Sportförderung Mehr Geld - aber wofür eigentlich?

Der DOSB will mehr Geld für die Sportförderung - und wird es wohl auch bekommen. Doch der Verband hat Probleme mit der Transparenz. Auch mit der Verschlankung kommt er nicht voran.

Thomas de Maizière (l.), Alfons Hörmann
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Thomas de Maizière (l.), Alfons Hörmann


Der Deutsche Hochleistungssport ist unersättlich und hat dabei große Probleme, die Anforderungen an eine transparente Sportförderung zu erfüllen. Jüngst berichtete die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" über die Schwierigkeiten von Sportfachverbänden, jene Millionen aus Steuermitteln, die ihnen im erst im Sommer verabschiedeten Bundeshaushalt für 2018 zusätzlich zur Verfügung gestellt wurden, ordnungsgemäß abzurufen.

Rund ein Drittel der 23,3 Millionen Euro Aufwuchs steht noch zur Verfügung. Kleinere Verbände unter dem Dach des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) sind offenbar überfordert. Im für Spitzensport zuständigen Bundesinnenministerium (BMI) gerät die 40 Personen umfassende Sportabteilung an ihre Kapazitätsgrenzen und soll demnächst aufgestockt werden. Mancher Verband habe nur ein kurzes Schreiben mit einer Kontonummer geschickt und um Überweisung gebeten, spöttelt man im BMI.

Ein Teil des Problems ist im spät verabschiedeten Haushalt begründet und kein Skandal. Andererseits stellt sich die Frage: Wenn der Sport hier schon überfordert ist, wenn wichtige Vorhaben der sogenannten Leistungssportreform nach zwei Jahren noch immer nicht umgesetzt sind, wie soll das dann erst mit jenem gigantischen Aufwuchs werden, den der DOSB für das Haushaltsjahr 2019 fordert?

114 Millionen Euro Mehrbedarf

Am Donnerstag trifft sich der Haushaltsausschuss des Bundestags zu seiner Bereinigungssitzung. Kolportiert wurden bislang zusätzliche Mittel aus dem BMI-Sporthaushalt von 60 bis 80 Millionen Euro. Tatsächlich ging der DOSB mit weit höheren Forderungen in die Gespräche. In einer Aufstellung, die dem SPIEGEL vorliegt, bezifferte der Dachverband die "Mehrbedarfe 2019", wie es in schönstem Bürokratendeutsch hieß, auf sagenhafte 114 Millionen Euro. Für ein Jahr.

Das heißt, die Spitzensportförderung sollte von ohnehin schon signifikant erhöhten 188 Millionen Euro in diesem Jahr auf 302 Millionen im kommenden Jahr steigen. Hinzu kommen noch die Steuermittel für die Sportsoldaten bei Bundespolizei, Zoll und Bundeswehr. Aus allen Bundesministerien fließen im kommenden Jahr insgesamt fast 400 Millionen in verschiedene Sportfördermaßnahmen.

Die BMI-Sportabteilung rechnete in internen Dokumenten Anfang Oktober nicht mit den 114 vom DOSB geforderten Millionen, sondern noch mit einer 55-Millionen-Forderung, die nun im Haushaltsausschuss verhandelt wird - weitere rund 38 Millionen wurden dem Sport bereits zugestanden. Es ist ein gewaltiger Aufwuchs, einmalig und schwer vermittelbar. Hieß es doch bei der Verabschiedung der Leistungssportreform im Dezember 2016, mehr Steuermittel gebe es nur gegen klare Konzepte.

Kritik vom Rechnungshof am DOSB

Auch rügte der Bundesrechnungshof im Frühjahr 2017 in scharfen Worten die bestehende Praxis und mahnte Korrekturen an. So kritisierte der Rechnungshof das Beratungsmonopol des DOSB in Sachen Sportförderung, das zu Intransparenz führe und zur absurden Situation, dass der DOSB selbst die Erfolgskontrolle seiner eigenen Arbeit erledigt. Der Bundesrechnungshof forderte vom BMI, sich vom Beratungsmonopol des DOSB zu lösen.

