschen unterschiedlicher Herkunft deren Eltern aus Afrika, Arabien, Asien usw. kommen, aber nun eben deutsche Bürger und Bürgerinnen sind? Auch hier ist der Mediesport ein grosses Vorbild.
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