Sportförderung DOSB fordert 40 Millionen Euro mehr vom Bund

Damit es bei den Olympischen Sommerspielen 2016 mit den Medaillen klappt, braucht der deutsche Spitzensport nach eigener Einschätzung mehr Geld. Der DOSB möchte der Bundesregierung deshalb in Kürze eine neue Berechnung vorstellen - und die sieht einen zusätzlichen Bedarf von 40 Millionen Euro.

Stabhochspringer Otto und Holzdeppe (r.): Olympische Medaillengewinner in London
DPA

Stabhochspringer Otto und Holzdeppe (r.): Olympische Medaillengewinner in London


Hamburg - Der deutsche Spitzensport verlangt wesentlich mehr Geld vom Bundesinnenministerium (BMI). Nach Informationen der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" rechnete ein Gremium unter Leitung von Christa Thiel, Vizepräsidentin im Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB), einen Mehrbedarf in Höhe von 38 Millionen Euro pro Jahr aus. Nun will der DOSB angeblich mit einer entsprechenden Forderung an das BMI herantreten.

"Wir werden nach den Koalitionsverhandlungen sehen, wer in der Zukunft Verantwortung für den Sport übernehmen wird und dann der neuen Bundesregierung und dem neuen Parlament den Finanzbedarf des Spitzensports darstellen", sagte DOSB-Generalsekretär Michael Vesper der "FAZ". In diesem Jahr umfasste die vom BMI finanzierte Förderung des Sports 130 Millionen Euro. Nach den Wünschen des DOSB soll der Etat auf etwa 170 Millionen Euro pro Jahr steigen, das entspräche einem Anstieg von 30 Prozent.

Basis für die erhöhten Forderungen bilden laut DOSB die zunehmende internationale Konkurrenz und die Ansprüche der Regierung an die Verbände, bei Olympischen Spielen jeweils zu den Besten zu gehören. "Wenn wir uns im internationalen Wettbewerb entwickeln wollen und mithalten sollen, dann brauchen wir auch die finanziellen Mittel", sagte Bernhard Schwank, der hauptamtliche Direktor für den Leistungssport im DOSB. Er bestätigte die "Bedarfsermittlung" für die kommenden Jahre bis 2016, wenn in Rio de Janeiro die Olympischen Sommerspiele stattfinden.

Die Verbände hatten im Rahmen einer schriftlichen Umfrage ihren Bedarf ermittelt. "Jeder Verband ist abgefragt worden. Deshalb ist dabei aber kein Wunschkonzert entstanden, wie man vermuten könnte. Alle Angaben der Verbände wurden vom DOSB auf eine realistische Einschätzung hin überprüft", sagte Thomas Schwab, Generalsekretär des Bob- und Schlittenverbandes für Deutschland.

Regierung zeigt Unverständnis für Forderungen

Gleichzeitig will der DOSB mit Hilfe einer Werbeagentur die Gründe für den Mehrbedarf darlegen. "Das ist definitiv notwendig. Der Punkt ist gekommen, auf die positiven Effekte hinzuweisen und die damit verbundenen Kosten", sagte Schwank. Die Offensive hat Thomas Bach ausgelöst, der neue Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), der vor knapp einem Jahr noch als DOSB-Chef einen Zuschlag von 25 Millionen Euro vom BMI gefordert hatte - allerdings für vier Jahre. Angeblich hatte sich daraufhin das Verhältnis zwischen Bach und Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) merklich abgekühlt.

Nach Informationen der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" trifft auch der neue Vorstoß des Sports nicht auf Gegenliebe bei der Regierung. In den letzten Kabinettssitzungen sollen die Wünsche des Sports samt und sonders abgelehnt worden sein.

"Es wird Weihnachten. Da werden Wunschzettel geschrieben", sagte die Vorsitzende des Sportausschusses, Dagmar Freitag (SPD): "Ich bin erstaunt, als Parlamentarierin eine solche Zahl in der Zeitung zu lesen. Zunächst einmal erwarte ich, was nach den Olympischen Spielen von London vorgesehen war, nämlich das System einer gründlichen Analyse zu unterziehen. Wir haben keinen realistischen Spielraum zur Erfüllung einer solchen Forderung, zumal die Finanzierung der Nationalen Anti-Doping-Agentur nicht gesichert ist. Bei dieser liegt erst einmal meine Priorität."

psk/dpa

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