Zwei Jahre nach der Mitgliederversammlung in Magdeburg, auf der DOSB-Präsident Alfons Hörmann (CSU) mit Aufwuchs-Versprechen die Reihen schloss, sind entscheidende Versprechen der Reform nicht erfüllt. Erstes Beispiel: Die Zahl der Bundesstützpunkte (BSP) sollte von 204 um etwa 40 reduziert werden. Stattdessen haben DOSB und die Sportministerkonferenz der Länder vor einem Jahr in Saarbrücken nur eine Mogelpackung vorgelegt, die man im BMI leicht durchschaute.

Die Liste von damals 167 Stützpunkten umfasste nur Sommersportarten, man erweckte den Eindruck, als sei gekürzt worden - tatsächlich mussten 35 Wintersportstützpunkte addiert werden, es handelte sich also um 202 BSP. Am Donnerstag und Freitag treffen sich die Sportminister erneut in Saarbrücken. Um wie viele Bundesstützpunkte es nun geht, weiß niemand so recht - denn für einige, die geschlossen werden sollen, kamen etliche hinzu, was nicht nur in den neuen olympischen Sportarten bei den Sommerspielen in Tokio begründet ist.

Erschrockene Sitzungsteilnehmer

Zweites Beispiel: Die Trägerreform der Olympiastützpunkte (OSP), die von 19 auf 13 reduziert werden, ist längst nicht abgeschlossen. Vielen Fragen bleiben offen. Auch sind die OSP vom viel diskutierten PotAS-Analysesystem nicht erfasst, entziehen sich also einer halbwegs objektiven Bewertung und Vergleichbarkeit. Doch der DOSB verlangte im Bundeshaushalt 2019 eine Verdopplung der für den Etatpunkt "Olympiastützpunkte und Bundesleistungszentren" eine Verdopplung der Mittel: von 33,3 Millionen (2018) auf 68,8 Millionen. Im Regierungsentwurf zum Haushalt ist eine Steigerung von knapp 19 Millionen (rund 57 Prozent) berücksichtigt.

Mit dem ehemaligen Innenminister Thomas de Maizière (CDU) verstand sich Hörmann immer gut - folglich wird dieser Freund des Spitzensports am 1. Dezember auf der alljährlichen DOSB-Vollversammlung zum neuen Chef der DOSB-Ethikkommission gewählt. Natürlich hat de Maizière keinen Gegenkandidaten. Hörmann wird als Präsident im Amt bestätigt, nachdem er den Verbänden mehr Steuermittel beschafft hat, wenngleich auf mitunter intransparenten Wegen.

Die erneute Kandidatur von Hörmann hatte der DOSB Ende September nach der Konferenz der Landessportbünde (LSB) in Oberhaching verkündet. Angeblich habe es ein "einstimmiges Votum" für Hörmann gegeben. Tatsächlich aber wurde nicht darüber abgestimmt, wie sich Sitzungsteilnehmer erinnern, die erschrocken waren, als sie derlei Formulierungen auch im Protokoll lesen mussten.



insgesamt 4 Beiträge
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Alfred +1 08.11.2018
1.
Ich verstehe die Intention des Artikels nicht so recht. Millionen hierhin, Millionen dahin, teilweise Steuergelder teilweise auch wieder nicht usw. . Die große Frage ist doch folgende: Kann und will sich die neuzeitliche BRD Leistungssport in jeder sportlichen Richtung leisten oder nicht. Und wie soll dieser finanziert werden. Welche Struktur wäre dabei hilfreich? Den Sport, speziell den Leistungssport, einem Innenministerium zu unterwerfen ist zumindest fragwürdig. Wäre es nicht ehrlicher, wenn die Bundesregierung z.B. in ihrem Haushalt klar stellte, die Summe X steht grundsätzlich für den Leistungssport zur Verfügung und darüber hinausgehende Finanzen hat der jeweilige Athlet selbst zu tragen? Das ist schon heute praktisch in vielen Fällen so, aber dann soll sich die Bundesregierung bitte nicht mit fremden Federn schmücken! Die haben sich die Athleten selbst erkämpft.
ptb29 08.11.2018
2. Als Vorsitzender eines ehrenamtlich geführten Vereins kann ich sagen
Von der Förderung kommt bei den Nachwuchssportlern nichts an. Es geht hier nur um Leistungssport der Elite, und diese wird nach der Anzahl der Goldmedaillen bei Olympia festgelegt.
Fuxx2000 08.11.2018
3. Das Problem liegt eher beim BMI selbst
Dort ist leider viel zu wenig sportfachliche Kompetenz angesiedelt. Wer sich im Tätigkeitsfeld Hochleistungssport bewegt weiß, dass es sich dort in den allermeisten Sportarten um Einzelfallanalysen handelt. Bundesstützpunkte oder auch OSPs vor allem rein nach Aufsummierten Kaderzugehörigkeiten zu beurteilen greift einfach viel zu kurz. Und wer sich im Spitzensport nur ein wenig auskennt und die potas Listen mal studiert hat weiß, dass am Ende einer solchen Beurteilung die Realität und das Ergebnis sehr weit auseinander liegen können. Man kann durchaus über eine externe Kontrollinstanz nachdenken, dort müssen aber dann vor allem Sportwissenschaftler und Leute mit Erfahrung im Spitzensport angesiedelt sein. Und es mag sein, dass manch kleiner Verband nur schwer mit Mittelanträgen usw. zurecht kommt. Aber welche Qualität will man von einem völlig unterfinanzierten System bitte erwarten. Die Leute im BMI sind Bundesbeamte mit entsprechender Besoldung und regelmäßigen Gehaltssteigerungen. Die Mitarbeiter in den Verbänden können von solchen Privilegien leider nur träumen...
cleo345 heute, 10:47 Uhr
4. Deutschland im Vergleich zur restlichen Welt
Das Problem das wir in Deutschland haben, ist das erwartet wird dass wir bei Olympia, WMs, etc. mit dem Rest der Welt mithalten können, aber die Bedingungen deutlich schlechter sind. Angefangen beim Nachwuchs. Geld für Kinder aus schwächeren Familien ist nicht da. Anreisen zu Stützpunkttrainings oder Teilweise auch Juniorenturnieren (auch WMS und EMs) müssen von den Eltern mit bezahlt werden. Können Sie das nicht, heißt das oft, dass die Kinder nicht starten können und ihre Chance später Leistungssportler zu werden begraben können. Dazu kommt im Vergleich zu Amerika wo fast jeder begabte Sportler auch wenn er nicht international spielt ein Stipendium bekommt ist es hier nicht so. Eine Bekannte von mir die mit 18 den 5. Platz bei der Junioren WM im Karate erzielt hatte, hat kein Stipendium bekommen und musste Barfög beantragen. Wegen ihrem Sport hatte sie ein Semester länger Zeit, wofür sie Geld bekommen hätte. Da das BAföG aber nicht gereicht hat musste Sie arbeiten, studieren und trainieren alles gleichzeitig. Nach 1 Jahr hat sie aufgehört auf Turniere zu gehen. Genauso geht es aber auch vielen Atleten aus weniger bekannten Sportarten. Die sind auf Förderungen angewiesen um ein vernünftiges Arbeits-Trainingsverhältnis hinzubekommen. Kriegen Sie das nicht, dann müssen sie voll arbeiten und neben einer 40 Std Woche ist ein Training für den Profisport einfach nicht auf dem Niveau möglich wie in anderen Ländern, dementsprechend kann Deutschland nicht mithalten. Ein weiteres Problem ist, dass teilweise die Athleten Förderung kriegen wenn sie einen bestimmten Platz bei Wettkämpfen erreichen. Wird aber hinterher ein vorher platzierter Athlet wegen Doping disqualifiziert und sie haben den Platz eigentlich erreicht gibt es die Förderung trotzdem nicht, dies wäre zumindest ein Punkt bei dem man ansetzen könnte.
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